Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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ZUM ZWEIUNDVIERZIGSTEN JAHRGANG

l~^Vie zahlreichen Künftler und Kunftfreunde, die mir vor kurzem zu meinem
70. Geburtstag ihren Glückwunlch boten, brachten mit einer Einftimmigkeit,
die mich beglückt hat, eine entfcheidende Sache zum Ausdruck: daß meine
Veröffentlichungen ftets praktifche Arbeit geleiftet haben, ftatt eine einfeitige,
ganz beftimmte Richtung zu vertreten. Damit wurde auf der einen Seite das
kultivierte Schaffen der Künftler, auf der andern Seite der Gefchmack des Pu-
blikums gefördert. Es wurde eine Breite der Wirkung erzielt, von der ich fagen
kann, daß fie greifbare, nämlich das Geficht unferer Wohnkultur faktifch ver-
ändernde ErgebnifTe gezeitigt hat. Auf diefe kommt es doch legten Endes
immer an. Es kommt darauf an, daß man als Herausgeber nicht private Meinungen
und Liebhabereien pflegt, fondern den vielen Intereffenten etwas gibt, das ihr
Leben tatfächlich veredelt und fteigert. Ich habe immer gefunden, daß Zeitlchriften
mit einfeitigem, enggefaßtem Programm nach drei Monaten, fpäteftens nach
1 bis 2 Jahren ihr Ericheinen einftellten — weil eben die Einfeitigkeit, die ewige
Wiederholung im Abbildungs-Material nach einer ganz beftimmten Richtung
ermüdend wirkte und auf die Dauer keine Anregung mehr gab.



Als meine Hauptaufgabe betrachte ich: aus der Praxis heraus die leben-
dige Gegenwart im Wohnbau und in der Wohnraum-Geftaltung, in Kunft
und Kunstgewerbe zu zeigen. Ich will orientierend und aufklärend wirken, vom
Guten das Belle geben — nicht nur aus Deutlchland, Öfterreich und der Schweiz,
fondern auch aus dem übrigen Ausland. Auf einen Querfchnitt, auf eine
Darfteilung aller wichtigen Zeit-Bemühungen um den neuen Wohn-
raum kommt es mir an. Zeitoffenheit und Sinn für Qualität, Fühlung mit der
Ichaffenden Jugend und mit dem fich wandelnden Zeitgelchmack — das ift mein
Grundfa^; und über allem das Wilfen um die ethifche Bedeutfamkeit des
gutgeformten Heims, das dem Menfchen das Leben mit der Familie, das
Leben mit der Kunft zu einer immer erneuerten Quelle des Glückes macht.

Selbftverftändlich muß derjenige, der »Vielen etwas bringen« will, mit der
Verfchiedenheit der Anfprüche und der Geldmittel rechnen. Der Verwöhnte fühlt
fich nur in reichen, prunkvollen Räumen wohl; für den Bedarf der breiteren
Schichten mülfen einfache, billige Einrichtungen bereitftehen. Ich bringe beides,
von jeher mit dem Gedanken, daß die reicheren Ausführungen fozufagen als
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