Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

Flächen kurzerhand verböte, was nach meinem Dafürhalten
eine keineswegs zu rechtfertigende Härte wäre.

Die Gräberfelder mit ihren in geraden Linien und
regolmäfsigen Abständen aufgestellten Kreuzen und Denk-
steinen stören die landschaftliche Schönheit der Anlage in
hohem Mafse, folglich mufs man auf Mittel und Wege sinnen,
sie so unterzubringen, dafs dies nicht mehr der Fall ist.

Ebenso störend wirken die die Wege ununterbrochen
durch Pflanzung begleitenden Grabdenkmäler. Wohl kann
man mir hier und mit Recht erwidern, dafs dieselben
naturgemäfs auf den Friedhof gehören und man sich mit
dieser Thatsache notgedrungen abfinden müsse.

Zugegeben; aber sollten sich nicht auch hier Mittel
und Wege finden lassen, eine alle Teile befriedigende
Änderung herbeizuführen? Ein schönes Grabdenkmal
wird in angemessener Umgebung schön wirken; versuche
man doshalb recht viele — wenn möglich alle — in eine
passende Umrahmung zu bringen, wenn auch nur ver-
hältnismäfsig wenige auf das Prädikat „schön" Anspruch
erheben können.

Diese Gesichtspunkte waren bei Ausarbeitung des vor-
liegenden Entwurfes mafsgebend. Erstens sollte eine An-
lage in vollständig landschaftlichem Stile geschaffen werden;
zweitens sollten die Begräbnisfelder der allgemeinen Reihe
so untergebracht werden, dafs sie das Bild der ganzen
Anlage weder jetzt noch in Zukunft stören; drittens
sollte die Anordnung der Familien- und Kaufgräber so
getroffen werden, dafs dieselben ihren Platz nach Mög-
lichkeit an der Peripherie der ganzen Anlage — aufserhalb
des Hauptverkehres — finden und in ihrer Anordnung
möglichst Abwechslung bieten und viertens sollten die zu-
letzt genannten Grabstätten von allen Hauptwegen der
Anlage ferngehalten und nur an besonders hierzu vor-
gesehenen Wogen und in einzelnen gröfseren Gruppen
angeordnet werden.

Der landschaftliche Charakter des vorliegenden Ent-
wurfes wird wohl unbestritten als solcher gelten können,
wenn auch zugegeben werden soll, dafs das Verhältnis der
Rasen zu der die Reihengräber umschliefsendcn Pflanzung
für eine vollendet-gartenkünstlerischo Schöpfung zu gering
erscheint. Immerhin darf man ihr aber einen idealen
Waldcharakter zugestehen.

Die Reihengräber für Erwachsene und Kinder liegen,
wie auf dem Plane ersichtlich, inmitten der den inneren
Teil des Friedhofes nahezu ausfüllenden Pflanzungen, deren
jede einen kleinen, in sich abgeschlossenen Friedhof bildet.

Dadurch, dafs den Reihengräbern der ganze mittlere Teil
des Friedhofes vorbehalten ist, kann niemand, auch wenn
diese Gräber von den Wegen aus nicht sichtbar sind, in
der Lage derselben irgendwelche Zurücksetzung erblicken.
Einer späteren Umänderung dos Friedhofes legen diese nach
kurzer Frist verfallenden Gräber keinerlei Hindernis in den
Weg; die Umpflanzung derselben kann nach und nach auf
das gehörige Mafs zurückgeführt, bezw. zum gröfston Teil
entfernt werden, so dafs alsdann der Park allen Anforde-
rungen der Schönheit entspricht.

Die Anordnung der Kaufgräber an der Peripherie der
Anlage erfolgte aus demselben Grunde.

In der Mehrzahl der in den letzten Jahren zur Aus-
führung gelangten Friedhöfe sind die Kauf- und Familien-
gräber in gröfseren, regelmäfsigen Anordnungen meist in
der Mitte der Anlage vorgesehen. Wenn auch zugegeben
werden soll, dafs dies mehr oder weniger der seitherigen
Gepflogenheit entspricht, so dürfte doch, abgesehen davon,
dafs die genannten Grabstätten inmitten dos Hauptverkehrs
liegen und infolgedessen die gerade für diese Gräber
wünschenswerte Ruhe vermissen lassen, bei einer späteren
Umwandlung des Friedhofes zu einer öffentlichen Anlage
die Beseitigung dieser auf lange Fristen erworbenen
Grabstätten, auf denen grofse Denkmäler und Grabgewölbe
Platz gefunden haben, aufserordentliche Schwierigkeiten
bieten und eine endgültige Regelung um Jahrzehnte ver-
zögern.

Die Anordnung der Kaufgräber an der Peripherie des
Friedhofes beseitigt diesen sehr wohl in Betracht zu
ziehenden Mifsstand zum gröfsten Teil. Bodenken gegen
dieselbe bestehen nur dann, wenn später eine Erweiterung
des Friedhofes erfolgen soll. Bei dem vorliegenden Ent-
wurf ist dies, da der Friedhof auf allen Seiten von Strafsen
umgeben ist, nicht der Fall. Hat der Gartenkünstler
dagegen bei der Neuanlage mit einer späteren Erweiterung
zu rechnen, so wird os ihm nicht schwer fallen, die An-
ordnung der Kaufgräber dementsprechend zu treffen.

Schliefslich sei noch erwähnt, dafs auf dem nach Ab-
zug der Flächen für das Verwaltungsgebäude, das Leichen-
haus, die Morgue sowie für die Gärtnerei 181446 qm grofsen
Terrain des Entwurfes

17210 Gräber für Kindor unter acht Jahren,
11750 „ „ Personen über „ „
3000 Kaufgräber und
300 Familiengräber zu je 6 Stelion
vorhanden sind.

Es sollte mir eine besondere Freude sein, wenn der
vorliegende Entwurf, der nach keiner Richtung hin den
Anspruch erhebt, vollkommen zu sein, meinen verehrten
Herren Kollegen Veranlassung böte, der gewordenen An-
regung Folge zu geben und in der vorgeschlagenen Richtung
weitere Versuche zu machen — zur Iühre der Gartenkunst!

Muster zu Blumenbeeten.

Die Stilisierung von Blättern und Blüten zur Verwendung
bei Blnnienbeetformen.

Von E. Schulz, Friedrichaberg-Berliri.

(Hierzu eino Abbildung mit 8 Figuren.)

In beifolgender Abbildung soll eine Anregung zum
Studium der Pflanzenwelt gegeben und auf die in ihr vor-
kommenden geeigneten Formen für Blumenbeete hin-
gewiesen werden, um sie in möglichst vielseitiger Weise
verwerten zu können. In dem Fortschreiten auf dem Wege
der Natufbeobachtung und in dem immer tieferen Ein-
dringen in die Formenwelt des Pflanzenreichs werden sich
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