Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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INNEN-DEKORATION

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architekt willy foltin-wien kredenz mit reicher einlege-arbeit

EINRICHTUNG - EINFÜHLUNG

einige randbemerkungen

Das Heim des Menschen ist ein Stück seines Lebens. Kastens übereinstimmen, die Wandsockelhöhe sollte nicht

Demgemäß ist es die Aufgabe des Einrichters, den an den Sesselfüßen wiederkehren, das gibt zu starre

Bauherrn und Bewohner mit den Einrichtungs-Stücken Bindung . . Man vermeide die »Uniform« in der Gestal-

zu umgeben, die dessen Wesen entsprechen. Ehe man tung der Einrichtungs-Stücke, — aus der Bestimmung

das Haus oder den Raum erbaut oder ausstattet, wird jedes einzelnen Stückes soll sich seine Form ergeben,

man den Bauherrn sozusagen »mitten in den Raum« *

stellen und die Beziehungen zwischen ihm und dem Raum, Möbel, Kästen, Kredenzen usw. stelle man nicht auf
die »Physiognomie« des Raumes klarzulegen suchen, allzu schwere Sockel, da diese den Eindruck erwecken,
Man wird den Auftraggeber anregen, selbst zu sagen: als ob die Möbel wuchtig aus der Erde hervorwüchsen.
»Hier will ich arbeiten, hier essen, hier meine Bücher Schwere Sockel zerreißen die Einheit des Raum-Ein-
lesen, hier meine Gäste empfangen. Man wird suchen, drucks und behindern auch die Reinhaltung des Raumes,
herauszufinden, wie der Bauherr sich zum Leben und zur Schnitzereien sind nur an massiven Holzteilen anzu-
Kunst stellt, und danach streben, ihm soweit seinen Willen bringen, und nur dort angebracht, wo die Konstruktion
zu lassen, daß er sich heimisch fühlt in der neuen Umge- massive Teile bedingt. Keine Schnitzereien auf furnier-
bung, und ihm in seinem Heim die formgebende Hand ten Flächen ansreheftetl Nur wo die natürliche Grund-
des Architekten gar nicht mehr zum Bewußtsein kommt. läge im Material für die Schnitzerei gegeben ist, wirkt
Ist der Raum bereits gegeben, dann sind zunächst sie angenehm, sonst unlogisch und gekünstelt. Auf fur-
Türen und Fenster einer Prüfung zu unterziehen, ob sie nierten Flächen ist als Schmuck nur die Intarsia möglich,
belassen werden können, da ihre Lage für die Raum- Da bei unseren Möbeln furnierte Flächen fast die Regel
Einteilung und Licht-Verteilung von gtößter Bedeutung geworden sind, so sollte die Intarsia-Arbeit häufiger zu
ist. Die Wandbehandlung ist meist schon entscheidend sehen sein. Es bieten sich hier viele neue Möglichkeiten,
für die Raumwirkung. Bei Stoffen vermeide man jede Jedes Material erfordert eine besondere Einfühlung,
unnatürliche Raffung; man wähle helle Stoffe und lasse Was in Holz zierlich wirkt, ist in Metall zu schwer, und
sie ruhig und einfach fließen in ungekünsteltem Falten- die Form, die dem Metall entspricht, ist in Holz zer-
wurf. Die Einrichtungs-Stücke seien einheitlich im Cha- brechlich; jedes Material bedingt also andere Formen,
rakter, — aber nicht einheitlich in der Form. Man nehme Endlich noch Eines: jeden Entwurf im Geist ausreifen
keine durchgehenden Höhenmaße, mit dem Profil des lassen, ehe man ihn zu Papier bringt, noch weiter ausreifen
Tisches sollte nicht in gleicher Höhe ein Profil des lassen, ehe man ihn in das Material umsetzt! willyfoltin.
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