Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

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immer neue Formen zum Zwecke künstlerischer Verwertung geworden und fristen nur noch in einigen alten Park-
Anden lassen und die Gesetze der Natur immer mehr er- anlagen für Kenner ein beschauliches Dasein,
schliefson. Bieten zwar die Blätter und Blüten einer Durch die unendlich reichhaltige Vervollkommnung
Pflanze nicht fertige, zum sofortigen Gebrauch verwendbare der zahlreichen Remontant-, Thee- und Theehybrid-Rosen
Muster, so sind sie doch in höchstem Mafse geeignet, die hat die früher gewohnte mühelosere Pracht der alten
selbstschöpferische Thätigkeit des Künstlers • anzuregen. winterharten Rosen sozusagen aufgehört und erst in letzter
Nicht nur allein die hier dargestellten Blätter und Blüten Zeit werden sie wieder hervorgesucht und neu vermehrt,
sollen als Originale gelten, sondern namentlich die unend- Durch die Verbesserung unserer Hybridrosen ist aber auch
liehe Menge der einem jeden zugänglichen, ohne besondere deren Widerstandsfähigkeit für unser Klima sehr gesunken
Mühe und Kosten zu beschaffenden Formen des Pflanzen- und die Bedeckung derselben im Winter ist ein Faktor
reichs, von denen hier nur einige wenige zum Zwecke der geworden, mit welchem sehr zu rechnen ist, trotzdem
Anschaulichmachung ausgewählt werden. Den Anfang mag bleiben nur zu oft Verluste im Frühjahr nicht erspart,
die Blüte der Kartoffel machen. Alles übrige ist aus der Die unausgesetzte Verfeinerung der Rosen in den letzten
Abbildung ersichtlich. Jahren hat es bereits soweit gebracht, dafs für viele

Gegenden eine grofse Zahl Sorten zu eigentlichen Ge-

4^ Avächshauspflanzen geworden sind, deren Blumen sich nur

Zur Stilisierung der Kartoffelblüte.

a Blütenstand, b Blüte von oben gesehen, c Seitenansicht der Blüte, d Stilisierte Formen.
Gezeichnet für die „Gartenkunst" von F. Schulz, Friedriehsberg.

Ziergehölze.

Plauderei über Winterhärte Rosen und deren Verwendung.

Von St. OlMch, Zürich V.

Ältere Gärtner erinnern sich gewifs noch ihrer Jugend-
jahre, wo man in kleinen wie gröfseren Gärten viel mehr
Rosensträucher als heute fand, die ohne jode Bedeckung
im Winter blieben und dann im Mai und Juni überaus
reichlich blühten, mochte der Winter noch so streng ge-
wesen sein. Viele der damals sehr häufig die Gärten
zierenden Sorten sind jetzt zu wirklichen Seltenheiten

noch bei ganz besonders schönem Wetter im Freien ent-
wickeln.

Bs ist nicht zu verkennen, dafs die Verfeinerung der
Rosensorten uns manch Wertvolles für Treiberei und
Schnitt geliefert hat, aber die Sorge für deren Erhaltung
unter ungünstigen Verhältnissen ist damit auch gewachsen.

In Wirklichkeit mufs die Rosonkultur im freien Lande
doch stets die Hauptsache bilden, und wir müssen uns bei
Bepflanzung der Gärten jetzt auch mehr, als es in den
letzten Jahren geschehen, denjenigen Rosensorten zuwenden,
die ohne besondere Schwierigkeiten im Freien aushalten,
d. h. uns immer mehr der Verwendung der Rosen im

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