Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

wohnung fritz lang-berlin-grunewald blick ins wohnzimmer. »masken und schädel«

eine unausgesetzte Sehnsucht; und sie verstehen, warum
sie aus der Bücherei mit den verzerrten Fratzen, den ge-
flügelten Ungeheuern der Südsee in das Zimmer geführt
werden, in dem vom »Schrank der Tausend Freuden«
sie der Kopf des Allwissenden Buddhas grüßt: die Inkar-
nation des Nichtsfürchtens, des Erlöstseins, des Friedens.

*

Das abgebildete Bibliotheks-Zimmer (Seite 254, 255)
hat tiefdunkelviolette Wände, gegen die sich das
Schwarz-Weiß-Rot der Südsee-Plastiken, die bunten
Bücher-Rücken, die Radierungen und Zeichnungen kräftig
abheben. Die Büchergestelle sind schwarz . . Die Wände
des angrenzenden Tee-Zimmers (Seite 258 — 259) sind
grau, mit Gold gespritzt. Der chinesische Wand-Teppich
hat eine gelbe Grundfarbe, blaue Drachen, Mäander und
Wolken, dazwischen rote Wolken und eine rote Um-
randung. Der Sammlungs-Schrank und das niedere
Tischchen sind in dunkelbraunem, altem Holz. Die Bilder
an den Wänden sind teils japanische Gespenster-Holz-
schnitte, teils altchinesische Bilder, auf Rohseide aufge-
zogen, in hellen Naturholz-Rahmen . . Im Wohnzimmer
(Seite 256 und 261) sind an ockergelben Wänden siame-
sische Tempelfahnen, chinesische und japanische Kake-
monos, verschiedene Masken aus Japan, China, Ceylon,
Siam und der Südsee. Im Eßzimmer ist eine Sammlung
von Riedinger-Stichen und schönen alten Tierbildern, f. l.

MEINE WOHNUNG. In dem »Sprechsaal« der
»Innen-Dekoration« wärees interessant, Äußerungen
der Leserinnen und Leser zu lesen: wie sie ihr Heim
eingerichtet haben, um ein Bild gewinnen zu können, in
welcher Richtung im allgemeinen Behaglichkeit und
Wohnlichkeit erstrebt wird . . Wünschen sie eine kurze
Schilderung, wie ich mein Heim gestaltet habe? Neben
der Zweckmäßigkeit ist mir die Farben-Stimmung maß-
gebend. Ich besitze gute alte Möbel und überaus schlichte
neue; die Tongebung eines jeden Zimmers wurde sorg-
sam überdacht. Im lilagrauen Eingangsflur: violette Samt-
bezüge, eine große Stickerei in Violett auf weißer Seide
und viele japanische Holzschnitte. Im Eßzimmer: weiße
Wände, Mahagoni-Möbel, zitronengelbe Seidenvorhänge
und Stuhlbezüge, Ölbilder und altes Porzellan. Im Be-
suchszimmer: weiße Wände, weiße Korbmöbel, darauf
Leinenkissen mit Klöppelspitzen-Einsätzen, weiß ge-
rahmte Aquarelle, ein schlichter japanischer Wandschirm,
schwarzlackierte, gelegentlich mit Gold verzierte Klein-
möbel und orientalische Kleinkunst. Im Arbeitszimmer:
alte Eichenmöbel, alte Rahmen um Holzschnitte, Litho-
graphien und Handzeichnungen; kleine Perserteppiche,
blaue Wände und Bezüge. Das Schlafzimmer in Weiß
und Rot, weiß und rote Matten, weiß lackierte Möbel;
das Badezimmer: weiß und hellblau . . So ist die Woh-
nung, in der ich mich wohl fühle . . marie von bunsen.
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