Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 14.1916

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DIE AUSSTELLUNG DER FREIEN SEZESSION

VON

KARL SCHEFFLER

Die Spaltung der alten Berliner Sezession hat
insofern ihr Gutes, als jede Gruppe nun An-
strengungen macht, sich mit ihren Ausstellungen
vor der andern hervorzuthun. Es zeigt sich auch
hier, dass eine der bemerkenswertesten Eigenschaf-
ten der Berliner, der Ehrgeiz, unter dem Krieg nicht
gelitten hat. Auch in diesem Fall ist der Wettstreit
Ursache einer erfreulichen Beweglichkeit geworden.
Zuerst hat davon die Ausstellung der um Corinth ver-
sammelten Künstlergruppe Zeugnis abgelegt;* jetzt
zeugt davon die Veranstaltung der Freien Sezession
in den ihr verbliebenen Räumen des alten Hauses.

Diese Ausstellung mitten im Kriege ist mit mehr
Sorgfalt inszeniert als die meisten Sezessionsausstel-
lungen früherer Jahre. Man spürt Interesse und
Verantwortlichkeitsgefühl bis ins Kleinste. Freilich

* Siehe den Bericht im 3. Heft, Seite 151 ff.

war eine solche Gepflegtheit auch nötig, weil man
sich dieses Mal auf deutsche Kunst, auf die Ar-
beiten der Mitglieder und auf Werke einiger toter
Meister beschränken, weil man auf die internatio-
nale Note verzichten musste. Aus verhältnismässig
wenigem musste viel gemacht werden. Und das ist
ausgezeichnet gelungen. Der Gesamteindruck der
Ausstellung ist fast imponierend.

Diese Wirkung ist in erster Linie erreicht wor-
den durch ein sehr eindrucksvolles Arrangement.
Das Hängen ist zu einer Kunst erhoben worden.
Durch die Art der Gruppierung ist das vieldeutige
Material so übersichtlich geordnet worden, dass
man nichts Besseres thun kann, als den Weisungen
der Hängekommission folgen. Die zweihundert-
fünfzig Bilder zum wenigsten sind so geordnet,
dass jede Wand etwas wie ein Motiv ist, in dem

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