Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

GRUPPIERUNG UM DEN TEE-TISCH

Der Tee »verpflichtet«, — auch wer Okakura
Kakuzos graziös tiefsinniges »Buch vom Tee«
nicht gelesen hat und wenig weiß von der magi-
schen Bedeutsamkeit des Tees für die Menschen
des Ostens, des »flüssigen Bernsteins im elfenbei-
nernen Porzellan«, der sieht dennoch nicht ein
bloßes Getränk in ihm, das man zu sich nimmt, wie
man Kaffee oder Kakao trinkt. Auch wir empfinden
im Tee noch etwas vom Zauber magischer Wirk-
samkeit, empfinden ihn als ein »Besonderes«,
das in einer besonderen Weise genossen sein will.

Der Tee verpflichtet: er kann in Gesellschaft
unmöglich am Eßtisch, am Kaffeetisch getrunken
werden. Der Tee tisch und alles, was zu ihm ge-
hört, soll jene leichte, freie Grazie haben, das
»Schwebende«, das zur beschwingenden Stimmung
des Trankes paßt: Teetische müssen leicht beweg-
lich sein, sie müssen nicht unbedingt Rollen an den
Füßen haben, aber man muß ihnen ansehen, daß
man sie mühelos überall hinstellen kann. Es ist gut,
wenn man einen Tisch besitzt, welcher der Tee-
Bereitung dient, und einen niedrigen, zierlichen
Tisch, an dem der Tee getrunken werden kann. Da
es aber geradezu zum »Ritual« des Teetrinkens

gehört, nicht — wie beim Kaffee etwa — um einen
Tisch herum zu sitzen, sondern in phantasievoller
Unsymmetrie verteilt zu sein, — der Japaner nennt
den Teeraum die »Stätte mangelnder Symmetrie«
so gibt man am besten dem einen oder anderen
von jenen tiefen, verstellbaren, sehr bequemen,
aber leichten Lehnstühlen, die wir heute gerne ver-
wenden, vorn an einer Armlehne eine Verbreite-
rung, auf die man die Teetasse stellen kann.

Und noch etwas: die Beleuchtung zum Tee.
Man kann den Tee nicht unter einem zentralen
Deckenlüster trinken. Zu ihm gehört die beweg-
liche Lampe, das milde Licht eines seitlich an-
gebrachten Lichtträgers, eine leichte Standlampe
oder die mit einem losen Seidenschirm überhängte
Lampe, die von einem in der Platte des Teetisches
angebrachten Stab getragen wird. . alfred wenzel.



ALLE erdenklichen Kunst- und Lebens-Prin-
l zipien waren im Keim schon einmal sichtbare
Lebensfunktion der Völker und Länder. Sie sind
geboren aus Urtrieben des Lebens und überall
in lebendigem Wirken, wo Natur oder Kultur sich
künstlerisch selbst darstellen.....l. v. kunowski.
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