Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

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PROFESSOR E. FAHRENKAMP — DÜSSELDORF

WOHNHALLE. BLICK ZUR TERRASSE. HAUS Dr. K.

FREIHEIT UND BINDUNG

Manche scheinen zu glauben, durch Verleug-
nung jeder persönlichen Eigentümlichkeit,
die man besitzt, könne man einen Stil für die Zu-
kunft errechnen. Nichts könnte verkehrter sein.
Während die Maschine das Werkzeug dieses
Zeitalters geworden ist, hat sich gleichzeitig ein
neues Ideal herausgebildet. Wir nennen diese
ideelle Freiheit: »innere Evolution der Indi-
vidualität«. Diese Evolution ist der menschliche
Kern der Kultur, die das Zeitalter entwickelt
hat.« So sagt Frank Lloyd Wright in einer
Adresse an die Architekten in der »Frkf. Ztg.«,
in der er seine Grundgedanken darlegt.

»Der Lebensdurst wird intensiviert und ver-
neint zugleich von dem Werkzeug, durch das wir
leben, von der Maschine. Es ist unsere Aufgabe
als Künstler, nicht nur die Maschine durch ver-
ständigen Gebrauch dieses Werkzeuges zu über-
winden, sondern mit ihr und durch sie — indem
wir sie als ein neues Mittel anwenden — den
natürlichen Durst der menschlichen Seele nach
Schönheit zu befriedigen. . Nach erlebter, leben-
diger Schönheit in der baulichen Gestaltung, meine

ich. Nicht einfach nach bloßen Effekten, Kompo-
sitionen, Gesten, und nach Künstelei und Heuche-
lei, wie sehr sie auch immer vorgeben mögen,
dem gesunden Menschenverstand zu entspringen.

Größere Individualität durch eine größere Ima-
gination aus größeren Mitteln heraus und dem
Verlangen eines tief ergehenden Lebensgefühles!
Warum wollen wir nicht die Welt freimachen
durch größere Phantasie, eine neue und bessere
Technik, Beherrschung neuer und größerer Hilfs-
mittel? . Befreiung heißt: jene Mittel der Phan-
tasie, die zufällige, individuelle Begabung ist, frei
zu betätigen, zwar diszipliniert, aber nicht be-
herrscht durch das neue Werkzeug, die Maschine,
— und ein Reichtum der Form, wie er der Welt
bisher fremd war, wird unserem kommenden Zeit-
alter zu eigen sein. . Nur gegen den Geizigen ist
das Leben geizig. Je mehr jemand dem Leben
gibt im freien Gedanken, umso mehr wird er vom
Leben geschenkt erhalten. Kraft steigert sich
nur durch Übung dieser Kraft, niemals dadurch,
daß man den Nachbarn ängstlich beobachtet, um
es ebenso gut oder besser zu machen als er.«
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