Die Gartenkunst — 1.1899

Page: 16
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/gartenkunst1899/0026
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
16

DIE GARTENKUNST

I, 1

sah man Dahlien, trotz des 24. Novembers noch viele und
schöne Rosen, darunter besonders auffallend Kaiserin
Auguste Viktoria, Veilchen, Bouvardien Nelken u. diverse
Stauden

Im kleinen Saale des Konzerthauses waren auf langen
breiten Tafeln die übrigen Winterblüher, wie Eriken, Bou-
vardien, Camellien, Primeln, Heliotrop, Cypripedien, Reseda,
verschiedene Begonien und dazwischen Farne aufgestellt und
an der Pensterseite in besonderen Nischen die rocht zahl-
reich eingegangenen Pläne, über die eine berufenere Feder
schreiben wird.

Interessant war die Ausstellung des Apothekers Capelle
in Springe, der blühende Chrysanthemumpflanzen in der
Urform, einfach und gefüllt, gebracht hatte. Die pfennig-
grofsen Blüten hatten nichts mehr mit den heutigen Riesen-
blumen gemein, nur das Laub und der demselben eigen-
tümliche Geruch sind der Pflanze treu geblieben.

In dem Anbau in der Marstallstral'se waren Hament-
lich die Chrysanthemumbuschpflanzen untergebracht worden.

Mit der Ausstellung war eine Versammlung von Kunst-
und Handelsgärtnern zwecks Gründung einer Chrysan-
themum-Gesellschaft verbunden, in der Herr Bornemann-
Blankenburg am Harz das Referat hielt: 50 Herren zeichneten
sich in die Listen ein. Die weitere Förderung der Angelegen-
heit ist einer Kommission von 10 Herren überwiesen.

Aufserdem hielt der Handelsgärtner-Verband,
Ortsgruppe Hannover, eine von etwa 200 Personen
besuchte Versammlung ab, in der als Hauptpunkt der
Tagesordnung über die Schutzzollfrage verhandelt wurde.
Viele andere Städte, teils von weither, hatten ihre Ver-
treter entsandt. Nach lebhafter Debatte wurde einstimmig
eine Resolution angenommen, der Hauptvorstand möge in
der bisherigen Weise in der Schutzzollfrage weiterarbeiten
und mit allen Mitteln einen Zoll von etwa 25% des Wertes
auf alle importierten gärtnerischen Artikel zu erreichen
suchen. Namentlich soll auch die Postverwaltung ersucht
werden, unbestellbare Sendungen ausländischer Blumen
nicht mehr unter der Hand oder auktionsweise zu verkaufen,
da gerade durch diese Schleuderauktionen den deutschen
Handelsgärtnern die gröfste Gefahr erwachse.

0. Schulze, Hannover.

Die gartenkünstlerischen Entwürfe auf der
Chrysanthemum- und Winterflor-Ausstellung in Hannover.
Von Encke-Wildpark.

Die im Programm gestellten Aufgaben waren folgende:
1. Plan und Kostenanschlag einer gröfseren Gartenanlage
nach gegebener Situation; 2. Plan, Kostenanschlag und Be-
pflanzungsplan eines Hausgartens mit gegebener Situation;
3. Plan, Kostenanschlag und Bepflanzung für Frühling,
Sommer und Herbst eines Vorgartens nach gegebener
Situation; 4. Eine Zusammenstellung von 4 Plänen aus-
geführter Anlagen mit Kostenanschlag und Bepflanzung:

a) einer öffentlichen Anlage von mindestens V/2 ha Fläche,

b) einer Privatanlage von mindestens 1 ha Fläche, c) eines

Hausgartens von mindestens 15 a Fläche, d) eines städti-
schen Vorgartens; 5) die vielseitigste und beste Darstellug
des Projektes zu einer gröfseren Gartenanlage von mindestens
2. ha Gröfse mit freier Wahl der Mafsstäbe für die ein-
zelnen Blätter; aufserdem Wettbewerb für Gehilfen und
Lehrlinge.

Die beiden ersten Nummern des Programms hatten
eine besonders reiche Beteiligung gefunden, so dafs es für
die Preisrichter trotz eifrigster Arbeit eine schwere Aufgabe
war, die hier aufgehäufte Geistesarbeit einer gerechten
Würdigung zu unterziehen und die relativ besten auszu-
zeichnen.

Leider mufsten bei Aufgabe 1 die Arbeiten mit dem
Kennwort „Deutsche Gartenkunst", „Dahlia"und „Chrysan-
themum" ausgeschlossen werden, da ihre Verfasser die
durch das Grundstück führende Strafse kassiert hatten,
obgleich aus der Unterlage hervorging, dafs sie bestehen
bleiben sollte. Besonders bedauerlich erschien diese Mafs-
nahme gegenüber der Arbeit „Chrysanthemum", welche, in
vornehmer, grofser Weise durchgeführt, sich sonst sicher
einen Preis geholt hätte. In engere Wahl kamen die
Arbeiten: „Dornröschen", „Em", „Bella vista", „Hannover"
„Einheit", „Erica", „Buen retiro", „Idylle" und „Wucher-
blume".

Der erste Preis fiel auf „Hannover", Verfasser Böttcher-
Berlin. Das Gebäude war gotisch gedacht, verschiedene
Terrassen schlössen sich geschickt daran an, im grofsen
und kleinen den Formen des Stiles Rechnung tragend. In der
Nähe des Hauses war ein Wasserbecken ausgegraben, aus
welchem sich ein Wassersturz in den tiefer liegenden Teil
ergofs, wo er von einem Teiche mit felsigen Ufern auf-
genommen wurde. Eine gewisse Ähnlichkeit mit der Wasser
anläge im Viktoriapark war dabei nicht zu verkennen. Die
Wegeführung war sehr gut dem Gebäude angepafst.

Den zweiten Preis errang sich die Arbeit „Bella vista",
Verfasser Potente-Hannover. Das Gebäude war hier im
italienischen Renaissancestil angenommen. Der Haupt-
vorzug dieser Arbeit lag in den vorzüglich durchgeführten
Terrassenanlagen mit entsprechender gärtnerischer Aus-
schmückung.

Der Entwurf „Dornröschen" von der Firma Hardt
und Schmitz in Düssoldorf erhielt den 3. Preis und
50 Mark, die Arbeit „Buen retiro" von denselben
Autoren eine kleine silberne Medaille und 25 Mark. Beide
Lösungen waren ziemlich ähnlich. Die Verfasser hatten
sich ein Gebäude im Rokokostil konstruiert und deshalb die
regelmäfsige Partie vor dem Hause in den Formen des
französischen Stiles durchgeführt. Besonders gefiel mir die
Partie vor dem Hause bei „Dornröschen" hinsichtlich ihrer
grofsen Anordnung. Die Details reichten nicht an die
französischen Muster, auch vermifste ich die jedes historisch
französische Parterre umschliefsende Rabatte, welche die
zierlichen Muster rahmen artig zusammenfassen mufs. Auf
der Rückseite des Hauses war der Versuch gemacht, in
einem abgeschlossenen Gärtchen die modern englische
Dekorationsweise auf die Gartenkunst zu übertragen. Ob
mit grofsem Erfolg, bleibe dahingestellt. Ebenso hätten
meines Erachtens die Details des Parterres bei „Buen
loading ...