Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKO RATION

»HAUS & GARTEN«. FRANK u. WLACH-WIEN

BLICK VOM MUSIKRAUM ZUM WOHNZIMMER

DIE NEUTRALE STIMMUNG

Betrachtet man mit einiger Aufmerksamkeit die
»neuen« Wohnungen, so nimmt man neben
anderem ein Gemeinsames an ihnen wahr: die
gewisse »neutrale Stimmung«. Sie gehört zu
den wesenhaften Merkmalen der Wohnung von
heute. . Die Wohnungen von früher sind auf an-
dere Stimmungen angelegt, auf einen »Wechsel
von Stimmungen« vor allem; durchschreitet man
eine solche Wohnung, so wird man in der Regel
aus einem »heiteren« Raum in einen »ernsten«
Raum kommen und umgekehrt: man gab jedem
Raum für sich eine »Stimmung«: dem Frühstücks-
zimmer eine heitere Grazie, dem Eßzimmer reprä-
sentative Würde, dem Herrenzimmer dunklen
Ernst, dem Damenzimmer kokette Anmut; man
richtete sogar jeden Raum in einer anderen »Stil-
art« ein, — diese einzelnen »Stimmungen« machen
die Gesamt-Stimmung der früheren Wohnung aus.

Neben der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen,
die diese Wohnung dem Auge des Hindurchwan-
delnden bietet, mag die Stimmung der neuen
Wohnung sehr »vereinfacht«, vielen zu einfach

erscheinen; es fehlen die ausgeprägten Stimmungs-
Unterschiede. Es fehlt vielleicht das »Interes-
sante«, die Abwechslung, der Effekt, die Uber-
raschung, wie sie das aufeinanderfolgende Gegen-
sätzliche auslöst. Die neue Wohnung hat in der
Stimmung ihrer Räume etwas Gleichmäßiges,
Gleichförmiges: eine helle oder doch in mäßigen
Mitteltönen gehaltene Farbigkeit geht durch alle
Zimmer, die Vorhänge vor den Fenstern sind in
allen Räumen ungefähr auf die gleiche Art ange-
bracht, die Möbel haben alle ungefähr die gleiche
Erscheinung — alle beweglich, leicht, im gleichen
Formcharakter geprägt, — und alle ungefähr auf
die gleiche Art im Räume verteilt, aufgestellt.

*

Diese »Neutralität« in der Stimmung der
neuen Wohnung hat sich aus unserer besonderen
inneren Einstellung ergeben. Wir wünschen die
neutrale Stimmung, weil wir sie als die uns gemäße
empfinden. Es liegt jedenfalls an der nervösen
Sensibilität des modernen Menschen, wenn er
die durchgehend gleichmäßige Stimmung seiner
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