Die Gartenkunst — 1.1899

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I, 12 DIE GARTENKUNST 209

Entwürfe von Park- und Gartenanlagen.

Ein Obst- und Ziergarten vor hundert Jahren. Der Teil vor dem Gartenhaus a ist symmetrisch ange-

Vbn Arthur Glogau ordnet. In der mittleren Abteilung bildet den Mittelpunkt

ein Postament, „dessen daraufgestellter Gegenstand tiefen
( ierzu eine Abbildung.) Eindruck auf Herz und Sinn zugleich machen soll." Das

Ein sehr bedeutender Schriftsteller auf dem Gebiete um das Postament liegende Viereck ist mit Blumenbeeten
des Obstbaues, J. V. Sickler, gab vor 100 Jahren ver- umgeben, auf welchen mannigfaltige Blumen nach Jahres-
schiedene Vorschriften „zur Zeiten und Monaten abwech-

Umwandlung der Gärten zu____________ selnd blühten. Auch die durch

englischen Parks, vorzüglich ^^^SP»^S-AiA- 5§i®VMß&l-v/f"'*$ -^tifelik®^* (lie geraden Wege gebildeten
aber bürgerlicher Gärten". B 0^^^^^^^^^^^')P • Rasenstücke sind hier und da

Dafs ein so bedeutender Porno- ^o^/T^i^^^W^^^^m^ ^k^W ^ mit einigen gemeinen Blumen
löge wie Sickler die Obst- • Ä //,PX;'&^ * 1f''*^^oi | ^ besetzt. Die Stücke zu beiden

gärten stets bevorzugt, darf ^1 .^(^.^X^ifl^//^^ JW ^ Seiton dieses Mittelteiles sind

uns nicht wundern, und ist A öJVX,?^ „^y^^S^^J~^\TA r (ßf „ einerseits zur Anzucht der Ge-
denn auch die. nebenstehende 'LwV)!-«/ <v ,Jrf ^c~a\ X«% l müse, anderseits zur Anlage

Skizze die der Herausgeber <<* * «farep /A l ^ Ö 1 <Qf (So einer Baumschule zu benutzen,

des „Deutschen Obstgärtner" *) <f 0t?7 K./Vw' ®& ^ * Um nun im weiteren Teil des

als Muster für derartige An- ^ d ^ W\\/^^. $ Gartens nicht durch die Regel-

lagen empfiehlt, unter starker ^''^ ** ^ A ä »> ^\( 5 mäfsigkeit der Einteilung zu

Berücksichtigung des Obst- ^ ä'My^^AT *j_^^ ermüden, beginnen sodann die

baues gedacht. Da dieser ä x ä mPa^T & V \ &, J ,f ^ * _ krummen Wege und zwar zu-

Musterplan für Anlagen von T JV* , ^ (Jf &| öjß • ^ Tf AT nächst einige krumme regu-

mäfsigem bis kleinem Um- & ^1 fj? '""tlfl U ^ t*Ä vül&i. _ läre Linien über dem mittel-
fange berechnet ist, ist er f*&x iaCaU ß*f ä t AT pfi?fil! ston Stück und dann auf bei-

umso interessanter, weil wir w & J Ä X vp. £ ?f T>üj« "jt k den Seiten einige irreguläre

nur verhältnismäfsig wenig *- :'^^#^fcl3ggfe|^^ry j|$ ,<> krumme Linien. Die durch

derartiger Pläne besitzen. An ^|||f konzentrischen Wege ge-

der Beschreibung desselben ®$%lL bildeten Stücke sind, von vorn

werden wir ersehen, dafs der x '^l^^O^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ angefangen, mit niederen,

Verfasser doch eine wunder- .....,~__/a" m m »X_.......... fruchttragenden Sträuchern,

bare Ansicht über „englische" T ] 0 ^ISSXSr\VTinnt*zk^9°1 ■ T w*° J°^ann^s" uim Stachel-
Gärten hat, insbesondere ist J , ,j ^^^^^^aly6^^^^^3 ■: I beeren besetzt, dann folgen
die Wegeführung im mittleren 1 j ___^ ■ * r~~n * - i£2=3 i [ Orangeriebäumchen in Töpfen
Teil bezeichnend für seine r |^J_JJ ; | [®j * " Iii".-] | ° " = - - - -' oder Kübeln, hinter donsel-

Auffassung. Dieselbe dürfte s ; \z^h _??*■**; cl^SJ i ' Don schwachwachsende Obst-
aber doch ein Spiegel für die ^ i ls^^^^^^'|!Ä^^^Sj=l i ' Sorten, wie Jakobsäpfel, Bors-
damalige allgemeine Meinung s______: o-_j^_^^'ü'^—^^-.---'0 | j____ _ j dorfer, holländische Zwiebel-
sein, da ja auch andere Schrift- " J ^ ""* birnen und so fort alle Obst-
steller jener Zeit von den „be- ([7^\J P | . Sorten so ausgewählt, dafs
ständigen Krümmungen" der [ . , > e , B ___X_________B - « «_ ^ 'I die Kronen der dahinterstehen-

Wege sprechen. Was nun T V"ä*~' den sich mohr und mehr über

Sickler selbst von diesem Plan Ein Obst- und Ziergarten vor ioo Jahren. die vorderen erheben. Dahinter

als Musterplan denkt, drückte Nach einem alton Originale im Sicklersclion „Deutschen Obstgartner». S0H( [n QuillCUllX gepflanzt,

er mit den Worten aus: „Es das Steinobst Platz finden und
läfst sich natürlich kein allgemeiner Entwurf zu Gärten auch dieses ist, nach den Grenzen ansteigend, in ver-
für alle Lagen machen" und giebt dann zu, dafs gewisse schiedenen Höhen angeordnet. Der letzte Teil der An-
Umstände vorkommen könnten, welche eine Abänderung läge würde dann mehr die Form englischer Gärten an-
nötig machten. nehmen, jedoch auch hier sollen nicht blofs wilde und
^Erschienen im Jahre 1794—1804 im Industrie-Kontor unfruchtbare Gesträuche, sondern auch gewisse frucht-
von Bertuch in Weimar. D. Red. tragende Gesträuche und Bäume, wie Quitten, Mispeln,

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