Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

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eigneten sich wohl Bauwerke, aber doch nur solche, die selbst
künstlerisch wirkten, und nicht die glatte, glitzernde Glas-
wand eines Gewächshauses, das architektonisch doch im
Grunde nichts weiter sei als ein Kasten. Das Ärgste aber
was in dieser Hinsicht geleistet sei, bilde ein in einem Berliner
Blatt enthaltener Angriff von R. Begas auf die Berliner
Gartenkünstler. In diesem Angriffe verwahrte sich der
Schöpfer des Kaiser Wilhelm-Denkrupls gegen den „Berliner
Baumkultus", der Bauwerke und Denkmäler dem Blicke ent-
ziehe. Die alten Hellenen hätten niemals eine derartige
Barberei begangen, und er, der Verfasser, schätze sich glücklich,
dals der Berliner Baumkultus seinem Werke, dem National-
denkmal, nichts anhaben könne. Zur Kennzeichnung dieses
Baumkultus bezog er sich auf die Technische Hochschule und
das Schinkel-Museum. Das zeuge doch von einer völligen Un-
kenntnis der Verhältnisse. Einmal habe es gar nicht in der
Macht des Gärtners gelegen, die Bäume, die jene Bauwerke
verdecken (und die zudem weit älter sind als die Bauwerke),
zu beseitigen. Da habe man sich einem höhern Willen fügen
müssen. Andererseits bilde Baum wuchs und Gartenschmuck
überhaupt meist gerade den besten Hintergrund, die passendste
Umrahmung für Werke der bildnerischen Kunst. Wie schön
und reizvoll hebe sich z. B. weifser Marmor gegen umgebendes
Grün ab. Natürlich müsse die betreffende Schmuckanlage
verständig bemessen, künstlerisch wie das Denkmal selbst ent-
worfen und ausgeführt sein. Gerade von Architekten sei
hierbei dem Landschaftsgärtner leider nur zu oft ins Handwerk
gepfuscht worden. Der Gärtner verbanne auch keineswegs,
wie ihm vorgewerfen werde, Bildwerke aus seinen Anlagen,
begünstige im Gegenteil ihre Aufstellung und wehre sich nur
gegen ihr Übermafs — wie es z. B. bei der Schöneberger
Konkurrenz vielfach zu Tage trete. Solle etwas Gutes bei
derartigen Anlagen herauskommen, so müsse der Architekt
mit dem Gartenkünstler Hand in Hand gehen, nicht aber
glauben, ohne ihn fertig werden zu können. Vortragender
gab sodann eine Reihe von Gesichtspunkten für die Be-
pfianzung von Stralsen und Plätzen. Die lebhafte Erörterung,
die dem Vortrag folgte, beschäftigte sich auch mit den jetzt
im Tiergarten vorgenommenen Ausrichtungen.

Wettbewerb in Düsseldorf. In Betreff der Vorstellung
des Vorstandes des Vereins deutscher Gartenkünstler (siehe
Heft II, Seite 37 d. Zeitschr.) wegen Erhöhung der Preise geht
uns noch kurz vor Drucklegung dieser No. aus zuverlässiger
Quelle die Nachricht zu, dafs in der kürzlich abgehaltenen
Konferenz der Friedhofs-Kommission eine Erhöhung der Preise
abgelehnt worden ist. D. Red.

Bücherschau.

Bericht der Kgl. Lehranstalt für Obst-, Wein- und
Gartenbau zu Geisenhein a. Rhein für das Etatsjahr 1897/98
erstattet von dem Direktor R. Göthe. Kgl. Landesökonomierat.

Wie alljährlich enthält der diesmalige Bericht auch
wieder eine Reihe neuer Versuche und Beobachtungen, vor-
zugsweise auf dem Gebiete- des Obst- und Weinbaues. Sehr
interessant sind die Beobachtungen über das Wurzelwachs-
tum verschiedener Obstarten und die daraus sich ergebenden
Resultate für die Behandlung derselben.

Den Gartenkünstler dürften folgende Pflanzeuzusammen-
stellungen bei der Bepflanzung von Blumenbeeten, die in dem

Berichte als erprobt erwähnt werden, interessieren: Knollen-
begonien mit Acacia lophanta speciosa in leichter Zusammen-
stellung und einem Untergrund von Mesembrianthemum cordi-
folium fol-var., Salvia splendens mit Gladiolen in unregelmäfsiger
Zusammenstellung und einer scharfen Einfassung von Cineraria
maritima und Lobelien.

AuchDüngungsversuche mit Rasenflächen wurden angestellt
und hat sich gezeigt, dafs man mit Blutmehl, während der
Sommerzeit in gröfseren Mengen verwendet, sehr günstige Er-
folge erzielen kann; dasselbe lasse sich sehr gleichmäfsig ver-
teilen und zeige schon nach einigen Tagen seine Wirkung, die
sich auf längere Zeit erstrecke.

Zu bogrül'sen ist die Mitteilung, dafs eine Reihe von
Düngungsversuchen mit Obstbäumen und Reben eingeleitet
ist, über deren Resultate später berichtet werden soll. Es ist
hier noch ein groi'ses Eeld zu beackern, wozu die pomologischen
Lehrinstitute in erster Linie berufen sind.

Um diese Jahresberichte dem Studium besser zugänglich
zu machen, möchten wir die Beigabe eines alphabetischen
Sachregisters empfehlen. E. C.

Fragen und Antworten

Frage. Welche Arten des Rasehkantenschutzes haben sich
bislang in öffentlichen Anlagen hinsichtlich der Zweckmäl'sigkeit
wie auch der Schönheit bewährt? Wo und zu welchen Preisen
ist das nötige Material zu haben? W. Singer-Kissingen.

Frage. In der Nähe von Reval (Estland) verlieren seit
einigen Jahren im Winter die Nadeln der gemeinen Kiefer, Pinus
silvestris, ihre grüne Farbe und werden gelb. Der Boden ist
wenig humusreich, stellenweise steinig, während das Klima
ziemlich veränderlich, bald rauh, bald milde ist, sowohl an
gegen Winde geschützten wie an ungeschützten Stellen. Ich
gestatte mir die Anfrage, ob anderwärts schon ähnliche
Beobachtungen gemacht worden sind und was event. als Ur-
sache angegeben werden kann.

A. Treuberg, Piera b. Reval (Estland).

Beantwortung der Frage in No. 2 dieser Zeitschrift.
Betreffs der Vertilgung der Algenvegetation in
stehenden Gewässern dürfte vielleicht Folgendes beachtens-
wert sein. Teiche, welche nur durch Drainage gespeist
werden, erhalten in der trockneren Sommerzeit gelegentlich
wochenlang gar keinen neuen Zuflui's. Gleichzeitig mit einer
gewissen Überwärmung des Wassers tritt dann sofort üppigste
Algenvegetation auf. Das einfachste und zugleich erstaunlich
wirksame Mittel ist dann, die Einrichtung wenn auch noch
so geringen Zu- und Abflusses, so dafs ein stetiger Wasser-
wechsel, ein gewisser dauernder Strom stattfindet. Wenige
Kubikmeter Wasserwechsel pro Tag genügen und werden
auch den Fischen gut bekommen. Eine Fontäne liefert dieses
Mittel am besten und in hübschester Form. Gleichzeitig ver-
meide man eine überschüssige Fütterung der Fische, da be-
sonders Fleischfutter sehr leicht Algenbildung hervorruft.

F. Ledien, Dresden.

Bezüglich der Frage in No. 2 (Seite 39) der „Garten-
kunst" nach einem Mittel zur Beseitigung der Algen auf
Teichen sei erwähnt, dals als bestes Mittel sich stets die
Schwäne bewährt haben. Auf Teichen mit stehendem oder
schwach zufliefsendem Wasser bilden sich Algen sehr schnell
Bei Teichanlagen, welche mit Stau- oder Grundwasser sich
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