Die Gartenkunst — 1.1899

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I, 1 DIE GARTENKUNST 17

retiro" bequemer zum Bepflanzen eingerichtet werden
können. Beide Arbeiten waren grofs gedacht in der Gehölz-
gruppierung, auch zeigten die regelmäfsigen Partien Selbst-
ständigkeit der Auffassung, man empfand angenehm das
Fehlen der Schablone. Die Arbeit „Einheit", Verfasser die
PirmaKörner in Steglitz, wurde endlich noch mit einer kleinen
silbernen Medaille und 25 Mark ausgezeichnet. Der Ent-
wurf war in grofsen Zügen durchgeführt. Die Einschnürung
des ausgegrabenen Wasserbeckens, welches an dieser Stelle
überbrückt war, scheint mir nicht sehr glücklich, sie macht
auf mich den Eindruck des Beabsichtigten uud verkürzt
den Blick über die Wasserfläche vom Hause aus.

Von den zur engeren Wahl zugelassenen, nicht prä-
miierten Entwürfen waren „Em" und „Erica" Schöpfungen,
welche im konkreten Palte wohl hie und da ausgeführt
werden, sie waren aber zu einfach und wenig bedeutend,
wenn man bedenkt, dafs dem Entwerfenden betreffs der
Kosten volle Freiheit gelassen war. Der Verfasser von
„Idylle" hat versucht, durch Bodenbewogung zu wirken.
Die Neugestaltung zeigte sich wiederholende, flache Ge-
ländewellen. Aufserdem legte er die Wege absichtlich auf
dammartige Erhöhungen, was am Bergabhang kaum zu
rechtfertigen ist. „Wucherblume" war in mehrere gleich-
wertige Stücke gegliedert, so dafs der einheitliche grofse
Zug verloren ging, auch wies die Wegefiihrung am Teiche
Mängel auf. Von den übrigen Entwürfen sei noch „Streben
ist Leben" erwähnt. Allerdings schien mir die Pflanzung
hier zu auffällig um die Wegekreuzungen gruppiert, auch
dürfte der in den Abhang eingeschnittene Teich etwas un-
natürlich wirken.

Aufgabe 2. In engere Wahl kamen die Arbeiten mit
dem Motto „Architektur", „Ist's?" I., „Idyll", „Epheu",
„Sohrumm", „Durch!", „Chrysanthemum" II. und „Hand
in Hand", Leider mufste die schöne Arbeit mit dem Kenn-
wort „Mein Heim" von der Preisbewerbung ausgeschlossen
werden, da der Verfasser bei der Anordnung der Ge-
wächshausbauten nicht der Unterlage entsprechend ver-
fahren.

Den 1. Preis erhielt: „Architektur," Verfasser M. Rein-
hardt in Danzig; der zweite Preis wurde der Arbeit „Ist's? I"
zuerkannt, Verfasser May-Prankfurt-Bockenheim; den dritten
Preis errang „Idylle", Verfasser E. Schulz-Berlin-Friedrichs-
berg.

Von den Lösungen der dritten Aufgabe waren die
relativ besten „Plenus et opulentus," Verfasser E. Böttcher-
Berlin, „Linden," Verfasser die Firma Körner in Steglitz,
„Muskau," Verfasser E. Schulz-Berlin. Die Unterlage war
insofern nicht erschöpfend, als man das Grundstück auch
als Eckgrundstück auffassen konnte, wodurch die Lösungen
sehr von einander abwichen in der Anordnung des Zufahrts-
weges, was augenscheinlich nicht beabsichtigt war. Bei
der Arbeit „Muskau" war die Aufstellung von Statuen und
Vasen ly, m von der Treppe der Veranda und vor der
Gartenpforte fehlerhaft.

Die 4. Konkurrenz-Nummer war nur einmal beschickt
von Terbrak-Altenessen. Diesem wurde ein zweiter Preis
zuerkannt, da für Verleihung des ersten die Leistungen
nicht genügten.

Die vielseitigste und beste Darstellung eines gröfseren
Projektes hatte eine Anzahl von Bewerbern angelockt,
deren Darstellungsmethodon recht verschieden, aber auch
zum Teil recht gute waren. Sehr elegant gezeichnet war
das Projekt mit dem Kennwort „Lipsiae civibus" von
G ö b e 1-Frankfurt, welches den 1. Preis erhielt. Glum-
Halensee erhielt den 2. Preis. Die Darstellung seiner
Gohölzgruppen, welche die Wegezüge völlig überdecken,
ist sehr wirkungsvoll und hebt Licht und Schattenmassen
vorzüglich von einander ab. Die Methode erfordert jedoch
stets einen zweiten Plan, aus welchem die Wegeführung
klar ersichtlich ist. Sehr wenig geschmackvoll, auch un-
richtig ist meines Dafürhaltens das Einzeichnen aufrechter
Fontainenaufbauten mit ihren Wassermassen und die
Spiegelung solcher Aufrifszeichnungen im Wasser. Mag
diese Zeichnung dem Laien gefallen, der Fachmann wird
das Unrichtige der Projektion immer unangenehm empfinden.
Der Plan mit den Profilen zu dem Entwurf war ebenfalls
sehr anschaulich. Die Arbeit „Eiche" von Böttcher-
Berlin erhielt den dritten Preis; ferner wurden dem Projekt
„Allen Leuten etc." Verfasser R i m a n n - Frankfurt eine
grofse und Schall u. Lafsbeck-München für einen Plan
mit Schattierung des Geländes in Tusche, zu dem Projekt
„Herbst" gehörig, eine kleine silberne Medaille zuerkannt.

Die Plankopien, von Gehilfen und Lehrlingen aus-
gestellt, waren im ganzen fleifsige und saubere Arbeiten.
Die besten waren von Green-Hamburg, Neumann-Danzig
und Langhors't-Hannover. Aufserdem hatte die Hand-
werkerschule in Hannover eine Sammelausstellung von
Plänen veranstaltet, welche von der fleifsigen Arbeit von
Lehrer und Schülern Zeugnis ablegte.

Von den zur Verfügung der Preisrichter eingegangenen
Gegenständen seien Zeichnungen von Holz- und Rinden-
bauten von Mehler-Hamburg erwähnt, welche sehr ge-
schmackvoll waren. Allerdings kann ich mich für die
sogenannten Grottenbauten aus Tuffstein in keinerlei Form
recht begeistern.

Zum Schlufs sei der grofsartigen Gesamtausstellung
des Stadtgartendirektors Trip-Hannover gedacht, welche
sich der Beurteilung durch die Preisrichter entzog. Sie
umfafste den Entwurf zu einer Villenkolonie auf dem
Gehrdener Berg bei Hannover mit einem Restaurant in
altdeutscher Bauweise, wie wir sie in Hannover an mehreren
Stellen so gelungen antreffen. Ferner waren die Pläne zu
einer anderen Villenkolonie vorgeführt, „der Burgberg bei
Gehrden," ein regelmäfsiger Baublock mit interessanter
Restaurantanlage, die terrassenförmig angeordnet war.
Besonders interessant waren die Pläne zu <Är vornehmen
Besitzung der Baronin von Cramer-Klett in Hohen-Aschau
in Oberbayern. Sämtliche Entwürfe waren reich illustriert
durch photographische Ansichten. Ebenso war eine grofse
Anzahl künstlerisch schöner Aufnahmen aus den städtischen
Anlagen von Hannover vorhanden, welche, irre ich nicht,
von dem städtischen Obergärtner Schulze aufgenommen
waren.
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