Die Gartenkunst — 1.1899

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220 DIE GARTENKUNST I, 12

her eingebracht, die sich bald durch Sprossung fortpflanzten.
Eine geschlechtliche Portpflanzung der Azolla findet in
Europa nicht statt, da keimfähige Sporen in Europa nie
gebildet wurden. Dafs nun diese Pflanze durch fortgesetzte
vegetative Portpflanzung geschwächt sein sollte, das kann
kein Mensch behaupten, der einmal das ungeheuer schnelle
Wachstum der Azolla beobachtete. Ein noch bekannteres
Beispiel giebt uns Blodea canadensis. Zum erstenmale
kam diese Pflanze 1836 nach Europa. Nach Auspflanzung
einiger nordamorikanischer Wasserpflanzen in einem Teiche
Hollands zeigten sich einige Spröfschen. Schon 1841—54
war sie in Holland dermafsen verbreitet, dafs sie überall
hinderlich wurde und den Namen Wasserpest erhielt. Da-
durch aufmerksam gemacht, liefs 1854 ein Berliner Bota-
niker die Pflanze zur Untersuchung kommen und 3 Jahre
später hatte sie bei Potsdam festen Pufs gefafst. 1861
waren die Havelseen in grüne Wiesen umgewandelt. So
füllte sie die Spree, die Kanäle, kam in die Oder und Elbe
bis nach Hamburg hinunter. Fast über ganz Deutschland
hatte sie sich im Nu verbreitet und viel Mühe hat es ge-
kostet, sie wieder zu beseitigen. Die Elodea vermehrt sich
durch Sprossung, durch Bildung von Winterknospen. Bei
uns vermag sie keinen Samen zu bilden, da nur weibliche
Pflanzen vorhanden sind, die männlichen fehlen in Europa.
Wie kann man bei einer solch enormen Verbreitung einer
Pflanze von Schwächung reden? Und wie ist es mit einer
Anzahl von Ziergewächsen, Bäumen, Sträuchern, Flor-
blumon, Teppichbeetpflanzen etc., die wir jahraus, jahrein
nur vegetativ fortpflanzen? Und wie steht es zu guter-
letzt mit dem Weinstock'' Wie hinge Zeit hindurch mufs
dieser sich vegetativ fortpflanzen? Dabei kann von einer
Schwächung dos Weinstocks nicht die Rede sein, im
Gegenteil, der Weinstock hat immer noch die Kraft, sich
zu erhalten nicht nur, sondern sich noch zu veredeln und zu
vervollkommnen. Wenn der lange Zeit hindurch vegetativ
fortgepflanzte Weinstock noch imstande ist, auf geschlecht-,
lichem Wege eine edlere Nachkommenschaft zu erzeugen,
so kann von einer organischen Schwächung doch wohl
nicht dio Rede sein.

So komme ich denn zum Schlufs. .Also der Weinstock,
der nur vegetativ fortgepflanzt wird, so will ich behaupten,
soll nicht organisch geschwächt sein. Wie reimt sich das
aber mit dem ständigen Rückgang des Weinbaues in vielen
Gegenden? Dio Thüringer Berge, besonders die von Jena,
die mir am besten bekannt sind, dienten einst dem Wein-
bau, und heute? Es wäre ein Segen, wenn alle Weinstöcke
mit Stumpf und Stil ausgerottet würden, denn einen ein-
zigen gesunden Stock habe ich dort nicht gesehen, wie
sehr ich auch darnach suchte. Es wäre thöricht, wenn
man anders behaupten wollte, als dafs der Wein stock in
jenen Gegenden ganz gewaltig zurückgeht. Dieser Rück-
gang ist nichts anderes als eine Folge der organischen
Schwächung. Und was ist der Grund dieser Schwächung?
Nicht die dauernd vegetative Fortpflanzung. In erster Linie
ist wohl der Boden erschöpft, Wechselkultur und Düngung,
das einzige, was auf die Dauer eine derartige Kultur er-
halten kann, sind hier unbekannte Dinge. Es werden nach
und nach die Pflanzen immer mehr geschwächt und da-

durch immer weniger widerstandsfähig gegen äufsore Ein-
flüsse, wie Krankheiten, dio sich bei dem heutigen Verkehr
der Völker untereinander von Tag zu Tag mehren und die
geschwächten Organismen gar bald zerstören. Sind die
Pflanzen gesund, stark und kräftig, so widerstehen
sie den Krankheiten. Dasselbe thun ebenso die Pappeln.
Doch sie sind nicht stark und kräftig im deutschen Klima.
Sie sind Kinder des Südens, die sich einige Zeit hier wohl
zu fühlen schienen, sie liefsen jedoch bald nach. Sie waren
nicht stark genug, den äufseren Einflüssen zu trotzen,
denen sie nach und nach erlagen. Insbesondere ist es
eine Pilzkrankheit, die das Dürrwerden der Äste erzeugte,
der sie erliegen.

Ob nun die Fortpflanzung eine vegetative oder eine
geschlechtliche gewesen, das ist nebensächlicher Art. Auch
bei einer geschlechtlichen Fortpflanzung wären dio Pyra-
midenpappeln ihren Feinden erlegen. Eine andere Auf-
fassung ist auf Grund obiger Ausführung schlechterdings
unmöglich.

Preisbewerbungen.

Bericht über die Planausstelluug der Gartenbau-Aus-
stellung lür Westfalen und die Fürstentümer Lippe zu
Dortmund vom 14. bis 24. September 18!(9.

Von Walther Kiel, Dortmund.

(Schluss)

Entwürfe zur Anlas« eines Rosariums nach gegebener Unterlage.

1. Preis für den Entwurf der Herren Möhl & Schnitzlein-
München. Die Arbeit zeigt eine gute übersichtliche Glie-
derung, doch ist_ gegen das Programm verstofsen, da die
bestehenden Alleen teilweise verlegt sind.

2. Preis für den Entwurf des Herrn B.Lipovsky-Dortmund.
Auch hier ist die Gliederung übersichtlich und gut durch-
dacht,

3. Preis für den Entwurf des Herrn F. W. Begas-
Kelsterbach, Main. Dio Einteilung ist unschön. Die Flächen
sind zu wenig reich behandelt, zumal das Rosarium am
Haupteingang eines vornehmen Parkes gedacht ist. Die
spitz auslaufenden Flächen sind mindestens unpraktisch.
Die weiteren nur in geringer Zahl eingelaufenen Arbeiten
sind wenig beachtenswert.

Entwürfe zur Anlage eines kleinen Hausgartens nach gegebener
Unterlage.

1. Preis für den Entwurf des Herrn C. Hirsch-Geisen-
heim. Die Aufgabe ist gut gelöst, die Ausführung sehr
sauber.

2. Preis für don Entwurf des Herrn G. Schranke-Berlin.
Die Aufgabe ist gut gelöst, bis auf die vorgesehene Grotte,
die in ihrer kleinen Ausführung nur spielerisch wirken kann.

3. Preis für den Entwurf des Herrn C. Decker-Dortmund.
Auch hier pafst die Grotte nicht in den Rahmen des kleinen
Gartens, sonst ist die1 Aufgabe gut gelöst. Die übrigen
drei eingelaufenen Entwürfe sind wenig beachtenswert, Die
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