Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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50 INNEN-DEKORATION

PROFESSOR ADOLF G. SCHNECK -STUTTGART SPEISEZIMMER. AUSF: SCHILDKNECHT & C1E.

SACHLICHKEIT UND GEHALTVOLLE FORM

VON PROFESSOR ADOLF SCHNECK

So schwer es ist, über künstlerische Dinge oder gar
über eigene Arbeiten zu schreiben, so sehr hat doch
jeder Schaffende hie und da das Bedürfnis, sich über
Fragen, die ihn nicht allein beschäftigen, sondern auch
die Allgemeinheit angehen, zu äußern . . So möchte ich
hier folgendes betonen: Die Entwicklung der Formen
und Werke auf dem Gebiet der Architektur und im Be-
sonderen auf dem der Raum-Gestaltung und des Möbel-
Baues zeigt im Verlauf der letzten fünfundzwanzig Jahre
eine nichts weniger als eindeutige Kurve. Es ist aber
doch erstaunlich und zugleich erfreulich, daß die Linie
dieser Kurve immer wieder auf den Punkt zurück-
kommt, von dem sie ausgegangen ist! Es ist der
Punkt, von dem aus allein eine selbständige, eigene Ent-
wicklung möglich ist, auf dem die Ansprüche unseres
Lebens und der Geist unserer Zeit zusammentreffen und
sich vereinigen mit dem unverfälschten, reinen Gesetz
der Konstruktion . . Daß die Entwicklung auch in der
Architektur immer wieder auf diesen einen Punkt hin-
steuert, dürfte als ein deutlicher Beweis dafür gelten,
daß die Nebenkurven auf ein »falsches Geleise« führen.

Überblicken wir einmal unsere Zeit und das, was in
ihr geschaffen wird. Finden wir da nicht überall — auf
anderen Gebieten als denen der Architektur — schon
solche, aus dem Konstruktiven erwachsende Formen, die
dem Ziel, das wir zu erreichen suchen, viel näher sind?
Es gibt solche Formen besonders auf den Gebieten, die
nicht durch Tradition »erblich belastet« sind .. Von einem
geschlossenen Auto werde ich, zusammen mit einem
Freunde, am Bahnhof abgeholt; wir fahren eine Stunde
lang in einem angenehmen, kleinen aber außerordentlich
bequemen »Räumchen«. Die Polstersitze entsprechen
in jeder Hinsicht ihrer Bestimmung, es fehlt uns nicht an
einem Aschenbecher, den wir leicht von unseren Sitzen
aus erreichen können, die Beleuchtung ist ebenfalls leicht
bei der Hand, und für gute Luftzufuhr ist bestens ge-
sorgt. Ehe wir aussteigen, betrachten wir nochmals die
wundervolle, exakte Arbeit und prüfen auch noch das
vortreffliche Äußere, bevor wir von unserem Bekannten
empfangen werden . . Dann treten wir durch ein Portal
mit Säulen aus der Bauformen-Lehre in ein neugebautes
Haus. Uberall hat hier die Künstlerhand des Architekten
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