Die Gartenkunst — 1.1899

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160 DIE GARTENKUNST I, 9

Genannte Firma hatte den Auftrag erhalten, an jener Bodenarten ist kein freudiges Wachstum zu erwarten, die

Stelle, die der Kaiser nach der Denkmalenthüllung zunächst Pflanzen kränkeln und sterben nach und nach von oben

zu passieren hatte, also beim Ausgang am Bahnhofe, eine ab. Man ist der Meinung, es sei das Klima schuld, an

mächtige Ehrenpforte in der Form eines Waldthores zu welches sie sich nicht gewöhnen können, Ist der Boden

erbauen. Wie diese Aufgabe nun künstlerisch gelöst wurde, zu leicht, wie es ja sehr häufig der Fall, so mnfs er durch

zeigt die folgende Abbildung. Das Waldthor wurde aus Lehmerde, die gut verwittert ist, und alten verrotteten

schlanken, ungeschälten Fichtenstämmen hergestellt, während Dünger verbessert werden, sonst unterlasse man lieber

die beiden Seitenflügel aus Birkenrundholz mit Borke gebildet deren Anpflanzung, die doch nicht befriedigen würde. Für

wurden. Die Höhe des gut verrotteten Dün-

Thores betrug 5 m, die
Breite der mittleren
Haupteinfahrt 6 m,
der beiden seitlichen
Eingänge je 2 m.
Das Dach war mit
Fichtenzweigen ver-
ziert ; drei durch
Guirlanden verbun-
dene Fahnenstangen
krönton dasselbe und
gaben dem Ganzen
ein lebhaftes Gepräge.
Das im Hintergrunde
zwischen den Tannen
lieblich hervorlugen-
de Häuschen ist eine
Waldhütte, verziert
mit edlen Hirschge-
weihen.

Es mufs zugestan-

ger sind die japani-
schen Ahorne über-
haupt sehr empfäng-
lich, und belege ich
noch die Kulturbeete
5 cm hoch damit, um
immer eine gleich-
mäfsige Feuchtigkeit
und Temperatur an
den Wurzeln zu er-
halten. Unter sol-
chen Umständen ent-
wickeln sich diese

herrlichen kleinen
Ziergehölze zu einem
prächtigen Schmuck
der Gärten. Die Blätter
werden grofs, die Fär-
bung intensiv und an-
dauernd, es kommt
mit einem Wort das

Sit

den werden, dafs das • „ . _ . _ richtige Leben in

Ehrenpforte m rorm eines Waldthores, _
WaldthorailSgeZeich- ausgeführt von der Firma J.Gottfried Mehler, Hamburg, gelegentlich der Enthüllung die Pflanzen, ohne

net ZU Seiner Um- ^es Kaiser Wilhelm-Denkmals von Sr. Maj. dem Kaiser am 18. Juni 1S98 in Altona. Welches sie einen

gebung pafste und hungrigen, dürftigen

dafs die Idee und ihre Ausführung als wohlgelungen be- Eindruck machen. Es giebt in Zürich kaum einen besseren
zeichnet werden können. E. C. Villengarten, wo nicht diese zierlichen Ahorne in mehreren

und sogar schon grofsen Exemplaren vertreten sind, wiewohl
wir hier klimatisch durchaus nicht günstiger, sogar noch
viel schlechter als manche Gegend Deutschlands liegen.
Es ist damit der genügende Beweis geliefert, dafs dieselben
Ziergehölze. lange nicht so zärtlich sind, wie man allgemein ange-

nommen hat. Die Pflanzen dürfen aber auch nicht vor

Wenig verbreitete empfehlenswerte Gehölze. dem Setzen auf ihren definitiven Standort durch unzu-
reichende Topfkultur verzärtelt worden sein, es ist dies
ein grofser Fehler, der ihrer Ausbreitung sehr hinderlich

Die japanischen Ahornarten findet man immer noch so ist. Hier werden die jungen einjährigen Veredelungen oder

wenig verbreitet und unrichtig kultiviert, wie ich mich jetzt Stecklingspflanzen gleich in das freie Land gesetzt und

wiederum beim Besuch vieler Städte überzeugen konnte, immer darin belassen. Im Winter wird nur der Boden

dafs es mir angebracht erscheint, einige Worte darüber etwas bedeckt, um bei Schneemangel den Frost nicht so

zu verlieren. tief eindringen zu lassen, da die Wurzeln doch meistens

Alle die zierlichen, anmutigen, durch Wuchs, Blatt- sehr flach liegen,
formen und Färbung so auffallenden japanischen Ahornarten Ligustrum vulgare pendulum, ein elegantes Trauer-
verlangen einen schweren feuchten Boden, wenn gehör/, das schon mehrere Jahre im Handel ist, bemerkt
sie freudig gedeihen und auch, widerstandsfähig sein sollen, man noch sehr selten in den Gärten, und doch sollte es
so zweifelhaft das auch zu sein scheint. Bs ist ein grofser seiner Schönheit wegen eine allgemeinere Verbreitung
Fehler, dafs man sie allgemein in Moor- oder Heideerde, finden. Man kann diese Art als Kronenbäumchen in bo-
oder überhaupt in der in vielen Gegenden Deutschlands liebiger Höhe auf Ligustrum vulgare oder Ligustrum
viel zu leichten sandigen Erde kultiviert. In solchen ovalifolium veredeln oder auch nahe am Boden und dann

Von St. Olbrich, Zürich V.
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