Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

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des Gartens einen breiten Umgangsweg in schlanken Kurven
geführt, der hauptsächlich wieder die verschiedenartigen origi-
nellen Tierhausbauten verbindet und so namentlich den Be-
suchern eine leichtere Orientierang ermöglicht, die ein zoolo-
gisches Interesse hierhergeführt, was auch nicht immer der
Fall sein soll. Mit Genugthuung konnte man auch wahr-
nehmen, dafs man, wie bisher den Löwen, Katzen, Affen,
neuerdings auch einen Kinderzwinger geschaffen, der die
kreischende Jugend 'unter weinberankter Pergola auf einem
geräumigen Tummelplatz an der Gartengrenze vereinigt. Ein
besonderes Interesse erregte uns der in Ausführung begriffene
Felsenbau für die Gemsen, der, in stattlichen Dimensionen ge-
halten, mit grofsem G eschick von einfachen Maurern aus Kalk-
steinen und Cement errichtet wird. Als Vorbild dient den
Bauleuten ein vom Bildhauer Moritz Lehmann trefflich kom-
poniertes kleines Gypsmodell. Auch die lauschig unter schat-
tigen Eichenbäumen errichtete Waldschenke, die fern vom lauten
Getriebe in einem stillen Winkel Platz gefunden, fand allseitige
Bewunderung. Das Material hierzu gaben die bei der Ab-
holzung gewonnenen Baumstämme her, welche man sehr glück-
lich zu laubenartigen Hallen verarbeitet hat.

Nachdem noch der aufserordentliche Effekt konstatiert
wurde, den der Turm der Gedächtniskirche im Rahmen der
Baumkronen von einer bestimmten Stelle im Garten hervor-
brachte, welche Wirkung einem der Imposantesten unter den
anwesenden Gartenkünstlern die Vermutung nahelegte, dafs
man den Turm seinerzeit wohl gerade in Bücksicht auf die
vorhandene reizvolle Konturenlinie der deutschen Eichen an
dieser Stelle plaziert habe, versammelte man sich auf der hoch-
gelegenen Terrasse, um den aul'serordentlich interessanten
Bundgang bei einem Glase Bier anregend zu beschliefsen, um-
rauscht von den Klängen der banda municipale di Como. Mit
hohem Interesse verfolgten wir da auch die Erläuterungen,
welche Herr Gartendirektor Geitner uns über seine weiteren
Lichtungsprojekte im Tiergarten gab. Es ist bekannt, mit
welchem Jubel man allseitig in Fachkreisen die ersten Aus-
holzungen im vorigen Jahre begrüfste, wurde uns doch klar,
dafs endlich auch für den Tiergarten ein neuer Tag ange-
brochen sei, der zu den schönsten Perspektiven berechtigt, die
man bei weiter fortgesetzten Ausholzungen gewinnen mag.
Jetzt ist ein neuer Morgen geworden, doch schöner noch ver-
spricht der Abend zu werden. Denn auch auf dem Königs-
platz wird dem Reichstagsbau sein Recht werden mit der
bevorstehenden Aufstellung des nationalen Bismarckdenkmals,
die glücklicherweise eine weitgreifende Umgestaltung der
jetzigen traumverlorenen Dornenvegetation notwendig macht.
Vielleicht haben wir demnächst das Vergnügen, die jetzt nur
angedeuteten gärtnerischen Projekte des Herrn Direktor Geitner
für diesen vornehmsten Repräsentationsplatz Berlins bildlich
in unserer „Gartenkunst" einem weiteren Kreise bekannt ge-
geben zu sehen.

Paul Klawun, Landschaftsgärtner, Gr.-Lichterfelde.

Bücherschau.

Gebrüder Siesmayer, Gartenarchitekten zu Frank-
furt a. M., Bockenheim und Vilbel, übersandten uns ihren
neuesten Katalog für Landschaftsgärtnerei, ein Kunstwerk
eigener Art.

Dasselbe enthält 27 Blatt mit Plänen selbstausgeführter
Villengärten, Park- und Kuranlagen gröfseren und geringeren
Umfanges nebst bildlichen Darstellungen in denselben herge-
stellter Lauben, Brücken, Wasserfälle, Springbrunnen, Sitz-
plätze, Blumenbeete, ferner Ansichten einzelner Scenerien aus
den verschiedensten Gartenanlagen. Alles zwanglos aneinander
gereiht und durch Wappen, Dekorationspflanzen, Blumenge-
winde, Motive aus demVogelleben etc. in gefälliger, ansprechender
Weise geschmückt.

Mit vielem Interesse haben wir Kenntnis genommen von
den einzelnen Blättern, die in ihrer mustergültigen Ausführung
— besonders erwähnt mögen hier sein die Wintergarten-Deko-
rationen bei der Freifrau von Knoop in Wiesbaden und bei
der Frau Merton in Frankfurt a. M. — nur zu geeignet sind,
Zeugnis abzulegen von den weltbekannten Leistungen genannter
Firma und sie auch fernerhin aufs beste zu empfehlen.

A. Fintelmann.

Fragen und Antworten.

Beantwortung der Frage Seite 168. Zwei Wasser-
leitungen, eine Trinkwasser- und eine Flulswasserleitung, be-
sitzt die Stadt Hannover. Erstere seit 1878 im Betrieb, ent-
nimmt ihr Wasser in der Ricklinger Feldmark dem Grunde,
drückt es in einen Hochbehälter und versorgt damit die beiden
Städte Hannover und Linden. Sie fördert täglich etwa 20000cbm.
Dies Wasser wurde bislang für alle Zwecke benutzt und kostet
je nach dem Verbrauchsquantum p. cbm 17 —20 Pfennige (früher
18 Pf.).

Zur Entlastung dieser Leitung ist in den letzten Jahren
die schon lange bestehende aber nur sehr wenig benutzte
FlufsWasserleitung erneuert und zeitgemäfs eingerichtet
worden. Dieses neue Wasserwerk pumpt durch Wasserkraft
mit 3 Turbinen unfiltriertes Leinewasser teils direkt in die
Rohrleitungen, teils in einen als Turm ausgebauten Hochbe-
hälter, von wo es sich dann in die Rohrleitungen verteilt oder
bei geringem Verbrauch wieder in die Leine hinunterfällt
Die durchschnittliche Förderung pro Tag wird augenblicklich
auf 8000 cbm angegeben. Das Wasser wird in der Hauptsache
zur Stralsensprengung, Bewässerung von öffentlichen Anlagen
und Alleen sowie Privatgärten, Speisung von Fontänen und
Teichanlagen und für industrielle Zwecke, soweit es eben dazu
geeignet ist, verwandt. Da die Leine namentlich bei Regen-
wetter recht schmutziges, lehmiges Wasser führt, so wird es
in diesem Zustand in die Leitungen und wieder an das Tages-
licht befördert, was für Fontänen und sonstige Wasserkünste
nicht gerade vorteilhaft ist.

Als Besprengwasser für gärtnerische Anlagen haben
sich bis zur Zeit noch keine Nachteile, die etwa eine Folge
des zeitweiligen schmutzigen Zustandes hätten sein können,
gezeigt.

AVenn auch die Zeit noch allzu kurz ist, um ein end-
gültiges Urteil abgeben zu können, so scheint dennoch dieses
Wasser von recht günstigem Einflufs auf die Vegetation zu
sein, da der Rasen in unseren Anlagen in diesem Sommer
trotz der anhaltenden Dürre ein recht gutes Aussehen behalten
hat, wie es in früheren Jahren wohl kaum der Fall gewesen ist.
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