Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

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ELISABETH SUREN —DÜSSELDORF SALON IN EINEM LANDHAUS

INDIVIDUELLE EINRICHTUNG

schluss von seite 246

Kostbare Einrichtungen zeigen oft die Tendenz, die Schatzkästchen, aber leblos wirken? Weil hier meist ein
wahren Bedürfnisse der Bewohner zu verheimlichen, Wesen haust, das sich anstrengt, alles Eigenwesen zu
weil diese als Alltagsprosa »die künstlerische Linie stören« unterdrücken zu Gunsten des Typus »moderne Dame«,
würden, die gewisse Verpflichtungen auferlegt. Darum während in jenem Studierzimmer ein Mensch sein tat-
wirken so viele Wohnungen unwohnlich und lassen das sächliches Leben ausdrückt. Der Tisch, an dem er
wahre Lebensbehagen vermissen. Die Bewohner verges- schreibt, der Sessel, in dem er ruht oder liest, das Tisch-
sen, daß sie der vermeintlich individuellen Einrichtung chen, an dem er Kaffee oder Tee trinkt, die Bücherge-
ihre wahren individuellen Wünsche opfern. Wenn diese stelle, aus denen er die Bände nimmt, von denen einige
vorhanden sind, und außerdem noch guter Geschmack umherliegen und die Lampe, die das alles beleuchtet,
dazu kommt, nur dann ist »individuelle Einrichtung« alles dies ist von seiner Seele individuell durchdrungen
möglich und wirkliche Erhöhung des Lebens. Das ge- und das veredelt manchen Gegenstand, der an sich nicht
ringste Opfer aber an Behagen und Freude, das der Ein- »einwandfrei« ist, während die einwandfreiste Linie nie-
richtung gebracht wird, bedeutet vermindertes Leben, mals allein einem Raum Seele geben kann. Darum gehe
Ich habe Einrichtungen gesehen, in denen ich mich fragte: jeder, der sich individuell einrichten will, aus von dem
Wie mögen wohl, wenn keine Gäste da sind, die Be- Sessel, auf dem er sitzen, von der Ecke, in der er
sitzer in diesen Räumen ihre Abende verbringen? Kann plaudern will. Dann kann ihm der tüchtige Innen-
man sie sich hier denn beisammen sitzend denken, irgend architekt zu einem individuellen Salon oder Herren-
weichen alltäglichen Beschäftigungen gewidmet? Sind zimmer verhelfen, nicht aber, wenn er ein Herrenzimmer
nicht die Möbel meist so aufgestellt, daß sie eine Wand fertig bestellt, in der ehrgeizigen Absicht, dessen Stil
gut dekorieren und wird nicht das Bild gestört, wenn sein bisher formloses Leben von nun an einzuordnen . .
man sie einem praktischen Gebrauch zuführen will? .. Mutzusichselbst, das ist es, was dem Menschen
Wie kommt es, daß man die lebendige Atmosphäre am meisten fehlt, der im Grund von sich selber nichts hält
eines Alltags-Behagens noch am häufigsten in wirklichen und darum sein wahres Wesen gar nicht auszudrücken
Studierzimmern findet, während Damenzimmer oft wie wünscht, es vielmehr zu maskieren sucht . . O.h.Schmitz
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