Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

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BLICK IN
DAS SCHLAF-
ZIMMER
IM HAUS S.

MAX PAUL SCHMIDT-BRAUNSCHWEIG. TOILETTE-SPIEGEL MIT SCHRANKCHEN. MAHAGONI-MASER

VOM INNEREN TASTSINN

Raum-Vorstellungen gehen hauptsächlich auf
zwei Gruppen von Sinnesdaten zurück: auf die
Daten des Gesichtssinnes (Optik), und des Tast-
sinnes (Haptik): Mit der Bedeutung des »dyna-
mischen Raumes« entsteht die Frage: welchem
Sinnesgebiet er vornehmlich zuzuschreiben ist? .
Der Gesichtssinn beliefert das Bewußtsein mit
Licht- und Farbempfindungen, der Tastsinn mit
Druck u. Temperatur-Empfindungen. Das Material
der Bewegungs-Empfiudüngen sind die »Span-
nungs-Empfindungen« (Wundt), die jede vom
Körper erlittene oder ausgeführte Veränderung
begleiten und aus der Differenz der aufeinan-
derfolgenden Zustände entstehen (SemoD). Man

könnte sie einem »inneren Tastsinn« zuschrei-
ben, der vorerst nichts anderes als die eigenen
Veränderungen registriert und aus dessen Daten
erst der Verstand auf eine Eigen- oder Umwelts-
bewegung schließt. Jeder Körperteil, jedes Organ,
Augen, Ohren, haben je ihren »spezifischen inne-
ren Tastsinn« (physiologisch nachweisbar, Her-
mann), sodaß auf ebensoviele spezifisch verschie-
dene Arten im Menschen Bewegungs-Empfin-
dungen entstehen können: passive und aktive
Eigenbewegung, optische u. akustische Bewegung.

Dem Phänomen des »dynamischen Raum-
Empfindens« muß also eine Verschiebung der
psychischen Valenz auf diesen »inneren Tast-
sinn« entsprechen. Resultat: Tanz, Sport, Funk-
tions-Erlebnis in der Architektur. . franz löwitsch.
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