Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

entwurf: professor adolf g. schneck—stuttgart. wandleuchter. ausf: mius-werke

VERINNERLICHUNG DER ARBEIT

jede betätigung vermag den menschen zu adeln

Alles, worin der Mensch sich betätigt, — wenn es gleich desselben sei, ist unabsehlich. Freiheit ist freilich stets

l nur bestimmt ist, physische Bedürfnisse mittelbar die notwendige Bedingung, ohne welche selbst das seelen-

oder unmittelbar zu befriedigen, oder überhaupt »äußere« vollste Tun keine heilsame Wirkungen hervorzubringen

Zwecke zu erreichen, — ist auf das genaueste mit in- vermag. Was nicht von dem Menschen selbst gewählt,

neren Empfindungen verknüpft. Manchmal ist auch, worin er auch nur eingeschränkt und geleitet wird, das

neben dem äußeren Endzweck noch ein innerer, und geht nicht in sein Wesen über, das bleibt ihm ewig

manchmal ist sogar dieser der eigentlich beabsichtigte, fremd, das verrichtet er nur mit »mechanischer« Fertigkeit,

jener nur, notwendig oder zufällig, damit verbunden. . . *

Je mehr Einheit der Mensch besitzt, desto freier ent- Jede Betätigung vermag den Menschen zu adeln, ihm

springt das äußere Geschäft, das er wählt, aus seinem eine bestimmte, seiner würdige Gestalt zu geben. Nur

inneren Sein. Und desto häufiger und fester knüpft auf die Art, wie sie betrieben wird, kommt es an;

sich dieses an jenes da an, wo dasselbe nicht frei ge- und hier läßt sich wohl als allgemeine Regel annehmen,

wählt wurde. Daher ist der interessante Mensch in allen daß sie heilsame Wirkungen äußert, solange sie selbst

Lagen und allen Geschäften interessant, daher blickt er und die darauf verwendete Energie die Seele des

zu einer entzückenden Schönheit auf in einer Lebens- Menschen ausfüllt; nachteilige hingegen, wenn man

weise, die mit seinem Charakter übereinstimmt. mehr auf das »Resultat« sieht, zu dem die Betätigung

* führt, und sie selbst nur als »Mittel« betrachtet. . .

So ließen sich vielleicht aus allen Handwerkern Denn alles, was in sich selbst reizend ist, erweckt

Künstler bilden, d. h. Menschen, die ihr Gewerbe um Achtung und Liebe, —was aber nur als Mittel »Nutzen«

ihres Gewerbes Willen liebten, durch eigen ge- verspricht, erweckt bloß »Interesse«; und nun wird der

lenkte Kraft und eigene Erfindsamkeit verbesserten und Mensch durch Achtung und Liebe ebensosehr geadelt,

dadurch ihre intellektuellen Kräfte kultivierten, ihren als er durch bloßes »Interesse« häufig in Gefahr ist,

Charakter veredelten, ihre Genüsse erhöhten. So würde entehrt zu werden.......Wilhelm von Humboldt.

die Menschheit durch eben die Dinge geadelt, die jetzt *

so oft dazu dienen, sie zu entehren. Der Gewinn, wel- A 7 OM HANDWERK. Die Technik ist im Kunstwerk

chen der Mensch an Größe und Schönheit einerntet, V nur Mittel zum Zweck, nie Selbstzweck. Sie ist das

wenn er unaufhörlich dahin strebt, daß sein inneres Handwerk in der Kunst, und das soll der Künstler

Dasein immer den ersten Platz behauptet, daß es immer lernen, — gerade um nicht Handwerker zu sein. Eine

der erste Quell und das letzte Ziel alles Wirkens und folgsame Hand soll man sich erwerben, und das kann

alles Körperliche und Äußere nur Hülle und Werkzeug nur durch viel Übung geschehen. . . . hans von marees.
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