Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

DAS SCHLAFGEMACH
EINER DAME

EINE NEUE ARBEIT VON LUDWIG KOZMA

In einem der Budapester Villen-Viertel
hat Ludwig Kozma vielleicht die
vollendetste seiner eigenartigen Einrich-
tungen geschaffen. Traumhaft schön,
sachlich-schlicht in der Gesamtheit und
dennoch barocken üppig in den Einzel-
heitenistdas »Gemach einerDame«,
das nach vielmonatiger Arbeit als voll-
kommenes, bis ins kleinste durchseeltes
Kunstwerk aus Ludwig Kozmas Er-
sinnen als Wirklichkeit emporwuchs.
Und in seiner Idee fast über die Wirk-
lichkeit hinauswuchs. Ein orientalischer
Reichtum birgt sich in der westlichen
Zweckmäßigkeit diesesZimmers, der in
den Einzel-Dingen zuTage tritt und über
den Dingen schwebt. Eine Fülle und
Sorgfalt der künstlerischen und hand-
werklichen Gestaltung in allen Einzel-
gebilden, die sich, fast unerklärlich,
dennoch zur großzügigen Ruhe des Gan-
zen verbindet . . Dieser überbarocken-
üppige, östliche Zug in Ludwig Kozmas
Wesen ist es, der in seiner Raumkunst
trotz aller Sachlichkeit durchdringt und
sein ganzes Werk auszeichnet, der-
maßen, daß es den westlichen Beschauer
und Kenner bis in die Tiefen aufwühlt.

STUCKPLASTIK IN EINER HALLE

LUDWIG KOZMA U. OSKAR VARGA

Man kommt erst nach längerem Aufenthalt in diesem
Raum so weit, die Symphonie der Formen und
Farben in Einzelstimmen zu zerlegen. Die ersten Ein-
drücke: man tritt in ein weißes viereckiges Gemach, wo-
rüber, von der Decke herab, eine lotusförmige Wolke
schwebt. In dem Gemach sind sonderartig geformte, ver-
schiedenfarbige Möbel, sie sehen uns an, wie beseelte
Menschen: ein breites Ruhebett, ein Divan, ein Tisch-
chen, zwei Armsessel, — zwei Spiegel blicken uns gold-
gerändert entgegen. Und zwischen den beiden Wand-
Spiegeln tut sich eine breite, niedere Bühne auf, etwas
erhöht auf einem schimmernden, weißbraun gewürfelten
Parkettboden, eine Welt, worin ein aufrecht dastehender
Spiegel der König ist, an dessen Seite ein mit Anmut
amtierender Zermonienmeister steht, ein schwarzglänzen-
des Parfümkästchen. Über dem Bühnenraum eine leicht-
gewölbte, reichgeschnitzte Decke.. Das köstliche Schlaf-
gemach einer Dame also, mit einer Ankleide-Nische. . .

Wenn man durch die Tür eintritt, wird der Blick,
über die Herrlichkeiten des Schlafraumes hinweg, vor-
erst von dem Bühnen-Ausschnitt angezogen. Man sieht
die zu einer Bühnenöffnung durchbrochene Wand vor
sich. Diese Öffnung ist zunächst mit einem wallenden
roten Samtvorhang abgeschlossen . . Ein weißer Rahmen
mit festlich goldenen Verzierungen umgrenzt die Öffnung.
Über ihr, fast wie auf einer weißgoldenen Schüssel hin-
gelagert, weiß auf weiß aus der Wand reliefartig hervor-
gewachsen: ein ruhendes Weib; aufgestützt auf den
linken Arm, rührt sie traumhaft mit der Rechten an das
wallende Haar, als hätte das zu Füßen schwebende, ge-

heimnisvoll lächelnde Schlaf-Engelchen sie soeben mit
seinem Pfeile getroffen. Im Hintergrund ragt strotzend
eine Palme auf, sie wird wohl bald süße Traumdatteln
herabschütteln. Ein Stern schwebt über dem Haupte
der Träumenden: der gütigen Ruhespenderin »Nacht«. .
Rechts und links von der Bühnen-Öffnung steht symme-
trisch je eine kleine schwarze, sich nach unten verjüngende
Kommode auf wohlgewachsenen, zierlichen Beinen. Die
Vorderwände der Kommode sind rhythmisch gewellt.
Schatten und Licht spielen in den netzartigen Verzie-
rungen. Diese Verzierungen sind einer Sippe mit denen
an den Türrahmen, sie halten auch mit den über den
Kommoden angebrachten, sich gleichfalls nach unten ver-
jüngenden, Spiegeln oder eigentlich mit ihren Goldrahmen
Verwandschaft. Aber wie selbst ganz nahe Verwandte
durch individuelle Verschiedenheit der Charaktere er-
frischendes Leben in den Kreis der Sippe bringen, so
bringt das Anderssein jedes dieser Zierstücke Lebendig-
keit in die Raum-Einheit. Diese beiden Spiegel mit den
auf Herzen tänzelnden jungen Frauengestalten und ande-
rem Schmuckwerk lassen den Sinn einen Augenblick zu
rauschenden Festen hinschweifen, — sie weckenVisionen,
wie alles, was des Kozma'schen Geistes einen Hauch
verspüren läßt . . Dies ist also die symmetrische Wand
gegenüber der Eingangstür, zu der die Hauptachse des
Raumes führt. Dieses Eintreten in der Richtung der
Längs-Achse bringt die Bühnenwand, wie beabsichtigt,
für den Beschauer zur vollen »Bild«-Wirkung. Die übrigen
Wände hingegen sind, im Sinne des die Raumwirkung
sicher beherrschenden Künstlers unsymmetrisch gestaltet.
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