Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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STOFF-CHARAKTER UND AUSDRUCK

der architekt wird material-psychologe

Materialien haben eine potentielle Aus-
drucks-Intensität, die ihren physika-
lischen Eigenschaften und ihrem spezifischen Stoff-
charakter entspricht. Mit diesem Faktor haben
Architekten und Innenraum-Gestalter von jeher
gearbeitet. Marmor z. B. ist und wirkt auch härter
und strenger als Tuff oder Sandstein; Eisenbeton
kälter und fester als Backstein. Linoleum gibt eine
andere Elastizität als Parkett oder Teppich. Die
holzgetäfelte Fläche reflektiert Schall, Wärme,
Licht anders als eine Fläche in Preßfasern-Masse
oder in Kunstharz. Die blanke Härte, die kühle
substantielle Eleganz des Chromstahls und die

souveräne Nüchternheit des Glases wurde für uns
Heutige ein spezifisches Erlebnis. . Der moderne
Architekt, — schon durch ökonomische, tech-
nische, praktische, hygienische Fragen zur neuen
Stoffgesinnung geführt, — wird »Material-Psy-
chologe«. Er versteht es auch, im Wohnraum
den Stoffcharakter der künstlichen Materialien
immer wieder zu »kompensieren« durch natür-
liche Wirkungen, d. h. durch Gegenstände, die
dieselbe potentielle Stoff-Intensität haben, aber
möglichst unverwandelt die natürliche Material-
welt hereintragen, im Wohnraum immer genügende
»Freiheit« des Erlebens zu schaffen. . th. lautner.

ALFRED SOULEK-W1EN. »SCHRANK MIT INTARSIA«. AUSFÜHRUNG: J. SOULEK
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