Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INN EN-DEKORATION

ARCHITEKT WALTER KOSTKA-BERLIN WANDTISCH, SCHAUKASTEN. RAUCHTISCH

VOM WESEN DER ELEGANZ

ZWEI DEFINITIONEN DES ELEGANTEN

Das eigentlich »Elegante«,—so definiert der Philo- werk interessiert uns sein Stil umso weniger, je größer
soph und Soziologe Georg Simmel, — »vermei- die persönliche Einzigkeit und das subjektive Leben ist,
det die Zuspitzung auf die besondere Individualität, es das sich in ihm ausdrückt; denn mit diesem appelliert es
legt immer eine Sphäre von »Allgemeinerem«, Stilisier- auch an den Persönlichkeitspunkt im Beschauer; er ist
tem, sozusagen Abstraktem um den Menschen, — was sozusagen mit dem Kunstwerk auf der Welt »allein«,
selbstverständlich nicht die Raffinements verhindert, mit Für alles dagegen, was wir Kunstgewerbe nennen,
der dies Allgemeine der Persönlichkeit verbunden wird, was sich wegen seines Gebrauchs-Zweckes an eine Viel-
Daß neue Kleider besonders »elegant« wirken, liegt heit von Menschen wendet, fordern wir eine generellere,
daran, daß sie noch »steifer« sind, d. h. sich noch nicht typische Gestaltung, in ihm soll sich nicht nur eine auf
allen Modifikationen des individuellen Körpers so unbe- ihre Einzigkeit gestellte Seele, sondern eine breite, histo-
dingt anschmiegen, wie längere Zeit getragene, die schon rische oder gesellschaftliche Gesinnung und Stimmung
von den besonderen Bewegungen des Trägers gezogen aussprechen, die seine Einordnung in die Lebens-Systeme
und geknifft sind, und damit dessen Sonderart vollkom- vieler einzelner Menschen ermöglicht«. . . »Das Wort
mener verraten . . Ein lange getragenes Kleidungs-Stück » Elegant«, so definiert Kuno Graf von Hardenberg,
ist mit dem Körper verwachsen, es hat eine »Intimität«, »deutet an, daß es sich um eine Auswahl handelt, man
die dem Wesen der Eleganz durchaus widerstreitet, übersetzt es daher auch wohl mit »erlesen«, oder »ge-
Denn die Eleganz ist etwas für die »Andern«, ist ein wählt«, kommt aber damit dem Kern nicht recht näher,
sozialer Begriff, der seinen Wert aus dem allgemeinen denn eine gewählte Sprache ist noch keine elegante
Anerkanntsein« zieht . . Aller »Schmuck« soll das Indi- und ein erlesener Diamantschmuck könnte unter Um-
viduum durch ein Uber-Individuelles erweitern, das zu ständen auch unelegant sein. Empfindet man das Wört-
allen hinstrebt und von allen aufgenommen und geschätzt chen »elegant« einmal ganz durch, dann entdeckt man
wird, darum muß er, — jenseits seiner bloßen Material- alsbald, daß es nicht »ausgewählt an sich« oder »er-
Wirkung, — »Stil« haben. Stil ist immer ein Allge- lesen an sich« bedeutet, sondern ein ausgewählt aus
meines, das die Inhalte des persönlichen Lebens und bestimmten Voraussetzungen, aus einer eigenen Wesen-
Schaffens in eine mit vielen geteilte und für viele zu- heit, die sich in strafferer oder höherer innerer Spannung
gängige Form bringt. An dem eigentlichen Kunst- und einem schnelleren Lebensrhythmus als der Allge-
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