Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

PROFESSOR HEINRICH STRAUMER—BERLIN WOHNZIMMER IM HAUS FLOR.JESS1E HÖSEL

DAS ZIMMER DES JUNGEN MÄDCHENS

VON KUNO GRAF VON HARDENBERG

Um das Zimmer eines jungen Mädchens einzurichten, abprallt, sind von vornherein ungeeignet. Ein gleiches
bedarf es keines großen Aufwandes von architek- gilt von schweren Stoffen und Prunkmobiliaren. Schöne
tonischen Kenntnissen, es ist vielmehr eine Aufgabe für Blüten kommen am besten zur Geltung in einem einfachen
einen feinen Kenner des schöneren Geschlechtes,Verehrer Kristallgefäß 1 In einer prunkenden Vase werden sie
der Weiblichkeit und Freund der anmutigen Launen alles nur zu nebensächlichen, vergänglichen Duftspendern . .
werdenden Lebens. Der Raumkünstler, dem der Auf- Der Raumkünstler, der Mädchenzimmer gestalten
trag wird, ein Zimmer für die junge Tochter des Hauses will, soll verstehen, das Hold-Ephemere, das — ach nur
zu gestalten, muß werdende Eigenart fein erfühlen, un- zu bald — Vergängliche zum Ereignis zu machen, soll
ausgesprochene Wünsche erraten, muß Zartheit und seinen Zauber bannen. Ferner wisse er: Der geschaffene
Jugendfrische den richtigen Hintergrund geben können. Raum muß auch geistiger Nährboden sein, aus dem An-
MädchenzimmereinrichtenmußeineArtMinnedienstsein. regungen, Förderungen und Entwicklungsmöglichkeiten
Ein Mädchenzimmer darf in erster Linie nur Hinter- aufgesogen werden können. Es ist das sehr wichtig!
grund sein, edler, reiner, klarer Hintergrund für das Kann er in diesem Geiste wirken, so wird er sich dank-
Schönste, was das Leben zu bieten hat. Seine einzige bare Herzen gewinnen. Die Stellung des Raumkünstlers,
Pflicht heiße: heben, reizvoll erscheinen lassen, bewun- der das Zimmer eines jungen Mädchens zu bilden hat,
derungswürdig machen, das Frohe froher, das Launige ist durchaus ebenso verantwortlich wie die jedes anderen
launiger, das Charakteristische charakteristischer ge- Jugendbildners. Man prüfe also, ehe man eine Ent-
stalten. Schwere Wände, kunstvoll gegliedert, ernst Scheidung trifft, ob der für diese Aufgabe in Aussicht
getönt, Wände an denen jedes lustige Kichern, jedes genommene Architekt auch wirklich das zu geben hat,
Zutuscheln wichtiger kleiner Geheimnisse erbarmungslos was gegeben werden muß und gegeben werden kann.
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