Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKOR ATION

ARCHITEKTEN E. MÜHLSTEIN, V. FÜRTH-PRAG

HALLE UND TREPPE. HAUS SCHUCK IN PRAG

ARCHITEKTUR UND ERKENNTNIS

Was ist Architektur? Die Frage nach ihrem
Wesen und Problem, ihrem Wert und ihrer
Aufgabe ist zu verschiedenen Zeiten von verschie-
denen Seiten grundverschieden beantwortet wor-
den. Professor E. Laube von der Universität
Riga hat in einer Fakultäts-Druckschrift die Fülle
von Antworten, Definitionen und Auffassungen
des Begriffs »Architektur« zusammengestellt, nach
Prinzipien geordnet und erkenntnistheoretisch be-
leuchtet. Aus den etwa zweihundert Defi-
nitionen, die Prof. Laube seiner Untersuchung
zu Grunde legte, seien hier einige zitiert, die
klarlegen, wie sehr praktische, ästhetische, phä-
nomenologische und weltanschauliche Deutungen
das Wesen der Architektur treffen, und gleich-
zeitig untereinander sich scheiden, schneiden oder
nebeneinander bestehen können.

In dieser Zusammenstellung erscheint Archi-
tektur als: Offenbarung, Ausdruck, Kunst, Hand-
werk, Konstruktion, Zweckschaffen, Geschichte,
Wissenschaft, Problem, Lösung, soziales Gescheh-
nis, Bauen, Idee, Gehalt, Form, Theorie, Praxis,
Allegorie, Symbol und auch als eine Art indivi-
duellen Gestaltens. . Wenn Architektur als Kunst

auftritt, erscheint sie abermals als: Kunst der
Schöpfung, Kunst der Form, Kunst des Spiels,
Kunst der Verkörperung, Kunst des Raums. .
»Architektur ist eine zweite Natur, von Menschen
hervorgebracht, nach allgemeinen, ewigen Ge-
setzen« (Goethe). — Sie ist: »Kunst doppelter
Raumgestaltung durch Körpergestaltung« (Schu-
macher), »gesellschaftliches Geschehnis«, »Aus-
druck von Ideen über ewige Dinge«, »Ausdruck
des Zeitgeistes« (Lissitzki), »sinnliches Denken,
Denken im Material«, — »konkreter Formaus-
druck von Ideen«, — »plastische Emotion«, »Lei-
stung konstruktiver Verstandesarbeit« — »Wissen-
schaft, die in ihren Methoden und Anwendungen
vom wahren Geist der Kunst durchdrungen ist«.
— Sie ist »Schöpfung schlechthin«, »im Grunde
reine Kunstform« (Malewitsch), »mathematische
Offenbarung ästhetischer Absicht«, »künstlerische
Tätigkeit, die über das bloße Bauen hinausgeht«
(Leo Adler), »bei der der Gestaltungswille ent-
scheidend ist« (Hegemann). Sie erscheint als
»Kunstindustrie«, »Kunst des Wahren«, »graduelle
Lösung praktischer Probleme« als »dienende
Kunst«, als »ein wissendes, korrektes, großartiges
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