Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKO RATION

ENTWURF: ARCHITEKT CARL MQLLER —KÖLN. VORRAUM. AUSF: P. M1CHAUD-LE1PZ1G

KÜNSTLERISCHE POTENZ aufzuklären. Ein bekannter Psychiater gibt folgende

Definition: »Der »Fetischismus« verhält sich zum »Anti-

Als »negierende« Kräfte auf dem Gebiet des kunst- Fetischismus« wie etwas Positives zu etwas Nega-
i. gewerblichen Schaffens und der Einrichtungskunst tivem, wie Zuneigung zu Abneigung, wie Lustbetontes
betätigen sich zur Zeit etliche Wortführer; der eine pro- zu Unlustbetontem, wie Liebe zu Haß . . So heftige For-
pagiert die Losung »Los vom Ornament«, der andere men der Fetisch-Haß gelegentlich annimmt, so stellt er
sucht die Hausfrauen anzustacheln, allen überflüssigen im Grunde doch nur einen verkappten Fetischismus dar,
Kram aus der Wohnung herauszuschaffen und betrachtet bei dem das Unlustgefühl aus dem Nichtvorhandensein
dieses Tun als »schöpferische« Tätigkeit . . Jede Nega- der lustbetonten Sinneswahrnehmung erwächst.« Und
tion ist, als »Korrektiv«, auch eine wirksame Kraft, und weiter: »Als Ursache seelischer Impotenz spielt die anti-
es wäre somit nichts einzuwenden, wenn diese Wort- fetischistische Idiosynkrasie eine nicht geringe Rolle.«
f ührer nicht den Mund so voll nehmen und neben wenigem Damit wäre also die psychologische Grundlage solcher
Richtigen sehr viel Unrichtiges behaupten würden. Vor »Verneinung« klargelegt. Von einem solchen Gesichts-
allem wird versucht, durch das, als Vorwurf gedachte punkt aus versteht man dann eine Äußerung des einen
Wort »Fetischismus« die Freude des Menschen an Wortführers, wenn er noch mit Nachdruck betont: »Vor
den Dingen seines Heims zu untergraben. So ergibt sich nichts habe ich mich im Leben so gehütet, wie vor dem
die Notwendigkeit, mit ein paar Worten die Sachlage Produzieren neuer Formen«, oder seine Abneigung »ge-
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