Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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A. STL'LER, ENTWURF FÜR EIN PFARRHAUS IN VERUINDUNG MIT DER KIRCHE

BERLINER KIRCHENBAUKUNST

VON 1840— 1870

VON

WALTER CURT BEHRENDT

Das neunzehnte Jahrhundert, das vielgerühmte
Zeitalter der wissenschaftlichen Entdeckungen
und technischen Fortschritte, bietet das seltsame und
bis dahin ungesehene Beispiel einer Kunst, die, völlig
entwurzelt und jeder natürlichen Überlieferung be-
raubt, mit überzeugtem Ernst die Lösung des Pro-
blems unternimmt, Anschauung durch Empfindung,
Geist durch Nachdenken und Bildung und Sinnlich-
keit durch Gesetz und Theorie zu ersetzen. Was die
Aufklärungszeit angebahnt hatte, indem sie ihrem
Vernunftgesetz auch die Kunst unterwarf und sie
kritisch zu denken begann, das vollendete das neun-
zehnte Jahrhundert, als es sich anschickte, diese ge-
dachte Kunst in die Wirklichkeit zu übertragen und
aus dem Reich des Geistes in die Welt der Sinne zu
versetzen. Nach jenem in der Studierstube gebil-
deten, aus den Werken des klassischen Altertums ab-
gezogenen Schönheitsbegriff, den Lessing, Winckel-
mann und Goethe definiert hatten, wird die Kunst

jetzt auch in den Werkstätten und Akademiesälen
konstruiert. Der Künstler, der nach Goethes be-
rühmtem Zeugnis durch Lessings Laokoon „aus der
Region einer kümmerlichen Anschauung in die freien
Gefilde des Gedankens" gerissen war, arbeitet nun
nicht mehr naiv, aus der Anschauung und aus voll-
endeter Übung und Kenntnis des Handwerks heraus,
sondern er sucht vielmehr mit Hilfe einer um-
fassenden historischen und philosophischen Bildung
und meistens unbekümmert um die Lehren der
technisch-handwerklichen Überlieferung, eine Stim-
mung zu geben, die, im Sinne jenes akademisch-
theoretischen SchönheitsbegrifFes als Kunst ge-
nommen wird. Die Kunst, die bisher entstand, als
ein natürliches Gewächs verfeinerter handwerklicher
Übung, wird jetzt bewusst gemacht, wird sozusagen
synthetisch hergestellt, als ein Produkt aus Wissen,
Philosophie und Geschichte.

Auf dem Gebiete der Baukunst ist der erste

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