Die Gartenkunst — 1.1899

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30 DIE GARTENKUNST I, 2

Arrangieren stets darauf, dafs Pflanzen, die kühler stehen
müssen, dort auch verwendet werden, denn es giebt immer
Stellen im Wintergarten, die etwas kühler sind.

Zur Bekleidung von Pfeilern, Wänden, Grotten etc. ver-
wende man Tropfsteine oder künstlich nachgeahmtes
Material, auch Borke, doch gebe ich ersteren der Haltbar-
keit wegen den Vorzug, während letztere sehr geeignet ist,
dem Ungeziefer Schlupfwinkel zu bieten. Als Untergrund
verwende man Picus scandens und barbata; diese Pflanzen
wachsen sehr schnell und graziös, dazwischen Curcu-
ligo, Aspidistra, Lycopodium, Begonia Rex, Tradescantia,
kleinblättriger Bpheu, Phalangium, Ophiopogon japonicus,
spicatus und Jaburan fol. var., Philodendron pertusum,
Selloum und lancifolium. Beim Einmauern der Tropfsteine
achte man ja darauf, dafs genügend Löcher zum Bepflanzen
der Wände vorhanden sind. Man überlasse es niemals allein
den Herren Grottenbauern, auch achte man bei Verwendung
der Pflanzen immer auf die Temperaturverhältnisse. Als
Schlingpflanzen verwende man für einen kühleren Stand-
ort: Lapageria alba und rosea mit ihren herrlichen Blüten,
sowie auch Epheu, ferner für wärmere Stellen: Bougain-
villea spectabilis und fastuosa, Thunbergien, Passifloren,
Stephanotis und verschiedene Jasmine; als Ampelpflanzen:
Polypodium Reinwardtii, Asparagus Sprengeri. auch Epheu,
Picus und andere, der Jahreszeit und Temperatur ent-
sprechende.

Zui" Bepflanzung von Bassins verwendet man mit Vor-
liebe Begonia Rex, sowie auch verschiedene blühende
Pflanzen, ferner Cyperus, Scirpus, Carex, Dracaena congesta,
kleine Palmen, Adiantum, Pteris, Scolopendrium u. a. Zur
Herstellung grofser und kleiner Rasenflächen verwendet
man am besten Selaginella. Obgleich man hier eine grol'se
Auswahl hat, eignet sich doch am besten Selaginella denti-
culata, auch Ophiopogon japonicus, doch mufs dies sehr
kurz herangezogen und sehr sauber gepflanzt werden; für
wärmere Abteilungen kann auch Picus stipulata verwendet
werden. In diesem Rasen lassen sich die schönsten Gruppen
herstellen, die mit allerlei blühenden Pflanzen besetzt werden
können, und ist das Bepflanzen immer mit e in er Sorte Pflan-
zen auf jeder Gruppe zu empfehlen, entweder dunkle Cy-
clamen oder helle Sorten, oder Ericen, Primeln, Hyacinthen,
Tulpen, Maiblumen, Crocus, Scilla, Narzissen, Veilchen,
Lilien, Amaryllis u. a. Welch einen herrlichen Anblick
gewährt diese Abwechselung! Der Gärtner und Dekorateur
kann nie in Verlegenheit kommen; es gehört aber auch
eine grofse Berechnung dazu, diese Sachen so heranzuziehen,
dafs man den ganzen Winter über immer frischen Er-
satz hat.

Sehr schön sind hohe Gruppen mit gemischten Pflanzen
oder auch mit einer Sorte blühenderPflanzenin verschiedenen
Farben, z. B. Chrysanthemum, doch auch da suche man die
Farben möglichst in grofsen Massen zusammenzustellen. Zu
solchen Gruppen eignen sich sehr gut Flieder, Magnolien,
Prunus, Rosen und alle Treibsträucher. Als schöne Solitair-
pflanzen empfehle ich Camellien, Azaleen, Rhododendron etc.,
auch eignen sich hier sehr gut Araucarien. Mit oben angeführten
blühenden und nichtblühenden Pflanzen lassen sich ebenso
Blumentische, Tablette etc. arrangieren, doch hier verwende

man immer nur gutes Material; jede Pflanze, jede Blume
mufs den Beschauer entzücken.

Was nun die Verwendung von Orchideen anlangt, die
in besonderen Gewächshäusern angezogen werden müssen,
so werden dieselben im blühenden Zustande entweder in
Ampeln oder an Grotten, Säulen etc. verwendet. Wie herr-
lich wirken dann ganze Gruppen von Cattleyen, Odonto-
glossum, Coelogynen, Calanthen, Lycasten, entweder ein-
zeln oder mit passendem Grün, hauptsächlich mit Farnen
gemischt. Wie anmutsvoll und lieblich nehmen sich hier
Dendrobien aus. Besonders schön sind Dendrobium nobile
mit den herrlichen Farben ihrer unzähligen Hybriden: Dal-
housianum, densiflorum, Farmeri, Findlayanum, Schrö-
derianum, Phalaenopsis, formosum, giganteum u. v. a. Für
Beete geeignet sind Cypripedium insigne, barbatum. Charles-
worthii. villosum u. a., auch Phajus macht sich hier sehr
schön. Es giebt kein bezaubernderes Bild für den Natur-
freund, als diese reizende Familie der Tropen unter Palmen
und Farnen in unserer nächsten Nähe zu sehen. Was nun
die Bromeliaceen anlangt, so sind dieselben im Gegensatz
zu den graziösen Orchideenblumen viel steifer. Dieselben
präsentieren sich am besten einzeln, entweder auf dem
Rasen, oder auf erhabenen Stellen in Grotten und an
Wänden. Man kultiviert dieselben meist als schöne Blatt-
pflanzen, die dann auch wirklich würdig sind, einen der
schönsten Plätze des Wintergartens zu beanspruchen; aber
auch als blühende Pflanzen sind einige von aufserordent-
lichem Effekt, z. B. Portea kermesina, Tillandsia splendens
und Lindenii, Bromelia Karatas, Disteganthus scarlatinus,
Nidularium princeps, nutans. longifolium, Saundersii und
viele andere.

Sie sehen, meine Herren, was für ein umfangreiches
Material vorhanden ist in allen Farben, Formen und Höhen,
so dass es dem Gartenkünstler, welcher Sinn für Natur und
Geschmack für Dekoration hat, ein leichtes sein wird, etwas
Grofsartiges zu schaffen, und ich möchte nur wünschen,
dafs meine Ausführungen einigen Erfolg haben und dafs
die Herren Gartenkünstler diesen herrlichen Schätzen der
Erde mehr Aufmerksamkeit schenken möchten.

Die ,,Lolikrankheit" der Bäume.

Von Prof. Dr. Paul Sorauer.

(Schlufs).

Unser Schlufs, dafs in erster Linie lokaler Wasser-
überschufs Veranlassung zur Lohbiklung geben dürfte, deckt
sich mit den Erfahrungen früherer Beobachter, und es ist
vielleicht für manchen Leser von Interesse, auch einmal
einzelne Stimmen über diesen Gegenstand aus längst ver-
klungenen Zeiten zu vernehmen.

Bei dem Durchblättern alter Schriften kommen uns
die Systeme der Pflanzenkrankheiten zunächst in die Hand,
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