Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

M. OSWALD. VER. WERKSTÄTTEN-MÜNCHEN

SCHLAFZIMMER DER DAME. WASCHE-TRUHE

SCHLAF UND SCHLAF-RAUM

Wie soll das Schlafzimmer sein? . Da erhebt
sich die Vorfrage: was ist der Schlaf? . Es
gibt Schlafzimmer, die darauf berechnet sind,
dem wachenden und schauenden Menschen an-
heimelnde Gefühle zu geben. Aber das Schlafzim-
mer ist für den Schlaf da. Was dem wachen Men-
schen angenehm ist, braucht dem Schlafenwollen-
den noch lange nicht angenehm zu sein. Denn der
wachende Mensch ist ein anderer als der schlafende.
Und erst recht ein anderer der Schlafenwollende.
Schlaf ist Akt des Anschlusses, Akt der Ver-
söhnung, der Hingabe. Daher ist dem Schlafzim-
mer die Haltung absoluter Vertrauenswürdigkeit
angemessen. Der Schlafenwollende wird zum
Kind. Der Schlafraum ist ihm vertrauenswürdig,
wenn er nichts verbirgt. Also: Übersichtlichkeit,
unproblematische Formen, stilles, einfaches Dienen

der Möbel.. Schlaf ist Untertauchen in den großen
Zusammenhang, ein Bad im Namenlosen, in der
uferlosen Freundschaft mit dem Ganzen. Das
Schlafzimmer kann von daher die Anregung be-
ziehen, den modernen Komfort, aber auch alle
Sachlichkeit des Badezimmers sich anzueignen.
Lieber hell, mit leicht zu verdunkelnden Fenstern,
als dunkel in der Wandbekleidung. Wenn Farben,
dann solche, die nicht das Bewußtsein stacheln,
sondern leicht zu seiner Auflösung führen; eher in
die Ferne ziehende Farben als solche, die auf das
Auge eindringen.. Das Schlafen ist wichtig genug,
um einen »Spezialraum« zu verdienen.. Man sollte
möglichst bei offenem Fenster schlafen, weil kühle
Nachtluft das beste Schlafmittel und Morgen-
frische, die zum Fenster hereinkommt, eines der
herrlichsten Dinge im Tageslauf ist. . . w.michel.
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