—.—— — Nro. 55 der Charis.
Man hat mir die Ehre ateig mich für den Verfaſſer der
Ankündigung von zwei Gebauer ſchen Schriften zu halten
welche ſich auf der lezten Seite des Umſchlags zum Seytem-
berheft der Charis beſinden.
Herr Dr. Gebauer ſelbſt, der ſie von der Verlagshandlung/
Nals Grabſchrift meiner Zeitſchrift die nach ſeiner weiſen
Berechnung mit Nro. 52 aufhören ſolte / obne meine Ein-
willigung ſetzen lied.
Die Angabe, daß die Charis aufbören werde / verdient eine
beſondere Erörterung, ſie iſt ein Faktum, das abſichtlich ver-
„breitet wurde, um das Emporkommen eines neuen Blattes zu
begünſtigen, für welches Herr Gebauer ſich nicht ſcheute die
nämlichen Erſcheinungstage zu wählen, ja ſelbi die näm-
lichen Preisbedingungen aufzuflellen, was ihm freilich Nie-
mand nach Rechtsgrundſätzen wehren konnte, da er es ſeinem
bekannten Patriotismus alſo angemeſſen fand. Ueber das An-
ſländige und Schickliche ſetzen ſich gewiße Leute hinaus, jeder
gebildete Mann aber würde geſucht haben wenigſtens den
Schein zu vermeiden.
Die Idee zu den rheiniſchen Erholungsblättern entſand
Zaugenſcheinlich durch die Charis, deren Redaktion Herr Dr.
Gebauer, nach ſeiner gewohnten Manier die Gedanken und
Unternehmungen Anderer möͤglichſt zu ſeinem Vortheil zu be-
nutzen, ſchon längſt gern an ſich gezogen haͤtte. Mich aus
meinem Eigenthum zu verdrängen, wollte ihm nicht gelingen;
er ergriff alſo den Plan, ſowohl öffentlich als im ſtillen/
Dieſes kaum behonnene Blatt, durch- die niedrigſen Umtriebe
und durch die gemeinſten Schmähungen, ungeſcheuet und
mit Verläugnung aller Urbanität des Gelehrten, herabzuſetzen/
während er, zu derſelben Zeit, mir Beiträge von ſeiner Hand
fortdauernd zur Aufnahme in die Charis zuſchickte. Nachdem
nun Herr Hofrath Dr. Gebauer dieſes unedle Benehmen lange
Zeit planmaßig fortgeſezt haͤtte, ſandte ich ihm alle ſeine in
Händen habenden, noch ungedruckten, für die Charis be-
ſtimmten, Beiträge mit der ſchriftlichen Erklärung zurück:
»daß ich von ihm nicht verlangen könne, ſeine Geiſtespro-
v„dukte in einem Blatte zu erblicken, worüber er ſein Miß-
„fallen ſo laut auſſere./ Von dieſem Augenblicke an erklärte
er nun ohne Rückbalt an allen Orten, die Charis höre auf,
und ſeine Schritte, ein abnliches unternehmen zu beginnen
und ſich für dieſe Schmach zu rächen, wurden nun ſo raſilos
fortgeſezt / daß er ſolches nicht mit dem neuen Jahre/ ſondern
Der Verfaſſer derſelben aber iſt
die Abſtellungen von allen Seiten einträten.
wirken, hatte Herr Gebauer öffentlich und heimlich gearbeitet *
um der Charis, nach ſeiner Meinung/ den Todesſtoß zu geben/
mit dem lezten Jahres⸗Quartal zu beginnen trachtete. Seine
Ankündigung, in und mit den Tageblättern ausgegeben/ iſt
bekannt. Als dieſe aber nicht ſo recht das Publikum anziehen
wollte, ließ er mir Anträge zur gemeinſchaftlichen Heraus-
gabe der Charis machen. Aber ein tiefes Gefühl von Ehre
verbot mir die Annahme, und das urtheil mehrerer durch
Geiſt und Karakter ausgezeichneten Maͤnner enrſchied für die
definitive Ablehnung.
Der Oktober nahte heran/ und das lezte Septenberſück der
Charis ſollte ausgegeben werden; darauf kam alles an, daß jezt
Um dies zu be-
und. zulezt, um ſein Werk zu krönen, den Herumtrager der
Charis — — gewonnen, bei Abgabe des lezten September-
blatts, die geehrten Abonnenten fragend anzureden: „Nun,
„ wollen Sie denn die Charis noch behalten, ſie wird wohl
„aufhören — oder wollen Sie das neue Blaat? —
Mag nun Herr Dr. Gebauer/ wie allerdings von ihm zu
erwarten ſieht, dies Alles, nach ſeiner Manier, für Lüge er-
klären und mit erzwungener Würde ſich dagegen vernehmen
laſſen. Diejenigen welche gleich mir/ ſeine Handlungsweiſe und
die angeführten Schleichwege kennen, wird er über ſeine zwei-
deutigen Geſinnungen nimmer täuſchen; mir aber um ſo
weniger vergeben, je lauter ihm ſein Gewiſſen ſagen muß/
daß ich mit loyalem Herzen ihm entgegen kam/ ihm Freund-
ſchaft mit Rath und That bezeigte, und niemals feindſelig
gegen ihn ſprach und handelte, bis er unzaͤhlige Angriffe
aus der Quelle des niedrigſien Eigennutzes geſchoͤpft/ gegen
mich gerichtet hatte.
Mir ſelbſt zunächſt bin ich dieſe Anzeige ſchuldig / welche
nur rein geſchichtliche Thatſache enthalt.
Was auch immer der Erfolg der Gebauer'ſchen Um-
triebe ſeyn möge: mein Vorſatz ſteht feſ: in Verbindung mit
Maͤnnern von Geiſt und Herz werde ich unverdroſſen fort-
fahren, den begonnenen Weg zu verfolgen „ und keine An-
ſtrengung ſcheuen, um mir das Wohlwollen ebüdeter Leſer
zu gewinnen.
Mannheim „den 10. Ottober 1821.
Friedrich Karl Freiherr von Erlach.
Man hat mir die Ehre ateig mich für den Verfaſſer der
Ankündigung von zwei Gebauer ſchen Schriften zu halten
welche ſich auf der lezten Seite des Umſchlags zum Seytem-
berheft der Charis beſinden.
Herr Dr. Gebauer ſelbſt, der ſie von der Verlagshandlung/
Nals Grabſchrift meiner Zeitſchrift die nach ſeiner weiſen
Berechnung mit Nro. 52 aufhören ſolte / obne meine Ein-
willigung ſetzen lied.
Die Angabe, daß die Charis aufbören werde / verdient eine
beſondere Erörterung, ſie iſt ein Faktum, das abſichtlich ver-
„breitet wurde, um das Emporkommen eines neuen Blattes zu
begünſtigen, für welches Herr Gebauer ſich nicht ſcheute die
nämlichen Erſcheinungstage zu wählen, ja ſelbi die näm-
lichen Preisbedingungen aufzuflellen, was ihm freilich Nie-
mand nach Rechtsgrundſätzen wehren konnte, da er es ſeinem
bekannten Patriotismus alſo angemeſſen fand. Ueber das An-
ſländige und Schickliche ſetzen ſich gewiße Leute hinaus, jeder
gebildete Mann aber würde geſucht haben wenigſtens den
Schein zu vermeiden.
Die Idee zu den rheiniſchen Erholungsblättern entſand
Zaugenſcheinlich durch die Charis, deren Redaktion Herr Dr.
Gebauer, nach ſeiner gewohnten Manier die Gedanken und
Unternehmungen Anderer möͤglichſt zu ſeinem Vortheil zu be-
nutzen, ſchon längſt gern an ſich gezogen haͤtte. Mich aus
meinem Eigenthum zu verdrängen, wollte ihm nicht gelingen;
er ergriff alſo den Plan, ſowohl öffentlich als im ſtillen/
Dieſes kaum behonnene Blatt, durch- die niedrigſen Umtriebe
und durch die gemeinſten Schmähungen, ungeſcheuet und
mit Verläugnung aller Urbanität des Gelehrten, herabzuſetzen/
während er, zu derſelben Zeit, mir Beiträge von ſeiner Hand
fortdauernd zur Aufnahme in die Charis zuſchickte. Nachdem
nun Herr Hofrath Dr. Gebauer dieſes unedle Benehmen lange
Zeit planmaßig fortgeſezt haͤtte, ſandte ich ihm alle ſeine in
Händen habenden, noch ungedruckten, für die Charis be-
ſtimmten, Beiträge mit der ſchriftlichen Erklärung zurück:
»daß ich von ihm nicht verlangen könne, ſeine Geiſtespro-
v„dukte in einem Blatte zu erblicken, worüber er ſein Miß-
„fallen ſo laut auſſere./ Von dieſem Augenblicke an erklärte
er nun ohne Rückbalt an allen Orten, die Charis höre auf,
und ſeine Schritte, ein abnliches unternehmen zu beginnen
und ſich für dieſe Schmach zu rächen, wurden nun ſo raſilos
fortgeſezt / daß er ſolches nicht mit dem neuen Jahre/ ſondern
Der Verfaſſer derſelben aber iſt
die Abſtellungen von allen Seiten einträten.
wirken, hatte Herr Gebauer öffentlich und heimlich gearbeitet *
um der Charis, nach ſeiner Meinung/ den Todesſtoß zu geben/
mit dem lezten Jahres⸗Quartal zu beginnen trachtete. Seine
Ankündigung, in und mit den Tageblättern ausgegeben/ iſt
bekannt. Als dieſe aber nicht ſo recht das Publikum anziehen
wollte, ließ er mir Anträge zur gemeinſchaftlichen Heraus-
gabe der Charis machen. Aber ein tiefes Gefühl von Ehre
verbot mir die Annahme, und das urtheil mehrerer durch
Geiſt und Karakter ausgezeichneten Maͤnner enrſchied für die
definitive Ablehnung.
Der Oktober nahte heran/ und das lezte Septenberſück der
Charis ſollte ausgegeben werden; darauf kam alles an, daß jezt
Um dies zu be-
und. zulezt, um ſein Werk zu krönen, den Herumtrager der
Charis — — gewonnen, bei Abgabe des lezten September-
blatts, die geehrten Abonnenten fragend anzureden: „Nun,
„ wollen Sie denn die Charis noch behalten, ſie wird wohl
„aufhören — oder wollen Sie das neue Blaat? —
Mag nun Herr Dr. Gebauer/ wie allerdings von ihm zu
erwarten ſieht, dies Alles, nach ſeiner Manier, für Lüge er-
klären und mit erzwungener Würde ſich dagegen vernehmen
laſſen. Diejenigen welche gleich mir/ ſeine Handlungsweiſe und
die angeführten Schleichwege kennen, wird er über ſeine zwei-
deutigen Geſinnungen nimmer täuſchen; mir aber um ſo
weniger vergeben, je lauter ihm ſein Gewiſſen ſagen muß/
daß ich mit loyalem Herzen ihm entgegen kam/ ihm Freund-
ſchaft mit Rath und That bezeigte, und niemals feindſelig
gegen ihn ſprach und handelte, bis er unzaͤhlige Angriffe
aus der Quelle des niedrigſien Eigennutzes geſchoͤpft/ gegen
mich gerichtet hatte.
Mir ſelbſt zunächſt bin ich dieſe Anzeige ſchuldig / welche
nur rein geſchichtliche Thatſache enthalt.
Was auch immer der Erfolg der Gebauer'ſchen Um-
triebe ſeyn möge: mein Vorſatz ſteht feſ: in Verbindung mit
Maͤnnern von Geiſt und Herz werde ich unverdroſſen fort-
fahren, den begonnenen Weg zu verfolgen „ und keine An-
ſtrengung ſcheuen, um mir das Wohlwollen ebüdeter Leſer
zu gewinnen.
Mannheim „den 10. Ottober 1821.
Friedrich Karl Freiherr von Erlach.



