Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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LICHT-REGIE IN DER WOHNUNG

Tn jedem gepflegten, modernen Hauswesen gibt
1 es nicht nur eine »Kultur der künstlichen Be-
leuchtung« für den Abend und die Nacht, es
gibt in ihm auch eine Kultur, welche die hygie-
nischen und ästhetischen Werte des Sonnenlichts
ebenso zu nutzen versteht. Unsere sonnenfrohe
Generation hat der Baukunst Wege gewiesen, dem
Strahl des großen Himmelslichts Eingang in das
Innere der Wohnungen zu verscha ff en. Das Sonnen-
licht ist Freund und Förderer des Lebens im Hause,
sofern man es versteht, es durch eine weise
»Regie« richtig zu »führen«: es nach Bedarf
hereinströmen zu lassen, oder auch zu dämpfen,
zu filtrieren, zu färben. . Unsere Habe können wir
unbedenklicher dem Sonnenlichte aussetzen als
zuvor, dank einer fortgeschrittenen Färbetecbnik
und Möbelbauart. . Das freie Hereinströmen-Las-

sen kommt vor allem in den frühen Stunden des
Morgenbades und der Gymnastik in Frage. Die
»Regie« des Sonnenlichtes kann sich dann schon
im Frühstücks-Zimmer betätigen, wenn es nach
Osten gerichtet ist. Wir können mit Tüllvor-
hängen die Sonne zur Künstlerin machen, die Ru-
nen auf den Frühstücks-Tisch malt, oder durch
zartgelbe Gardinen den Raum mit goldenem Licht
erfüllen, das uns lustig macht für die Arbeit des
Tages. Zur Mittagszeit läßt sich durch Dämpfung
des Lichtes die Suggestion der Kühle im Raum
erzielen. Und wenn abendliches Zwielicht im
Raum zu weben beginnt, mag ein Bild, eine Plastik
allein einen Licht-Akzent von der sinkenden Sonne
erhalten und so zum gesteigerten Erlebnis wer-
den. . Viele Möglichkeiten gibt es: »Lichtspiele«
im Heim zu erleben. . . kuno graf von Hardenberg.

ARCHITEKTIN LIANE Z1MBLER. »BAR-SCHRANK«. BEMALUNG: MARIA STRAUSS-L1KARZ
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