Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT FRITZ H1TZBLECK-DÜSSELDORF »WOHNZIMMER MIT BÜCHEREI UND KAMIN«

BEWUSSTHEIT UND SCHÖPFERTUM

Es wird immer wieder einmal darauf hingewie-
sen, daß bei aller heutigen Kunstübung, in den
freien Künsten ebenso wie in der Architektur,
hier aber ganz besonders, zu viel »Bewußtheit«
um das Schaffen herum sei; daß aller.thalben da,
wo doch schließlich alles auf das reine »Gefühl«
direkt angewiesen sei und angewiesen bleibe, ein
Walten des »Intellektes« sich breit mache wie nie
zuvor; und daß bei solcher Konstellation das
»Schöpferische«, aller Formbildung innerster
Quell, versiegen könne. Man solle weniger mit
dem Intellekt, weniger mit dem Bewußtsein arbei-
ten, man solle sich ganz dem Gefühl überlassen,
durch Theorien werde man nichts erreichen.

Darauf wird man zu sagen haben: daß für jenes
Walten des Intellektes nicht Künstler oder Schrift-
steller schlechthin verantwortlich gemacht wer-
den können, als hätten sie den Intellekt — wie
eine Art von Jupiterlampen etwa — angezündet
und spielten jetzt in ihrem Scheine. Wir alle
sind heute »intellektueller«, »bewußter« als Men-
schen einer frühen Zeit; und mit dem Weiter-
schreiten der Zeit und der Entwicklung wird diese
Aufhellung vom Bewußtsein her, das jetzt schon

in einst dunkle und hintergründige Tiefen hinein-
zuleuchten begonnen hat, zunehmen. Ganz von
selbst — und wer sollte jammern darüber, daß
sich in steigendem Maße zum Fühlen das Wissen
gesellt: als Wissen um uns, um die Welt und um
die Beziehungen zwischen ihr und uns. Wir haben
uns nicht dagegen zu wehren.

Und deshalb muß noch gesagt werden: daß es
nur sinngemäß und in der Ordnung ist, wenn der
Künstler, wenn im besonderen der Architekt,
auf diesem aufgehellten Grunde stehend, nicht
Vorhänge vorzuziehen und etwa den Schein der
»Bewußtheit« abzudämpfen sich bemüht, um sich
— wie manche verlangen, — ganz dem »Gefühl«
zu überlassen, sondern den Weg, auf den wir alle
gestellt scheinen, entschlossen, klaren und offe-
nen Auges im Lichten weitergeht, in der festen
Absicht, auch bis ans Ende zu gehen.

Soll man heute warten, bis etwas »von selbst
entsteht«, wie es früher einmal gewesen sein mag?
Man wartet nicht, man sieht zu viele Aufgaben
vor sich, man geht diese Aufgaben an und nützt zu
ihrer Lösung auch den Intellekt als Werkzeug, das
uns das Notwendige erkennen hilft. Dr. alfr.wenzel.
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