Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

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schlichte Gesimsprofil, die
Betonpfeiler und die Eisen-
geländer die Raumkörper um-
klammern, einen und zugleich
gliedern. Kozmas Bauphan-
tasie wirkt im Vergleich zum
Bauhaus-Stil: orientalisch. .
*

Wesentlich anspruchslo-
ser, aber nicht weniger reiz-
voll sind die »Wochenend-
Häuschen« Kozmas, diese
appetitlichen Holzbauten, die
den Robinson-Gelüsten klei-
ner und großer Stadtkinder
Erfüllung bieten. Auch hier
paart sich weise Raumaus-
nutzung mit Geräumigkeit,
äußerste Einfachheit mit an-
sprechenden Proportionen.
Auch hier besteht die Mög-
lichkeit der Isolierung bei
aller Naturnähe. Und bei aller
Luftigkeit des Baues hat man
dennoch das Gefühl, wohn-
liche Wände um sich zu
haben. . . Diese Wochenend-
Häuschen sind natürlich als
»Massenartikel« gedacht;
kein Zweifel, daß sich der
leichteHolzbautyp als solcher
bewähren wird, und zwar
nichtzuletzt: vom landschaft-
lichen Gesichtspunkt aus. Die
weit überwiegende Mehrzahl
der ungarischen Wochenend-
Häuschen ist für das Donau-
oder Plattensee - Ufer be-
stimmt; der weiße Flachbau
eignet sich für dieses zumeist
flache, sandige oder lehmig
gerandete Gelände ganz be-
sonders. Hier gibt es wenig
Regen und viel, sehr viel
Sonne. . Dr. marius rabinovsky.

*

NIEMALS pflegt sich der
einzelne Mensch so sehr
auf seine vermeintlichen in-
dividuellen Geschmacks-
Rechte zu versteifen, wie
beim Bau. In Wahrheit hat
er diese Rechte nirgends
weniger, denn das Äußer-
liche des Bauwerks ist nicht
nur Sache des Einzelnen,
sondern Sache der Allge-
meinheit. . fritz schumacher.

ludwig kozma. grundrisse des hauses s. 450

»STATIONEN«

Es wird sich, trotz aller Ver-
schiedenheit menschlicher
Veranlagungstypen, bei der
Gestaltung der heutigen Woh-
nung raumdynamisch immer
ein im Wesentlichen Gleiches
ergeben müssen: die sinnvolle
Aufteilung des Ganzen in kla-
ren » Bewegungs-Raum «
und von ihm mehr oder weni-
ger gesonderten, »Ruhe-
Raum«, RaumdesSitzensund
Liegens. Esbedarf woblimmer
einer planvollen Weg-Füh-
rung, die den Bewohner als
Gehenden, Wandelnden lei-
tet; es bedarf dabei aber stets
auch jenes Taktgefühls, das
sich der zu deutlichen Beto-
nungen, der unterstrichenen
Weg-Weisungen enthält, das
mehr mit Andeutungen ar-
beitet und doch die Abfolge,
den Wechsel des Nachein-
anders im Verlauf dieses
Weges wirksam zu bilden
vermag. Von diesem »Wege«
(der klar sein soll, ohne daß
er durchaus der kürzeste,
die Gerade zwischen zwei
Punkten sein müßte) sondern
sich »Stationen«: an sei-
nem Rande liegend als Stät-
ten des Verweilens, oder
völlig von ihm separiert als
»Inseln der Ruhe«, der
Umfriedung, von wo der
Blick nicht auf den Weg,
also auch nicht auf eine Tür
fallen soll. . Auch hier genü-
gen Andeutungen, »Bewe-
gungs-Symbole«, wie das
Querstellen eines Möbel-
stückes, der sinngemäß ge-
legte Teppich, die Sonder-
ung eines Wandfleckes durch
einen umhüllenden Behang.
Das »Dynamische« der
Raumwirkung wird seiner
Funktion nach immer in
Grenzen zu halten, auf
jene »motorischen« An-
regungen zu beschränken
sein, die den Bewohner sein
ganzes Tun, auch die Bewe-
gung als Entspannung emp-
finden lassen. . . Dr. a. wenzel.
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