Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

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architekt hans schumacher — köln wohndiele mit kamin. haus vow1nckel

DAS GLÜCKHAFTE HAUS

es entsteht aus glücklicher zusammenarbeit

Obgleich der Arbeitstisch des Architekten eigentlich Umgebung geformt haben. Es ist zu bedauern, daß es
eine Zeichenplatte ist, bereitet es doch besondere vielen Menschen heute nicht möglich ist, zu empfinden,
Freude, vom Schreibtisch aus den Aufnahmen eines wie unendlich beglückend die Dinge um uns sein können,
Hauses einige Worte mit auf den Weg zu geben, wenn, wenn diese Dinge mit dem Herzen geschaffen sind.
— wie bei dem vorliegenden »Haus Vowinckel«, — Die meisten Leute haben ja »so wenig Zeit«, — obgleich
die Erinnerung an das Werden des Bauwerks eine so an- doch dies alles ganz einfach und selbst mit geringen Mit-
genehme ist, dank der engen und frohen Mitarbeit des teln zu erreichen ist. Es kommt in der Wohnungs-Kultur
Bauherrn. Gut läßt es sich von einer solchen Arbeit ja vielmehr auf das »Wie« als auf das »Was« an. Das
plaudern, die mit lachendem Herzen geformt und zur Material und der Preis der Möbel und des sonstigen
gegenseitigen Freude einfach, ungesucht und wie selbst- Gerätes ist für die innere Qualität nicht von Belang, das
verständlich entstanden ist. Bei allen diesen Dingen, die wesentliche wird immer in der Echtheit des Gefühles
wir als »Architektur« ansprechen: Haus und Garten, der Schöpfer, in der Natürlichkeit ihrer Geste zu
Raum, Möbel und Gerät ist der Prozeß des geistigen suchen sein. Möbel und Räume wollen liebend dienen,
Werdens doch immer ausschlaggebend für ihren inne- sind um unseretwillen da, ihre stille Schönheit, die An-
ren Wert. Und nur die harmonische Zusammen- mut ihrer Linien will uns eine Quelle steter Freude sein,
arbeit zwischen Bauherr und Architekt wird einen wirk- Doch wir müssen sie wieder lieben; denn nur dem
liehen Wert schaffen, der dauernde Freude verspricht, verstehenden Herzen wird sich die ganze Schönheit eines
Wer hätte nicht schon den besonderen Reiz jener Raumes, eines Schrankes, eines Sessels, einer Truhe,
gepflegten Wohnlichkeit unserer urgroßelterlichenRäume erschließen. Dann werden Möbel und Dinge zu unseren
erlebt? Die Beziehungen dieser Menschen zu ihren guten Freunden. Die beseeligenden Stimmungen, die
Wohnstätten waren so inniger Natur, daß wir heute noch eine so geschaffene und gepflegte Umgebung auszulösen
beim Betreten eines solchen Raumes einen Hauch jener vermag, sind Lebensgefühl schlechthin, Erfüllung, das
Liebe spüren, mit der diese vergangenen Menschen ihre glückhafte Erlebnis unseres Seins . . hans Schumacher.

1984. VIII. 3.
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