Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKOR ATION

PROF. BRUNO PAUL, REG. BAUM. FR. WEBER

BLICK INS SCHLAFZIMMER. HAUS OTTO JAHN

EINS CHLAFE-GEM ACH — AUFWACH-RAUM

[psychologisch-f unktionell gesprochen: das Schlaf-
zimmer ist »Einschlafe-Gemach und Aufwach-
Raum«. Denn der Schlafende weilt ja »eigentlich«
nicht bei sich selber, sondern im Nirgendwo, im
Unfaßbaren, im heilsamen Naturgeheimnis. Er hat
in den Urschoß heimgefunden, wo sich das ge-
schöpf Hohe Mysterium der Versöhnung und Durch-
friedung vollzieht. Beim Einschlafen überantwor-
tet sich das Bewußtsein, das Ich, den flutenden,
quellenden und läuternden Kräften einer fremden,
dunkel-gütigen Macht; es gibt sich auf. Die rätsel-
hafte Verwandtschaft von Schlaf, Ohnmacht und
Tod kennen bereits die Kinder: daher die uner-
läßliche Zeremonie des mütterlichen Gutnacht-
kusses, ein Siegel der Versicherung; daher der
Ritus des Nachtgebets, Ausdruck der Anheimgabe
des herrenlos werdenden Ichs an den Schöpfer;

daher die wunderliche Zärtlichkeit der Einschlaf-
spiele der sich ablenkenden Vorstellungskraft: das
»die-Schäflein-durchs-Gatter-Zählen«, das»Stern-
blumen-Pflücken« und »Sternlichtlein-Ausblasen«,
das geduldige Auslauschen auf den »ungehörten
Tritt des Schlummers«, der »um die dürftige
Flamme den schützenden Kreis« zieht.

*

Während der Einschlafende sein Ich von den
deutbaren Lebens-Zusammenhängen ablöst, will
der Aufwachende schnell und freudig wieder
zur Tatsache der Umwelt finden, wenn die »Fackel
des neuen Tages brennt«. Der Raum, der ihn abends
beschwichtigte, soll ihm nun Aufruf, Fassung, Be-
stätigung und Festigkeit schenken, wenn das Ich
in die tönende Morgenhelle auftaucht und das Licht
»von Wand zu Wand wandelt«.. hans schiebelhuth.
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