Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

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llovd-dampfer »columbus«-bremen blick in den speisesaal il klasse

Die neuzeitlich eingerichteten Küchen- und Wirtschafts-
räume erstrecken sich über eine Gesamtfläche von 1100
qm. An der Ausführung der Räume waren u. a. fol-
gende Firmen beteiligt: Die Gesellschafts-Räume der
ersten Klasse, Halle, Verbindungs-Räume, Bibliothek und
Speisesaal wurden durch die »Vereinigten Werkstätten
für Kunst im Handwerk« A. G.-München ausgeführt;
Rauch-Salon, Lauben, Kabinen und Staatskabinen durch
Heinrich Pallenberg-Köln, weitere Kabinen durch M.
Ballin-München, Brauer & Wirth-Stuttgart; an der Ein-
richtung beteiligt waren ferner: I. H. Schäfer & Co.-
Bremeo, Steiniger & Co.-Hemelingen, Wilhelm & Co.-
München, Eugen Ehrenböck-München. Außer den Ar-
beiten von Prof. Wackerle, Professor E. R. Weiß und
Alfred Hagel fanden auch noch Werke der Maler Geff-
ken, Gött, Heß, Hirth, Schilling, Schultz und Thöny Ver-
wendunginder Ausschmückungder Gesellschafts-Räume.

So kann zusammenfassend noch einmal gesagt werden,
daß aus der Zusammen-Arbeit hochwertiger technischer
und künstlerischer Kräfte auf dem Lloyd-Dampfer
»Columbus« die Forderung der Neuzeit: »höchsten
technischen Komfort mit höchster künstlerischer
Vollendung zu vereinen«, rostlose Erfüllung gefunden
hat, und daß den Fahrgästen in dieser vollkommen
eingerichteten schwimmenden Behausung Annehmlich-
keiten geboten werden für die Reise, wie sie auf keinem
anderen Dampfer der Gegenwart vorzufinden sind. . . r.

DER TANZENDE SAAL

Fülle, Überfluß, unfaßbar Vielfältiges entflammt Er-
regung, Rausch, gehobene Stimmung, sofern diese
Uberfülle sich aus angenehmen Einwirkungen zusammen-
setzt. Licht und Lichterglanz ist immer ein solches be-
lebendes Erlebnis; Lichtfülle, vielfaches Licht berei-
chert, bewegt, verlebendigt den Raum, steigert die Raum-
stimmung zum festlichen Glanz, erhebt und erheitert den
Menschen, bringt den Raum zum »tanzen«, wie mit
wenigen Worten eine reizende Episode aus »Tausend
und eine Nacht« sehr anschaulich dartut:

»Scheich Ibrahim«, sagte Enis el-Dschelis, »darf ich
aufstehen und mit Deiner Erlaubnis eine der Kerzen an-
zünden, die hier aufgereiht stehen?« »Ja«, antwortete
Ibrahim, »steh' nur auf, steck' aber nur eine der Kerzen
an.« Da stand sie auf und steckte eine nach der andern
an, bis alle achtzig Kerzen brannten. Dann setzte sie
sich wieder . . Nur ed-Din sagte darauf: »Scheich Ibra-
him, wie glücklich bin ich bei Dir! Läßt Du mich wohl
eine dieser Lampen anzünden?« »Steh' auf«, sagte Ibra-
him, »steck' aber nur eine Lampe an.« Da stand er auf
und steckte eine Lampe nach der andern an, bis alle
brannten und der ganze Saal zu tanzen schien.. »Ihr seid
ausgelassener als ich«, sagte Ibrahim, den der Wein über-
mannte, stand auf, öffnete alle Fenster und setzte sich
wieder zu ihnen. Sie zechten und trugen Verse vor,
und der Saal hallte wider von ihrer Fröhlichkeit«. . s.

1924. ix. 2.
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