Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

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adolf propp—berlin-grunewald wandmalerei l e. empfangs-zimmer

PERSÖNLICHKEIT UND GEPFLEGTE FORM

Die Persönlichkeit ist nicht nur »höchstes Glück der des Auftraggebers wie des Künstlers großer Takt erfor-

Erdenkinder«, sie stellt den Sinn des Lebens dar. derlich, damit persönliches Wesen und gepflegteste Form

Für künstlerische Menschen, welche die ihrem Wesen sich hier harmonisch vereinen können. Kleinigkeiten

entsprechende Form fanden, scheint das eine Selbstver- unterscheiden meist die Zeitgenossen von einander,

ständlichkeit. Doch auch der schlichte Erdensohn wird Kleinigkeiten im Gesamtbild der Zeit heben den Einzelnen

nach dem Ausdruck seines Persönlichen ringen, beson- aus der Masse. Kleinigkeiten genügen, dem Heim die

ders in seinem Heim, in seiner engeren Umgebung. Da Eigenart des Besitzers aufzuprägen, aber gerade hier

taucht die Frage auf, wie kann er dies erreichen, wenn in der sorgfältigen und feinfühligen Wahl und Anord-

er sich bei der Einrichtung seiner Wohnung mit einer nung solcher Kleinigkeiten in Haus und Wohnung

Künstlerpersönlichkeit verbindet? In Raumgestaltung verrät sich Takt und Sicherheit des Geschmacks, und

und Möbelform erkennt man stets die Handschrift des aus den vielen Kleinigkeiten entsteht dann das Behag-

Schöpfers. Man ahnt wohl hie und da geäußerte Wünsche liehe, Persönliche eines Heims. Die Wohnlichkeit äußert

des Auftraggebers, das Entscheidende im Künstle- sich eben darin, wenn wir empfinden, daß feinfühlige Men-

rischen, die Form verrät meist wenig von ihm...... sehen in den Räumen leben und freundlich in dem Äuße-

Dabei glauben wir aus dem Eindruck eines Menschen, ren der Dinge ihr Leben erschließen, robert corwegh

aus seinem »Sichgeben« anderen gegenüber, auf seine *

Umwelt schließen zu dürfen. Das Heim eines Mannes, T"AER KUNSTLER, der zu entsagen vermag, sucht
der einen Künstler für den Entwurf heranzieht, wird 1 J nicht, sein Talent und seine Kenntnisse zu zeigen,
immer ein »gepflegtes« sein. Aber aus der Gepflegtheit sondern dieselben möglichst sachgemäß zu verwenden,
einer Wohnung können wir auf die äußeren Lebens-Um- Denn es wird sich herausstellen, daß zur Lösung auch
stände des Besitzers, nicht auf sein Wesen Schlüsse der einfachsten künstlerischen Aufgabe nicht so leicht
ziehen. Von dem Manne oder der Frau — denn die Frau einer mit einem Uberschuß von Kräften dasteht; zur voll-
spielt wohl im Heim die ausschlaggebende Rolle — von kommenen Lösung einer künstlerischen Aufgabe werden
Kultur und Geschmack verlangen wir indessen, daß in auch die außerordentlichen Kräfte kaum genügen. In-
ihren Räumen sich ihr Wesen in bester Form spiegelt, dem er dadurch bescheiden wird, so lernt er auch,
Zur Lösung dieses Problems ist sicherlich von Seiten seinem Wollen Maß und Ziel zu setzen, hans von marees.
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