Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

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Grotte resp. Felsanlagen kehren bei allen drei wieder, doch
passen sie, wie gesagt, nicht hierher.

Entwürfe zur Anlage einer Grotte nach gegebener Unterlage.

1. Preis für den Entwurf des Herrn J. Geibel-Selters.
Die Arbeit ist erstens gegen das Programm ausgeführt,
durfte daher bei der Prämiierung nicht in Betracht kommen.
Dann zeigt die gedachte Grottenanlage ein Stück wilder
Natur, eine Art Marmorbruch, der nie in einen Park von
der geringen Ausdehnung pafst, wie er dieser Unterlage
zu Grunde gelegt ist. Die als Mafsstab eingezeichnete
Figur beweist zur Genüge, dafs eine derartige Anlage wohl
unausführbar ist. Der kleinste Block hat etwa 2—3 cbm
Inhalt. Auch zeigt die sonstige Anlage viele widernatür-
liche Punkte. Hervorragend allein ist die flotte Ausführung.

2. Preis für den Entwurf des Herrn Gottfr. Mehler-
Hamburg. Die einzige Arbeit, die nach dem Programm
ausgeführt ist und auch sonst in jeder Beziehung in den
Rahmen der Anlage pafst. Die Anlage ist gut und zweck-
entsprechend durchdacht, ein gutes Zeichen dieser bekannten
leistungsfähigen Firma. Die Ausführung zeigt eine künst-
lerisch geschulte Hand, die allein schon den ersten Preis
verdient hätte.

3. Preis für den Entwurf der Herren Möhl & Schnitzlein-
München. Auch diese Arbeit ist gegen das Programm
ausgeführt.

Die Anlage ist auch' wohl mehr ein Wasserfall als
eine Grotte. Das gleiche ist von der letzten noch ein-
gelaufenen Arbeit zu sagen.

Sehr zu bedauern ist es, dafs die zahlreich ausgestellten
Schülerarbeiten von seiten des Preisgerichtes keine Be-
rücksichtigung erfahren haben, zumal recht ansehnliche
Preise zur Verfügung standen. Besonders verdient die
Gärtner-Lehranstalt Oranienburg lobend erwähnt zu werden.
Die äufserst sauber und genau ausgeführten Pläne legen
ein beredtes Zeugnis von der tüchtigen Lehrkraft, wie von
dem Streben der Schüler ab. . Ein frohes Glück auf und
weiteres kräftiges Gedeihen dieser jungen Pflegestätte des
Gartenbaues!

Mit Recht kann man behaupten, dafs die Planausstellung
den Kernpunkt der gesamten Ausstellung bildete. Hier
war die gröfste Mühe und Arbeit aufgehäuft. Der Haupt-
verdienst für das Zustandekommen der Planausstellung,
wie die reiche Beschickung derselben gebührt Herrn Stadt-
gärtnerC. Schmidt-Dortmund. Da kann man es nur bedauern,
dafs diese Abteilung der Ausstellung von Seiten des zu-
ständigen Preisgerichtes so stiefmütterlich behandelt ist.
Der Verein deutscher Gartenkünstler mufs dahin trachten,
dafs derartige Prämiierungen in Zukunft aufhören.

Unterrichtswesen.

Die Behandlung des dendrologischen Unterrichtes an
Gärtner-Lehranstalten.

Von A(l. Stiitillg, Gartenbaulehrer zu Köstritz.
Durch den interessanten Aufsatz des Herrn H. Fritz,

„Lehrmittel für den Unterricht in der Dendrologie auf
Gärtner-Lehranstalten", in No. 4 dieser Zeitschrift, veranlafst,
erlaube ich mir, noch einige kurze Erläuterungen über die
Behandlung des dendrologischen Unterrichts zur weiteren
Klärung dieser so sehr wichtigen Frage zu erwähnen.

Die Fragen, welche wir hierbei aufstellen müssen, be-
treffen erstens das Lehrziel und zweitens die Lehrform.

Das Lehrziel im dendrologischen Unterrichte an einer
Gartenbauschule oder Gärtner-Lehranstalt soll dahin gehen,
dafs der Schüler sich eine genaue Kenntnis der Gehölze
in Bezug auf ihre Verwendung in der Gärtnerei, speziell
in der Landschaftsgärtnerei, aneignet. Er soll wissen, wie
ein Gehölz sich aufbaut, wie der Habitus desselben sich
in höherem Alter gestaltet, welche Ansprüche es in Be-
ziehung auf Boden, Klima und Lage macht. Ferner aber
soll der Schüler auch die Vermehrung der Gehölze und
die besonderen Ansprüche kennen, welche die Kultur der-
selben erfordert. Darüber hinaus noch speziell auf das
botanische Gebiet einzugehen, ist wohl meistens schon mit
Rücksicht auf die dem Gegenstande zugemessene Zeit nicht
möglieh und auch kaum nötig, wenn der botanische Unter-
richt in fachmännischen Händen ist. Der Gärtner, welcher
Botanik lehrt, wird sicher gern die Gelegenheit benutzen,
den Unterricht in der Systematik für seine Schüler dadurch
interessanter zu gestalten, dafs er bei der Besprechung
der Familien seine Beispiele mit Vorliebe unter den Kultur-
gewächsen, also auch den Gehölzen, auswählt und dann
näher auf ihre botanischen Merkmale eingeht.

Hierbei möchte ich noch erwähnen, dafs die meisten
unserer dendrologischen Werke zu viel auf die botanischen
Merkmale unserer Gehölze eingehen, dagegen gerade das,
was dem praktischen Gärtner von Nutzen sein kann, was
er wissen mufs, leider etwas stiefmütterlich behandeln.

Fest im Auge zu behalten ist aber selbstverständlich
der Hauptzweck aller Erziehung, auch der fachlichen, dafs
die sittliche Bildung des Willens der Schüler das Endziel
sein mufs, und damit kommen wir zu den Mitteln, welche
uns dabei zu Gebote stehen, zu den Lehrformen.

Wohl in fast allen gärtnerischen Fachschulen ist die
akroamatische Lehrform mit anschliefsendem Diktat, oder
bei vorgeschrittenen Schülern die Ausarbeitung des Vor-
getragenen durch dieselben eingeführt. Hier und da wird
diese Lehrform noch durch katechetische und heuristische
Lehrformen, deren völlige Berechtigung wohl anerkannt
werden mufs, unterstützt. Besonders im dendrologischen
Unterrichte wird ein Vorzeigen von Pflanzenteilen geeignet
sein, das Interesse der Schüler wach zu erhalten. Meiner
Ansicht nach ist es aber wichtiger, die Gelegenheiten,
welche sich bei gemeinschaftlichen Exkursionen und Spazier-
gängen bieten, den Schülern interessante Gehölze in ihrer
Ganzheit und in ihrer Umgebung zu zeigen, gehörig wahr-
zunehmen. Gerade hier finden wir die besten Lehrobjekte,
zugleich auch die schönsten und effektvollsten Kontraste
in der Gehölzgruppierung, speziell was Belaubung und
Habitus anbelangt.

Was die Vorschläge des Herrn Fritz, Gehölzsammlungen
für den dendrologischen Unterricht in umfangreichem
Mafse herzustellen, anbelangt, so bin ich der Meinung, dafs
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