Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNENDEKORATION

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DIE BESTE ZWECKFORM

Von allen menschengeschaffenen Dingen steht keines
so sehr unter den Gesetzen der besten »Zweck form«
als des Erdgebornen allererste gestalthafte Notdurft, die
Hausung, das Haus. So sehr Gemeinplatz diese An-
merkung auch sein mag, es ist heute schier notwendig
geworden, sie herauszustellen und zu erörtern. Das
Wesentliche am guten Wohnhaus ist doch der prak-
tische Grundriß, ja er ist alles: ein Haus, das den
Bedürfnissen eines normalen, gut und wahrhaft weltge-
sinnten Wohners entsprechend angelegt, das richtig in
seinen inneren, nothaften Architektur-Verhältnissen, ver-
nünftig in seinen von Außen bedingten Umständen er-
baut ist, ist unbedingt in jedem und jeglichem ästhetischen
Sinne schön, ja es muß es sein. Eine nur auf das Schön-
heitliche der Außenform tendierende Architektur-Gesin-
nung ist verwerflich. Gerade in diesen Blättern ist so
oft die Losung: »Von-Innen-Bauen 1« ausgegeben worden.
So wird es sich auch lohnend erweisen, diese goldenen
Vokabel einmal in ein »Sieh-nicht-nur-von-außen-an!«
umzuprägen. Man schätze zuförderst ein Haus nach
seinem wohnlichen Organismus, spüre den Bau-
zwecken nach, prüfe auf praktischen Wert hin, träume
nicht Wind und Wetter-Gegiebel in eine Gegend, wo
man sich hauptsächlich gegen Sonne zu schützen hat,
verlange nicht Veranden und Balkone nach einer Richtung,
aus der ständig der Wind weht, schwärme nicht für
hallenhaft offene, luftige Architektur in einem Klima,

das geschlossene Bauweisen erfordert, wünsche sich da
nicht große Fenster, wo sie ein Zimmer unheizbar machen
können, und dort kleine, wo sie angemessene Beleuch-
tung und ausreichende Belüftung der Wohnung verun-
möglichen, — und dies alles bloß, weil es von Außen
gesehen »schön« scheinen möchte . . In Urzeiten bauten
sich die Primitiven ihre Hausungen, einfach, wie sie
ihren Bedürfnissen entsprachen; und wenn auch viele
Jahrtausende Kultur und Zivilisation das Angesicht von
Welt und Leben verändert und gebildet, die Bedürfnisse
des Menschen bereichert und verfeinert haben, die
eigentliche Not ist doch immer dieselbe geblieben. . .

Gute Architektur ist organisch harmonische
Zweckform; das hat sich nie geändert, wird sich nie
ändern, es sei denn, daß wir körperlose Geister oder
wahrhafte Engel würden. Bis dahin ist wohl noch lange
Zeit. Wir sollten diese Zeit dazu verwenden, unser
Dichten und Trachten in einen guten Einklang zur Welt
zu bringen; denn wenn unsere Zwecke schön, edel und
lauter ins Ganze hineinpassen, dann ist das Zweckförmige
sicher das Schönste und Beste zugleich. . heinfich geron.



KONZENTRATION. Wenn man genötigt ist, mit
geringen Mitteln möglichst viel zu erreichen, so
kommt die Konzentrierung auf den Zweck von selbst
und damit ist dann auch die Möglichkeit gegeben, daß
künstlerischer Wert in die Bauten kommt. . . h. cürlis.

192*. xi. 3.
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