Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

architekt harry rosenthal-berlin haus s. in wilmersdorf. strassenfront

Fußboden gehörig empfunden wird; die Seiten
der Schränke, in die sie eingebaut ist, sind zum
Schutz gegen Beulen gepolstert. Zwei Hocker
sind in diesem Zimmer die einzigen Möbel, mit
denen man Unordnung machen kann. . Das Herren-
zimmer (438) ist gleichfalls dreiseitig von Schränken
umbaut, die alles enthalten, was in diesem Raum
an Gerät gebraucht wird, z. B. auch eine Schreib-
maschine, die sich an geeigneter Stelle heraus-
klappen läßt. Über diesen Schränken sind rings
die Fenster angeordnet, die das Zimmer auch von
den Seiten her so gut beleuchten, daß der Schreib-
tisch bis hart an die mittlere Fensterwand heran-
geruckt werden kann und der Schreibende —
ohne sich zu beschatten — den Blick dem Raum
zuwenden kann. Dieser Raum bleibt wiederum
bis auf einige kleine Sitzmöbel leer.

Denn es kommt darauf an, daß die kubische
Grundform möglichst rein gewahrt wird und die
Gestaltung der Wände der Orientierung keine
Schwierigkeiten macht. Die bildmäßige Anschau-
ungsweise weicht immer mehr einer organisch-
funktionellen Auffassung: der Raum erfüllt seinen
Spezialzweck und ist schlichter Rahmen für das
Stück Leben das sich darin abspielt.. h.rosenthal.

»NACH VORWÄRTS«

Alles, was der Mensch tut, um durch den Aus-
A bau mechanischer Methoden zu einer Kräfte-
steigerung zu kommen, — alles, was er ersinnt
an Organisation und Technik, erfüllt erst seinen
wahren Zweck, wenn es kraft dieser gesteigerten
Macht den Menschen wieder erlöst von den un-
gewollten Zwängen, mit denen ihn des Lebens An-
sprüche zu ersticken drohen, und ihm eine neue
Freiheit der Bewegung gibt auf dem Boden be-
wußt übernommenen und frei gewollten Zwanges.
Kleine Freiheiten müssen wir opfern, um aus
der Enge zu größerer Freiheit des Überblicks zu
gelangen. . Noch müssen wir erst lernen, mit die-
sen neuen Daseinsformen das Rechte anzufangen.



Noch strecken wir in Kunst und Leben oftmals
die Hände nach rückwärts, um von jenen kleinen
Freiheiten des Einzelnen, die weggeweht werden,
noch ein Restchen zu erhaschen. Wir müssen ler-
nen, wir werden lernen: das Gesicht nur nach
vorwärts zu drehen und die Hände nur zum
Weiterklettern zu benutzen, hinauf zu einer neuen
Höhe, wo der Wind vielleicht schärfer weht, aber
die Aussicht wieder weit wird. . fritz Schumacher.
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