Die Gartenkunst — 1.1899

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114 DIE GARTENKUNST I, 6

Die Bestimmung: „Die Arbeiten sind in einer ,Mappe'
einzureichen, wäre wohl praktischer dahin abzuändern, dafs es
heilst: In einer ,Mappe oder einem Tubus'", denn die
Mappen mül'sten von solchen Dimensionen sein, dafs sie
kaum durch die Post zu befördern wären.

Hoffentlich tragen diese Ausführungen dazu bei, dafs die
mit den „Grundsätzen für das Verfahren bei öffentlichen Wett-
bewerbungen" nicht zu vereinbarenden Bestimmungen noch
in letzter Stunde geändert werden und das endgiltigo Pro-
gramm in der veränderten Form bald der Oeffentlichkeit über-
geben werden kann. — Die Zeit drängt. 0. Schulze.

Verschiedenes.

Als ein Zeichen der Wertschätzung deutscher Garten-
kunst in England wird uns von Herrn Brodersen mit
Bezug auf seine Skizze „über englische Gärten" in diesem
Hefte folgendes mitgeteilt: Die Firma Th. S.Ware in Totten-
ham-London legt in ihrem Stauden-Katalog dieses Jahres als
Reklamoblatt die Kopie des Planes der Taf. XXIII aus
G. Meyers „Lehrbuch der schönen Gartenkunst" bei. Um den
Plan nicht sogleich als ein fremdes Werk erscheinen zu lassen,
sind die Gruppen in anderer Manier, wie auf dem Original
gezeichnet, ohne den Plan sonst irgendwie zu verändern.

Dem Drillingsheizkessel „Sonne" des Handelsgärtners
Emil Dietze in Steglitz ist das Wertzeugnis des Verbandes
der Handelsgärtner Deutschlands besonders in Anbetracht des
geringen Heizmaterialverbrauchs bei einer grofsen Heizkraft
des Kessels erteilt worden.

Vereinsberichte.

Verein Deutscher Kartenkünstler.

Niederschrift der Sitzung vom 8. Mai 1899.
Der erste Vorsitzende, Herr Stadtgarteninspektor Pintel-
mann, eröffnet die zahlreich besuchte Versammlung, und
macht, nachdem die Niederschrift vom 9. April genehmigt und
die satzungsgemäfse Aufnahme und Anmeldung neuer Mit-
glieder erledigt, die Mitteilung, dafs der Vorstand beschlossen
habe, von einer Veröffentlichung der im Wettbewerb „Süd-
westfriedhof zu Düsseldorf" prämiierten bezw. angekauften
Pläne Abstand zu nehmen, weil die vom Vereine bei der
Düsseldorfer Behörde beantragte Erhöhung der Preise, Ver-
mehrung der Zahl der Preisrichter durch einige Fachleute,
sowie das Ersuchen um Ausstellung aller im Preisausschreiben
eingegangenen Arbeiten ohne Angabe von Gründen abgelehnt
worden seien. Gerade in den letzten Punkten erblicke der Vor-
stand ein rücksichtsloses Vorgehen gegen die mit Preisen
nicht bedachten Teilnehmer am Wettbewerb, das jeder Recht-
fertigung entbehrt, und eine Nichtachtung der Gartenkunst
und gartenkünstlerischen Wettbewerbe, die für die Düssel-
dorfer Behörde sehr kennzeichnend*) sei. Alsdann wird auf

*) Als weitere Illustration dürfte es interessant sein, zu erfahren,
dafs bis heute, den 10. Mai, viele Teilnehmer noch nicht im Besitze ihrer
Arbeiten sind. Wo befinden sieh die Pläne, wenn dieselben nicht aus-
gestellt sind? Der Vorstand.

das in der Versammlung ausliegende Buch „Die Orchidaceen
Deutschlands, Österreichs und der Schweiz", bearbeitet von
Max Schulze und verlegt von Friedrich von Zeschwitz in
Gera, das die Beschreibungen und Abbildungen sämtlicher in
den genannten Gebieten wild wachsenden Orchideen enthält,
aufmerksam gemacht und dasselbe zum Ankauf empfohlen.

Desgleichen wird auf die im Vereinsorgan, rezensierten
Bücher, die auf dem Tische ausliegen, hingewiesen.

Nunmehr giebt der Schriftführer die Tagesordnung für die
am 8., 9. und 10. Juli zu Mannheim stattfindende Haupt-
versammlung bekannt (siehe Umschlag) und fügt hinzu, dafs
während der Dauer der Versammlung seitens der Mannheimer
Stadtbehörde eine Ausstellung von Plänen öffentlicher Park-
und Platzanlagen geplant sei und alle gröfseren Stadtver-
waltungen um Beteiligung gebeten worden seien. Mit grofser
Befriedigung konnte gleichzeitig mitgeteilt werden, dafs viele
Städte, so auch Berlin, bereits in entgegenkommender Weise
zugesagt hätten.

Es gelangt sodann das von Herrn Stadtgartendirektor Grube-
Aachen aufgestellte Baumverzeichnis (s. Seite 115) zur Ver-
lesung. In dem sich hieran anschliefsenden Meinungsaustausch
wird von Herrn Rohlfs-Grofs-Lichterfelde empfohlen, Tilia
ulmifolia wegen ihrer gar zu kleinen Blätter und da sie auch
in keiner Baumschule mehr gezogen werde, zu streichen.
Ebenso wenig sei wegen ihrer für Alleen ungeeigneten
Kronenbildung Ulmus effusa zu empfehlen. Ferner dürfte
nach hiesigen Verhältnissen Acer plat. globosum nicht in die
zweite, sondern dritte Klasse einzureihen sein. Sehr zweck-
mäfsig schien es demselben Redner zu sein, wenn eine gröl'sere
Klassifizierung unter Berücksichtigung der Gegenden, ob
Nord-, Süd- oder Mitteldeutschland, und der Bodenarten
vorgenommen würde, so eignet sich z. B. Quercus palustris
für feuchtgründige Lagen sehr gut, während im trockenen
Sandboden ihr Wachstum ein mangelhaftes sei. Demgegen-
über bittet der Schriftführer, nicht zu einer ängstlichen
Schematisierung zu schreiten. Es sei sehr schwer, schon bei
den angenommenen 4 Klassen eine strenge Unterscheidung
vorzunehmen, und soll die ganze Aufstellung nur einen un-
gefähren Anhalt für die für Strafsenpflanzungen aufzustellen-
den Regeln geben. Diese Regeln sollen auch nicht dem
Laien, sondern dem Fachmanne eine Richtschnur bieten. Herr
Clemen will auch diejenigen Baumarten berücksichtigt wissen,
die in engen und bebauten Strafsen gut gedeihen. Hier in
Berlin werde vorzugsweise Ulmus scabra Mill. (montana
With) angewendet. Es dürften sich doch aber auch noch
andere Baumarten hierzu eignen, und sei es daher sehr
wünschenswert, etwaige in dieser Beziehung gemachte Ver-
suche bezw. Erfahrungen kennen zu lernen, um das Strafsen-
bild auch nach dieser Richtung hin abwechselungsreicher zu
gestalten. Der Vorsitzende bespricht die allgemeinen Gesichts-
punkte, die zur Aufstellung dieses Verzeichnisses geführt
haben und bemerkt, dafs neben den pyramidal wachsenden
Bäumen, wie sie jetzt in einigen Städten, z. B. in Hannover,
zur Anwendung kämen, auch Acer opulifolium, die hier sehr
gut fortkommen, und Paulownien, die man in Süddeutschland
an einzelnen Stellen im herrlichsten Wachstum finde, aufzu-
führen vergessen sein. Den in dem Verzeichnis aufgeführten
Veredelungen, so z. B. der Kugelakazie, steht Herr Schlegel-
Schöneberg sehr skeptisch gegenüber, da diese nur ein mäfsiges
Alter erreichten und an den Strafsenbaum doch andere An-
forderungen wie an den Parkbaum gestellt würden. Herr
Teetzmann-Baumschulenweg schlägt vor, eine gröfsere Be-
schränkung hinsichtlich der aufgeführten Varietäten ein-
treten zu lassen. Nachdem noch die Frage der Anzucht in
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