Die Gartenkunst — 1.1899

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66 DIE GARTENKUNST I, 4

Bei der praktischen Ausführung dieses Gedankenganges
war man sich hier und vielerorts der Eigenartigkeit der
zu lösenden Aufgabe nicht völlig bewufst, man vcrgafs den
Gegensatz zwischen Park und Friedhof und vermochte auch
den von altorsher eingeimpften Architektur-Gedanken noch
nicht genügend abzuschütteln. Man dachte „parkmäfsig"
und nicht „friedhofsmäfsig." Die unausbleibliche Folge
war, dafs auch bei den neuen Anordnungen alles land-
schaftlich. Verworrene und Unklare so ziemlich beim Alton
blieb, und obgleich an vielen Orten beträchtliche kommunale
Mittel zum Ankauf umfangreicher Grundstücke zur Ein-
richtung von parkähnlichen Friedhofsanlagen bewilligt
wurden, so kam, weil die richtige Vorstellung des Ein-
druckes dos durch den Gebrauch fertiggestellten Friedhofes
in der kurzen Voraussicht des Künstlers fehlte, für das
landschaftlich gebildete Auge etwas erspriefslich Park-
ähnliches nicht zutande. Um die Kapellen befinden sich
wieder von einigen breiten Alleen durchbrochen und endlich
weitab von kreisförmigen Wegeabschnitten begrenzt, die
althergebrachten Foldereinteilungen, die regelmäfsigoSchich-
tung der Grabstätten.

Ist man eben durch das Thor eingetreten, so blickt
man bestürzt um sich; unter den ausgebreiteten Baum-
kronen der Alleebäume hinweg übersieht man weithin das
Beerdigungsfeld, nichts als Monotomie empfängt uns, keine
Spur von einer landschaftlichen Kernpartie zeigt sich, und
die ganze Anordnungsweise steht der landschaftlichen Form
so fern als möglich. Weit weg, am Umfange des Areals
erst findet man Züge, die ein parkartiges Gepräge tragen
und wohl kaum für Bestattungszwecke geschaffen worden
sind. Xach und nach aber werden naturgemäfs auch diese
freien Flächen mit Grabdenkmälern bedeckt und alsdann
entstehen die bizarrsten Formen und trostlosesten Perspek-
tiven. Das Gewirr und Durcheinander der Grabzeichen und
Grabmonumente in allen denkbaren und undenkbaren
Formen und Stilarten beherrschen die freien Flächen und
weiche gefällige Wiesenlinien, wie in einer Park-Landschaft
wohlthuend bemerkbar, werden ersetzt durch die wider-
strebendsten eckigsten Linien und Formen, wie dieselben
von den Steinklopfern den Denkmälern und Gedenktafeln
mit auf den Weg gegeben sind. Deshalb gälte als Grund-
satz für landschaftliche Friedhöfe die Einengung der Ge-
sichtsfelder und die Verbannung der parkartigen Perspek-
tiven, welche die Triumphstücke der Parkanlagen bilden,
aber auf Friedhöfen durch Überhäufung der Fläche mit
Grabdenkmälern verletzend wirken und für das landschaft-
lich formgebildete Auge Harmonie und gegliederten Zu-
sammenhang nicht aufkommen lassen.

Wohl kann man eine Friedhofsanlage mit einer Park-
anlage umgeben, aber eine parkartige Friedhofsanlage giebt
es wegen Raummangel nicht. Man separiere, man bringe
durch geschickt angebrachte Pflanzungen, System und
hainartige Gliederungen in die einförmigen gleichartigen
Massen, je enger das Gesichtsfeld, desto besser ist der
Eindruck des Einzelbildes, je weiter der Überblick, desto
häfslicher wird die Wirkung sein. Alan erstrebe, dafs die
in geeigneter loser Weise mit den Denkmälern verflochtenen
Anpflanzungen separate Gruppen von eigener Geltung

bilden und die Vegetation anfängt, den Stein zu über-
wiegen, damit von Landschaft überhaupt im engeren Sinn
die Rede sein kann. Dann kommt Ruhe und Stimmung
in die Massen, und man braucht nicht beim Eintritt alles
auf einmal zu goniefson; die Friedhofsanlagen verlieren
auf diese Weise den Charakter der Präsentierteller. Das
Ideal des Landschafters, möglichst jedem Monumente in
weiter Landschaft einen eigenen Typus zu geben, ist leider
aus Raummangel nicht zu erreichen, und der Wirrwarr
der mathematisch berechneten eckigen Winkollinien der
Steinmassen wird auch auf landschaftlichen Friedhöfen
daher nicht ganz zu überwinden sein, aber es mufs doch
das Bestreben des Künstlers, diesem Ziele näher zukommen,
aus den Werken hervorleuchten, um durch Lösung der
eintönigen Massen und Vorherrschung der welligen Schaukel-
linien des Vegetationscharakters den Ausdruck „land-
schaftlich" begründen zu können.

Bei Neuanlagen ist diese Aufgabe mit einigem Ver-
ständnis der Sache leichter zu bezwingen, als an alten
Anlagen, die in ihren Grundziigen als fertig gelten müssen,
jedoch sind mir auf meinen Vortrag erhebliche Mittel von
der hiesigen Behörde bewilligt worden, um auf den beiden
letztgenannten Friedhöfen nach Möglichkeit den landschaft-
lichen Charakter zum Durchschlag zu bringen.

Baumpflanzungen in städtischen Strafsen.

Plauderei über Allee- und Proineiiiulenbäurne.

Von St. Olbrich, Zürich.

Wenn auch die Bedingungen für Anpflanzungen von
Schatten spendenden Bäumen in Strafsen im wesentlichen
heute noch wie früher dieselben geblieben sind, so haben
sich doch die Verhältnisse und Voraussetzungen, unter
deren Eindruck solche Anpflanzungen vorgenommen werden
müssen, vielfach geändert.

Es ist dies namentlich der Fall in Städten, deren
Strafsen den neueren Anforderungen gemäfs oft zu eng
angelegt sind, die aber auf Alleebäume nicht verzichten
wollen, jedoch die von Alters her bekannten, meistens
grofse Ausdehnung annehmenden Baumsorten nicht ver-
wenden können.

Wir werden daher in diesen Fällen die in neuerer
Zeit mehr bevorzugten kleinkronig bleibenden Baumsorten
verwenden müssen, an deren Auswahl kein Mangel ist.

. Die mehr oder weniger strengen städtischen Bau-
gesetze sind auch vielfach Ausschlag gebend für die Wahl
der Baumsorten in Bezug auf deren spätere Ausdehnung.
Ebenso kommen sehr häufig privatrechtliche und ästhetische
Rücksichten in Betracht.

Häuserreichen von besonders schönen architektonischen
Formen, oder mit besonderen Aussichten auf Flüsse, Seen,
Gebirge, oder sonst bevorzugte landschaftlich schöne
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