Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

so

»• VETTER _ STUTTGART. »TEEWAGEN«. SCHLEIFLACK

TYPISCH ]UND INDIVIDUELL

Qie dürfen ganz unbesorgt sein«, sagte
Y der Architekt, »diese systematischen
Untersuchungen, welche im Zeichen einer
»modernen Raum-Wissenschaft« vorzu-
nehmen sind, werden mit ihren Ergebnis-
sen nicht die »individuelle« Wohnung ver-
drängen. . Zugegeben: die Untersuch-
ungen richten sich auf das »Typische«,
auf das Gemeinsame, auf das, was die
»Grundstruktur neuer Form« bildet. Die-
ses Typische liegt als das eigentlich Be-
stimmende noch dem »individuellsten«
Erlebnis zu Grunde, es bestimmt seine
Struktur. Es ist deshalb wichtig, zunächst
systematisch zu untersuchen: wie im
allgemeinen vom heutigen Menschen
»Raum« und »Raum-Formen« erlebt wer-
den, in welcher Beziehung sich unser
Empfinden zu ihnen befindet, welche
Lösungs-Formen uns allen entsprechen,
und welche Wirkungen von uns darum
bevorzugt werden. Es gibt — wie es für
jede Zeit ein bestimmtes »Typisches« ge-
geben hat, — auch für uns moderne Men-
schen eine typische Erlebnis-Struktur, die
in unserer seelischen Organisation wur-

zelt. Es gibt deshalb ein typisch moder-
nes Raum-Gefühl, typisch moderne
Raum-Bedürfnisse. Und auch der beson-
dere Anspruch, den jeder noch an die
Wohnung stelltest nichts anderes als eines
von den typischen Bedürfnissen. Wenn
sich j e d er ein gewisses Maß individueller
Freiheit in seiner Wohnung wünscht, so ist
dies eben für die Allgemeinheit »typisch«.
Und eine »Raum-Wissenschaft« muß
gerade diesem Bedürfnis ihre besondere
Aufmerksamkeit schenken. Das Indivi-
duelle der modernen Wohnung steht
garnicht im Gegensatz zur allgemeinen
Form. . Das Wesen der »individuellen«
Wohnung besteht nur darin: daß inner-
halb der Wohn-Situation, deren Gestalt
im Großen durch gewonnene allgemeine
Grundsätze bestimmt sein darf, alle Ge-
legenheit gewahrt bleibt, sich individuell
— als Individuum — zu bewegen. Sei-
nem Wesen nach ist nämlich der indivi-
duelle Anspruch immer nur: der Wunsch,
selbst etwas anordnen, einteilen, dazu-
tun oder verändern zu können. Eine
systematische Raum-Wissenschaft wird
diese subtilen Bedürfnisse von Anfang
an mit einbeziehen.« . dr.alfred wenzel.

„. pivipo 7E1TUNGS-T1SCH IN SCHLEIFLACK«
HEINI VETTER-STUTTGART. »KLEINER ZEH um
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