Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

Page: 415
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1931/0437
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
INNEN-DEKORATION

415

AUS DER WOHNUNG JEAN PATOU IN PARIS

BLICK INS ESSZIMMER IM ERDGESCHOSS

EINE WOHNUNG IN PARIS

Zusammen mit dem Pariser Architekten Louis
Sue und Andre Mare hat sich Jean Patou —
auf dem Gebiet der Frauenmode einer der Maß-
gebenden — in Paris sein Heim eingerichtet. .
Eine kurze Treppe führt in die hellen Vorräume
des Erdgeschosses. Der große Empfangsraum ist
in drei Teile geteilt: Musikzimmer, Salon und
Rauchzimmer. Das Musikzimmer enthält fast nur
den schönen Flügel, dessen Klängen durch die an-
schließenden Räume eine vorzügliche Akustik ver-
schafft wird. Im Salon wird der Blick vor allem
auf den Kamin hingezogen: er ist aus schwarz-weiß
geädertem Marmor. Eine Längsseite des Rauch-
zimmers beherrscht eine Möbelgruppe: ein breiter
Divan und Sessel aus schwarzer Seide, davor ein
kleiner chinesischer Tisch aus Palisanderholz. Ein
gemalter Wandschirm von Boutet de Mouvel im
Hintergrund. Die Mode der Wandschirme ist etwas
»typisch Französisches«, es gibt kaum eine ge-
schmackvolle Wohnung, die nicht irgendwo einen
bemerkenswerten Wandschirm aufweist. An der
anderen Längsseite des Rauchzimmers steht ein
niedriger Schrank mit Sesseln. Die Querseite wird

fast ganz von einem Riesenfenster eingenommen.
Von dem Rauchzimmer führt eine Tür in die
»Bar« mit gemütlichen Ledersesseln und einem
offenen Kamin. Auch das Eßzimmer liegt im Erd-
geschoß: an der Haupt wand ein großer Spiegel.
Im Treppenaufgang ist eine Schmiede-Eisen-Ar-
beit von Desvallieres. In den oberen Etagen sind
die Schlafzimmer, Badezimmer und im zweiten
Stockwerk das »Atelier«, der Lieblingsaufent-
halt des Hausherrn, ein quadratischer Raum, mit
besonderer Liebe eingerichtet. Hier hält sich Jean
Patou auf, wenn er ausruhen, lesen, oder einen
intimen Kreis empfangen will, auch Mahlzeiten
werden im Atelier eingenommen. Die Beleuchtung
ist indirekt. In der einen Divanecke kehrt der
niedere chinesische Tisch aus Palisanderholz wie-
der, eine lange niedrige Bibliothek nimmt die
Kaminwand ein, die Parkettäfelung des Fußbodens
ist mit kleinen Teppichen belegt. Erwähnung ver-
dienen noch die Badezimmer, die alle mit Marmor
und Mosaik ausgestattet sind. Bemerkenswert ist
auch der kleine, aber sehr gepflegte Garten-Hof,
der im Sommer Schatten spendet. . j. mühlenthal.
loading ...