Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

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architekten etwan1k & perl in berlin anrichte-raum mit eingebauten schränken

DER GARDEROBE-RAUM

Die Kleiderablage ist für ein gastfreundliches Haus Raum muß sehr starke Beheizung und Lüftungsvorrich-

kaum weniger nötig als Empfangs- oder Speise- tung erhalten und seine Wände sollen, wenn nicht in

zimmer. Ihre Lage unmittelbar neben dem Eingangsflur Fliesenbelag, so in ganz hellem Olfarbenanstrich gehalten

ist selbstverständlich; ihre Größe richtet sich nach der werden. Die Kleiderständer müssen oben mit Glasplatten

Zahl zu erwartender Gäste, und zwar muß auf dem Lande zum Hutablegen, unten mit abgeteilten Vorrichtungen

wegen umfangreicherer Schutzhüllen reichlicher als in zur Unterbringung von Schirmen versehen sein; davor

der Stadt vorgesorgt werden. Hier genügt eine Entfer- noch eine Schutzstange, damit die Mäntel nicht mit den

nung der Kleiderhaken voneinander von etwa 18 cm, Schirmen in feuchte Berührung kommen; unter diesen

dort sollte man nicht unter 22 cm gehen. Genügen die eine große Rinne zum Ablaufen des Tropfwassers. Be-

Wandflächen nicht zur Anbringung der nötigen Haken- leuchtungskörper in der Mitte der Decke, auch jedes

zahl, so sind metallene doppelseitige Ständer, in Zwischen- Kabinetts; am Waschtisch und zu beiden Seiten des

räumen von 80 cm Breite aufzustellen. Für größere Fest- Spiegels möglichst bis 40 cm vortretende Wandarme in

liebkeiten würde hierbei die Kleiderablage ganz unver- rund 1,80 bis 1,90 m Höhe. Das Fenster ist solcher Art

hältnismäßige Maße haben müssen. Damen und Herren zu verglasen, sodaß man von vorneherein das Gefühl hat,

getrennt ihre Hüllen ablegen zu lassen, hat auch sein unbeobachtet zu sein. . . oberbaurat hans schliepmann.

Gutes: die Damen, die man dann in ein Zimmer im oberen -k

Stockwerk verweist, das behelfsweise mit Kleiderstän- ^^AUKUNST. Es ist gut, daß unsere Zeit zum Archi-

dern usw. ausgestattet wird, können dann ungenierter A3 tekten die richtige Einstellung hat, und ihn in erster
kleine Schönheitsnachbesserungen und gegenseitige Nach- Linie als Künstler, als Bau-Künstler nämlich, be-
hülfen vornehmen. Diese Räume enthalten Waschtische trachtet. Mag auch immer manche Ausführungsarbeit
mit großem Spiegel und allem Zubehör, einen vollbe- beim Bauen handwerklicher Natur sein, mag auch oft kon-
setzten Toilettentisch, einige Sitzgelegenheiten, niedrige struktives Arbeiten von ihm Fähigkeiten und Kenntnisse
Schemel zum Schuhewechseln und -schnüren, Stiefel- des Ingenieurs erfordern, im ersten und letzten ist er doch
knechte und möglichst großen Spiegel. Dieser läßt sich schöpferisch schaffender Künstler. Denn wo der Hand-
u. a. auf einer der drei Kabinett-Türen anbringen, die werker am Ende ist, fängt der Ingenieur an, und wo
nach innen hin aufschlagen sollten, besonders wenn im sie beide nichts ausrichten können, da beginnt erst das
Ablegeraum eine kräftige Kokosmatte verlegt wird. Der eigentliche Werk der Architektur. . . . Heinrich geron.
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