Die Gartenkunst — 1.1899

Page: 169
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/gartenkunst1899/0183
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
I, 10 DIE GAETENKUNST

169

Parkanlagen.

Die Parkanlage der höheren Forstlehranstalt
zu Mährisch * Weifskirchen.

Entworfen von Karl Fritz, Königlicher Gartenverwalter,
Potsdam.
(Hierzu der Plan Seite 171.)

Die im Jahre 1852 vom mährisch-schlesischen Porst-
schulverein zu Aussee-Eulenberg gegründete und 1896 nach
Mährisch-Weifskirchen verlegte und den Anforderungen
der Neuzeit gemäfs neu erbaute höhere Porstlehranstalt ist
auf einer Anhöhe östlich von der an Naturschönheiten
reichen Stadt unweit der Bahnstation gelegen. Gegen
Westen bietet sich vom Anstaltsgebäude aus über den Park
und die Stadt hinweg ein Fernblick in die liebliche Thal-
ebene der Becwa, welche von den bewaldeten Ausläufern
der Sudeten und mährischen .Karpathen umrahmt wird.
Gegen Osten, Norden und Westen treten die Porste der
Fürstlich Hatzfeldtschen Besitzungen mehr oder weniger nah
an das Terrain der Lehranstalt heran und geben Gelegen-
heit zu forstfachlichen Instruktionen.

Der gröfsere, sich hauptsächlich auf dem ziemlich
steilen Westabhange ausdehnende Teil des zur Lehranstalt
gehörigen Terrains wurde für ein forstliches Arboretum be-
stimmt, welches den Charakter einer Parkanlage tragen
sollte. Der Vorstand der höheren Porstlehranstalt wandte
sich daher mit dem Ersuchen um einen Entwurf an die
dortige Fürstlich Liechtensteinsche Gartendirektion, welche
mich mit dieser Aufgabe betraute. Der leitende Gedanke
bei der Ausarbeitung dieses Entwurfes war, die Gehölze,
wie es verlangt wurde, möglichst nach Familien geordnet
zusammenzubringen, die dadurch hervorgerufene Gleich-
förmigkeit einigermafsen durch Zwischen- und Verpflan-
zungen mit anderen Gehölzen zu mildern, zwischen den
einzelnen Arten Ubergänge zu schaffen und die mit Namen-
tafeln versehenen Hauptarten möglichst von den Wegen aus
frei hervortreten zu lassen. Die Vertreter der Berge sind
mehr auf der Höhe des Parkterrains verteilt und zwar zu-
nächst im Anschlufs an die erwähnten Forste Coniferen,
Buchen und Eichen. Auch der vor der Haupti'ront des
Gebäudes gelegene, einfach gehaltene Vorgarten enthält in
den Kreisen feinere Coniferen. Als Einfassung für die sich
um eine Abies Nordmanniana legenden Rabattenstückchen im
Mittelkreise sind Thuya occidentalis erieoides gedacht,
während die Rabatten auf den Seitenteilen im Rasen liegen
und Monatsrosen enthalten sollen. Die kleine Schmuck-
anlage vor der Parkfront wurde nicht ausgeführt. Für die
Wegeführung war zur möglichsten Ersparung von Erd-
bewegungen die natürliche Lage des Terrains einerseits,
andrerseits der Umstand mafsgebend, dafs man möglichst
viel Gehölze von den Wegen aus betrachten konnte.

Die eingangs erwähnte Hauptaussicht von der West-
seite des Gebäudes aus wurde berücksichtigt, weshalb die

Die Gartenkunst.

in dieser Richtung liegenden Grenzpflanzungen nicht zu
hoch werdende Bäume enthalten.

Das ganze Terrain der Lehranstalt ist mit einem Draht-
zaun umgeben, gegen welchen verschiedene Heckengehölze
angepflanzt wurden.

Dieses parkartige Arboretum ist bereits zum gröfsten
Teile nach vorliegendem Entwürfe fertiggestellt, jedoch sind
vorläufig unter dem Schutze schnellwachsender Bäume
teilweise nur vier- bis sechsjährige Sämlinge ausgesetzt
worden. Laut Bericht des Schuljahres 1896/97 der Lehr-
anstalt enthält die Gehölzsammlung alle in den österreichi-
schen Wäldern wildwachsenden Bäume und Sträucher und
alle in Mitteleuropa winterharten Forstkulturgewächse der
alten und neuen Welt, von welchen bisher in einem oder
mehreren Exemplaren angepflanzt wurden:

9 Arten einheimischer Coniferen,
19 „ fremdländischer „
47 „ einheimischer Laubhölzer,
19 „ fremdländischer „
zusammen: 94 Arten.

Die auf dem Plane mit römischen Zahlen bezeichneten
Gruppen enthalten in:

I. Coniferen, wovon die Hauptmassen aus ein-
heimischen Waldbäumen bestehen, während
die fremdländischen im Vordergrunde stehen.
II. Eichen, Hauptmasse. Qu.pedunculata undCerris.

III. Buchen.

IV. Aceraceae.

V. Tiliaceae.

VI. Ulmaceae.
VII. Betulaceae.

VIII. Salicaceae.

IX. Oleaceae (zumeist Fraxinus excelsior).

X. Pomaceae.
XL Platanaceae.
XII. Papilionaceae.

XIII. Rhamnaceae.

XIV. Juglandaceae.

XV. Corylaceae und einige Aesculus.

Südlich grenzt an den Park die Pflanzschule (A), welche
noch zum grofsen Teile zur Vorbereitung und Verbesserung
des Bodens mit Hackfrüchten bestellt wird, und welche
auf der 2y2 m hohen Plattform das Reservoir (R) der
städtischen Wasserleitung und die meteorologische Station
enthält. Das übrigbleibende Stück (B) neben dem Vor-
garten und dem Anstaltsgebäude ist zur Benutzung des
im Anstaltsgebäude wohnenden Direktors reserviert.
loading ...