Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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GEWICHT, MASS UND GEMESSENHEIT

Schön ist es, wenn ein Mensch oder ein Gebilde
oder ein Ding »Gewicht« haben. Wir sind
heute in das Leichte, in das Wendige, Schlanke
und Augenblickliche verliebt. Aber wir sollten
nicht vergessen, daß » Gewichtigkeit« nicht plumpe
Schwerfälligkeit, »Würde« nicht hohlen Pomp zu
bedeuten braucht. . Was Würde ist, spiegelt sich
in dem Gefühl, das ihr immer antwortet: in dem
Gefühl der Achtung. Würde ist das Durchdringen
des geistigen Bezuges in einem Ding oder einem
Menschen. Würde ist Maß und Gemessenheit. Sie
kommt aus Denken und aus Durchdachtsein. Sie

kommt aus williger Schicksals-Erfüllung. Sie kommt
aus errungener Einfachheit, aus erarbeiteter
Schlichtung. Eine zur Harmonie gediehene Gegen-
sätzlichkeit — das ist Würde. Man schreibt sie
den Alten zu, die viel erlebt und hinter sich ge-
bracht haben. Aber auch Kinder können sie haben,
selbst Tiere und Dinge können sie haben, wenn
etwas, das früher »laut« war, in ihnen »stille ge-
worden« ist.. Wo ein Wesen sein Gesetz erfüllt,
wo es furchtlos und wissend in sich selbst heim-
gekehrt ist, da fühlen wir: es hat Gewicht, Be-
deutung, es lebt in der Beziehung zum Kern. w. m.

ARCHITEKT JOSEF ERHART-MÜNCHEN. »TOCHTER-SCHLAFZIMMER«. HAUS S.
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