Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

REMBERT H. SEDLAK —WIEN. KL. BÜCHEREI. SCHLEIFLACK

senschaft«, welche die Beziehungen zwischen
Raum und Mensch auf Ursachen und Wirkurgen
hin experimentell untersucht, ist in erster Linie
Bestätigung für das bereits Erkannte,nachträg-
lich geschaffener theoretischer Unterbau für den
Architekten, der schon auf dem richtigen Wege
ist. Sie hat ferner die Bedeutung eines Korrek-
tivs für jene, die sich auf unrichtigem Wege
bemühen. Schließlich werden exakte Ergeb-
nisse, — an denen eine klare Wechselbeziehung
zwischen Voraussetzung und »Effekt« abzulesen
sein wird, — für die Schichten, die mit Vorbe-
halten dem »Neuen« gegenüberstehen, eine
Kraft der Werbung gewinnen. . Dr. alfred wenzel.


GOETHE stand auf und ging im Zimmer auf
und ab ... dann aber, wie einer, der etwas
bedacht hat, trat er zu mir heran, und den Finger
an den Mund gelegt, sagte er folgendes: »Ich
will Ihnen etwas entdecken und Sie werden es in
Ihrem Leben vielfach bestätigt finden. Alle im
Rückschreiten und in der Auflösung begriffenen
Epochen sind subjektiv, dagegen aber haben
alle vorschreitenden Epochen eine objektive
Richtung: jedes tüchtige Bestreben wendet
sich aus dem Inneren hinaus auf die Welt,
wie Sie an allen großen Epochen sehen, die
wirklich im Streben und Vorschreiten begriffen
und alle objektiver Natur waren.« . eckermann.

BEDÜRFNIS-WISSENSCHAFT

Was brauchen wir, welches sind unsere
Bedürfnisse, — alles ist um diese Frage
herum gruppiert. Alles, was sich systematisch
mit der Wesenheit »Wohnraum« befaßt, geht
darauf aus, Beziehungen auf uns klarzulegen.
So ist alle »Raumwissenschaft«: Wissen-
schaft der Bedürfnisse. . Wie alles, so
könnte auch dieses mißverstanden werden: so
etwa, als wüßten wir nicht, was wir brauchen,
und müßten zum wissenschaftlichen, exakten
Experiment, zur analytischen Untersuchung
greifen, um überhaupt daraufzukommen, was
uns not tut, — als seien wir schon so rettungs-
los »intellektuell« geworden, daß wir das
»Laboratorium« auch dort brauchen, wo es
sich um das Natürlichste handelt. In Wirk-
lichkeit sind wir nicht auf Analyse und Me-
thodik angewiesen, um zu erfahren, was wir
brauchen. Wenn wir garnichts davon wüßten,
dann hätte unsere »neue Wohnung« garnicht
diese einheitliche Form gewonnen, die sie
heute immerhin schon hat. Dieneue Wohnung
ist schon aus unseren Bedürfnissen gewachsen.
Aber es handelt sich heute darum, diese
Wohnform zur breiten Basis kultureller Lej
bensführung zu machen. Eine »Raum-Wis-

REMBERT H. SEDLAK-W1EN. »SITZECKE«. WOHNUNG H. IN WIEN
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