Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

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otto haesler u. karl volker-celle

wohn- und arbeitsraum. reihenhaus

FORTSCHRITT ZUR SYNTHESE

Im Gegensatz zu dem Gedanken, sich auf die
» Verbilligung« des Wohnungsbaues zu beschrän-
ken, die »Verbesserung« aber besseren Zeiten zu
überlassen, stehe ich auf dem Standpunkt, daß
solcher Vorschlag jeder gesunden und organischen
Entwicklung widerspricht. Man vergißt hierbei,
daß eine Rationalisierung des Wohnungsbaues auf
ausschließlich materieller Grundlage keineswegs
den Forderungen entsprechen kann, die in sozia-
ler und wohnkultureller Hinsicht heute an den
Wohnungsbau gestellt werden müssen. Vor allem
aber hat man bei der For-
derung, den Wohnungs-
bau nur auf Verbilligung
einzustellen,vollkommen
übersehen, daß zwischen
Verbilligung und Verbes-
serung nicht nur kein un-
überbrückbarer innerer
Gegensatz zu bestehen
braucht, sondern daß ge-
rade wohnkulturelle Ver-
besserungen die Grund-
lage für beachtliche Ver-



F





*







o. haesler, k. völker. grundriss obiger etagen-wohnung

billigungen abgeben können. Besonders dann,
wenn infolge von Verbesserungen der Bau-Ein-
zelheiten eine andere, vereinfachtere Gestaltung
ermöglicht wird.. Der erweiterte Begriff der »Wirt-
schaftlichkeit« richtet sich auf die materielle und
ideelle Wirtschaftlichkeit. . Wie aus den sozio-
logischen, wohnpsychologischen und wohnhygie-
nischen Forderungen eindeutig hervorgeht, sind
die wohnkulturellen Fragen derart viel- und wech-
selseitig durchdrungen, daß ihr harmonischer
Ausgleich nur dann gelingt, wenn sie mit orga-
nisatorischer Disziplin
und sozialem Verständ-
nis von den Grundsätzen
eines einheitlichen
Baugedankens aus
entwickelt werden.. Von
der jahrelangen ana-
lytischen Erforschung
des Wohnproblems end-
lich zur Synthese über-
zugehen ist für uns
eine lebensnotwendige
Aufgabe. . otto haesler,
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