Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKOR AT ION

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arch1t. c. a. ruedenauer -stuttgart un1versal-schrank. wohnung e. h.

ZUSAMMENKLANG DER WERKSTOFFE

Für den Begriff der »Eleganz« hat die deut-
sche Sprache noch kein Wort gefunden. Er
umschließt unter anderm den Begriff der Gewandt-
heit, der Beweglichkeit. Eleganz bekundet sich
im Aufbau eines Möbels, das — wiewohl durch-
aus verstandesmäßig fundiert — voller impulsiver
Lebendigkeit ist. Sie spricht aus einer gewissen
Kühnheit in der asymmetrischen Gliederung des
Gerätes und im Zusammenklang der verschie-
denen Bau-Elemente: Edelholz, Glas, Metall,
Galalith oder Kunstharz und Textilstoff; sie zeigt
sich in der Art, wie diese verschiedenen Ober-
flächen-Wirkungen den künstlerischen Absichten
sowohl wie dem Gebraucher dieser Geräte dienst-
bar gemacht werden, und wie durch die Bearbei-
tung jedem der Baustoffe ein Höchstmaß an sicht-
barem und tastbarem Reiz entlockt wird. Die Ab-
stimmung der Stoffe mit ihrer so verschiedenen
Lichtbrechung bedingt ein eingehendes Studium
ihrer Eigenheiten. Denn alle »Effekte« des Mate-
rials müssen untergeordnet werden der übersicht-
lichen Form, die der Gebrauchszweck verlangt.
Neue Werkstoffe bergen oft die Gefahr in sich,
daß sie den Künstler zu einer gewissen »Kokette-

rie« verführen, zu einer Schaustellung ihrer tech-
nischen Möglichkeiten, der die sachliche Begrün-
dung fehlt. Diese Versuchung hat der Stuttgarter
Architekt CA. Rüdenauer vermieden. Er ver-
wendet die Werkstoffe im Aufbau der Einzel-
möbel ihren physikalischen Eigenschaften entspre-
chend, trennt das warm anzufühlende, leichte
Galalith von dem in der optischen Wirkung ver-
wandten, doch schweren und für die Berührung
kalten Opakglas, bringt die Flächenteile aus
dunklem Makassar, gestreiftem Zebrano, hellem
ungarischem Eschenholz und Schleiflack in ein
wohlabgewogenes Verhältnis und weist den Stof-
fen ihren besten Platz im Aufbau der Massen.
Er gehört zu den Innenarchitekten, die aus dem
Versachlichungs-Prozeß der Baukunst ohne Ein-
buße an ihrer Individualität stärker und freier
hervorgingen. Mag bisweilen in Rüdenauer der
Graphiker dem Architekten die Hand führen: zum
Schaden seiner Schöpfungen ist es nicht. Die
liebevolle Behandlung der Fläche geht nicht auf
Kosten der räumlichen Durcharbeitung und es
erwächst aus der Vereinigung beider Neigungen
bei ihm stets ein geschlossenes Werk. . paul debo.
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